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"Ein bisschen krank"

Kritik an Schonarbeitsplätzen

Um die Produktion nicht zu gefährden, hat der Lebensmittel- zulieferer Satro die umliegenden Ärzte mit einer Briefaktion aufgefordert, seine Arbeitnehmer nur teilweise krank zu schreiben. Für die Kränkelnden wolle man "Schonarbeitsplätze" anbieten. Doch es hagelt Kritik von Experten.

Einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung nach soll die Firma neben Ärzten auch Krankenhäuser angeschrieben haben. In dem Papier verweise man jedoch darauf, dass es den Mitarbeitern frei stünde, die Schonar- beitsplätze zu nutzen. "Die Ärzte können dieses Schreiben ungelesen in den Papierkorb befördern. Dass, was das Unternehmen damit erreicht, ist nichts weiter als die eigene Imageschädigung", so Martin W. Huff, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln, auf Nachfrage von pressetext. Dem Juristen nach unterliegt der Arzt der Schweigepflicht. In der Folge sei der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber nicht verpflichtet mitzuteilen, ob er nur "ein bisschen" krank ist oder nicht. "Der Arzt entscheidet das ganz alleine", weiß Huff.

Leichtere Tätigkeiten für Mitarbeiter

Als Rechtfertigung für das Rundschreiben bringt Satro hervor, dass die "ganze Sache" doch nur aufgrund der Anfragen aus der eigenen Belegschaft ins Rollen gekommen sei. "Bei uns haben sich einige krank geschriebene Mitarbeiter gemeldet. Die wollten nicht mehr nur so zu Hause rumsitzen und fragten nach, ob sie leichteren Tätigkeiten nachgehen könnten", heißt es. Die Briefe an die Ärzte und Krankenhäuser seien zur Information gedacht gewesen und hätten nicht zum Ziel gehabt, sich in die Absprachen zwischen Ärzten und Patienten einzumischen.

Wer keinen Schonarbeitsplatz in Anspruch nehmen will, so Satro in einer Erklärung, braucht nichts zu befürchten. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe will der Erklärung des Unternehmens keinen Glauben schenken und sieht in der ungewöhnlichen Aktion einen Vertrauensbruch. Außerdem grenze diese an eine Manipulation. Firmen sollten nicht in das Hoheitsrecht der Mediziner eindringen. Laut dem Ärztekammer-Vertreter Heinz Ebbinghaus hält bei Managern die Vorstellung Einzug, dass man trotz Krankenschein noch arbeiten kann.

Gewerkschaft: Arbeitnehmer unter Druck gesetzt

Auch Manfred Sträter von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht die Maßnahme kritisch und bezeichnet das Vorgehen von Satro sogar als "völligen Blödsinn". Ärzte und Arbeitnehmer würden dreist unter Druck gesetzt. Satro mit Hauptsitz in Lippstadt ist eine 100-prozentige Tochterge- sellschaft von Campina und hat sich auf funktionale Blends für die Molkerei-Industrie, Heißgetränke für die Vending-Branche und Instant-Kaffeespezia- litäten für den Einzelhandel spezialisiert.

(Redaktion)


 


 

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