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Exklusivinterview Klinikum Saarbrücken

"Wir werden von allen Seiten zerquetscht"

Jedes zweite Krankenhaus in Deutschland macht Miese. Bisher blieb das Klinikum Saarbrücken noch verschont. Das liegt unter anderem an dem Management des Teams um Geschäftsführerin Dr. Susann Breßlein. Warum es den Krankenhäuser aktuell so schwer fällt, rentabel zu bleiben, erzählt Breßlein gemeinsam mit ihrem Stellvertreter, Personalchef Edwin Pinkawa, im Exklusiv-Interview mit business-on.de.

business-on.de: Wie wird man Klinikchefin eines großen Krankenhauses?

Dr. Susann Breßlein: Ich bin seit 21 Jahren hier im Klinikum als Geschäftsführerin tätig. Vorher war ich über acht Jahre im evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken als Verwaltungsdirektorin. Ich habe Volkswirtschaftslehre studiert und meine Diplomarbeit zum Thema „Kostendämpfung im Gesundheitswesen“ geschrieben.

Danach habe ich fünf Jahre an der Uni gearbeitet, meinen Doktor gemacht und gar nichts mehr mit Gesundheits- oder Sozialpolitik zu tun gehabt. Danach brauchte ich einen Job, sah eine Ausschreibung der Klinik in Zweibrücken und die haben mich genommen.

"Ich würde mich heute nicht mehr einstellen"

Ich bin praktisch direkt von der Uni an die Spitze eines Krankenhauses. Ich war damals 27. Also zwei Wagnisse für die Klinik: absolut jung und keine Führungserfahrung. So jemanden würde ich heute nicht nehmen (lacht).


Edwin Pinkawa: Ich bin auch Volkswirt. Es gibt eine Menge Parallelen. Ich habe mein Berufsweg begonnen bei einem Industrieunternehmen bei Unilever im Personalwesen. Wurde dann auch sehr jung stellvertretender Personalleiter.

Dann bot sich die Chance Personalleiter auf dem Winterberg zu werden. Und hier bin ich seit 30 Jahren.

Meine größte Angst

business-on.de: Was war Ihre größte Angst zu Beginn Ihrer Tätigkeit?

Dr. Susann Breßlein: Meine größte Angst war, dass ich morgens ins Büro komme, es gibt unglaublich viel zu tun und ich weiß es aber nicht (lacht).

Was mir sehr geholfen hat, waren die damaligen Schulungen im Rahmen der Gesundheitsreform. Ich bin da quasi automatisch mit reingerutscht. Letztendlich habe ich gemerkt, dass es im Krankenhaus genauso ist, wie in jeder anderen Führungsposition. Es kommt nicht auf die Theorie an, sondern auf Strategie und Menschenführung.

business-on.de: Viele Kliniken fernab der Ballungsgebiete haben Probleme qualifiziertes Personal zu finden. Wie sieht das in Saarbrücken aus?

Edwin Pinkawa: Der Fachkräftemangel beschäftigt uns schon seit Jahren. Auch im Saarland sind die Ärzte knapp. Wir haben den Vorteil, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber in der Landeshauptstadt sind.

Die große Auswahl an Bewerbern, die wir früher bei den Ärzten einmal hatten, gibt es aber längst nicht mehr. Bei den Pflegekräften sieht es etwas besser aus.

business-on.de: Warum sind die Kliniken Saarbrücken aus den Augen des Personalchefs ein guter Arbeitgeber?

Edwin Pinkawa: Wir reagieren auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter. Früher war es normal, wenn Ärzte unbezahlte Überstunden machen. Die Sichtweise der Ärzte hat sich da schon vor Jahren gewandelt.

Mitarbeiter fragen sich: Wie attraktiv und flexibel sind meine Arbeitszeiten? Wie werden Überstunden bezahlt? Darauf haben wir schon ganz früh reagiert. Noch vor der Forderung des Marburger Bund haben wir elektronische Zeiterfassungssysteme installiert, um einen fairen Umgang mit Arbeitszeiten zu garantieren.

Rundumsorglospaket für Mitarbeiter

Work-Life-Balance ist ebenfalls ein großes Thema. Beispielsweise haben wir eine eigene Service-Stelle Familie und Beruf. Da kann sich jeder Mitarbeiter hinwenden, wenn er Probleme mit der Dienstplanung hat oder Hilfe bei der Kinderbetreuung braucht. Wir haben auch eine Servicestelle für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Wir haben ja immer mehr Mitarbeiter aus dem Ausland.

Dr. Susann Breßlein: Dazu kommt ein Kinderbetreuungsangebot, welches wir jetzt für die zweite Jahreshälfte planen. Aber auch ein Betreuungsangebot für ältere Menschen. Viele unsere Mitarbeiter müssen in der ersten Lebenshälfte Ihre Kinder und später Ihre Eltern betreuen. Auch dabei bieten wir Unterstützung. Herr Pinkawa ist übrigens 2010 ausgezeichnet worden für innovative Personalkonzepte.

Unser Haus ist außerdem als Maximalversorger aufgestellt. Das heißt, wir bieten bis auf Transplantationen und Herzchirurgie alles an. Und das ist natürlich für Ärzte interessant. Sie können auch Ihre Ausbildung komplett hier machen. Allerdings ist es sehr schwierig, Ärzte von außerhalb des Saarlandes zu gewinnen.

business-on.de: Warum ist das so?

Dr. Susann Breßlein: Ich weiß es nicht. Ich bin ja auch von außerhalb des Saarlandes und ich fühle mich sehr wohl hier. Anscheinend denkt man immer noch an Kohle und Stahl, wenn man Saarland hört.


 


 

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