18.01.2012  09:02 Uhr

Anlagetipps
In Zeiten der Eurokrise sicher Geld anlegen – welche Möglichkeiten gibt es?

SaarLorLux. Bei Jahreswechsel noch auf über 1,30 Dollar, aktuell mit 1,27 Dollar auf dem niedrigsten Niveau seit September 2010 – Sorgenkind Euro. Trotz Fiskalpaket und potentiellem Euro-Austritt Griechenlands zeigen sich die Märkte nervös. Wie investiert man in der Eurokrise? Wer keine Angst vor Risiken hat, fährt attraktive Renditen ein.

Die Spareinlagen sind sicher - diese vollmundige Garantieerklärung der Großen Koalition scheint lange her. Seit Herbst 2008 stecken ganze Staaten im Schuldensumpf. Ob und wie Gläubiger hier ausreichend bedient werden, bleibt ungewiss. Es sind unsichere Zeiten, die die Frage nach der sicheren Geldanlage aufwerfen - ein Dauerparkplatz auf einem Sparkonto zu einem Zinssatz, der nicht einmal die Inflationsrate ausgleicht, ist keine Option.

Festgeldkonten mit deutscher Einlagensicherung? Mit bis zu drei Prozent etwas über der Sparbuchverzinsung, aber wählen Sie kurze Laufzeiten von maximal zwei Jahren - die anziehende Inflation sitzt auch diesem Anlagetyp im Nacken.

Wo die sichere Anlageform fehlt, muss ein Anlagemix aus Immobilien, Rohstoffen, Aktien und Anleihen plus Tagesgeldkonto her, der potentielle Risiken streut und sich für Investoren eignet, die eine mittel- bis langfristige Anlagestrategie mit einem Planungshorizont von fünf Jahren und mehr verfolgen.

Je nach Risikobereitschaft vertrauen unterschiedlichste Portfolios eher auf die Sicherheit von Bundesschatzbriefen, reizen temporäre Aktien-Chancen aus, die größtmöglichen Gewinn versprechen, oder setzen auf Dach-Hedgefonds. Immer Teil des Mixes: Immobilienfonds.

Anleihen

Anleihen sind festverzinsliche Rentenpapiere, deren Zins über den Sparkontozins rangiert. Wer diese als Rentenfonds gebündelt kauft, muss Kosten für Anleihenkauf und Fondsmanagement kalkulieren. Anleihen wie Bundeswertpapiere kauft man gebührenfrei bei der Finanzagentur in Frankfurt - niedriger verzinst, dafür ohne Ausfallrisiko: Hier bürgt der Steuerzahler.

Allerdings rechnen auch hier Experten mit einem Anstieg der Risikoprämien deutscher Anleihen. Denn Deutschland sitzt durch die Garantien des Rettungsschirms mit den übrigen Eurostaaten in einem Boot: Kursverluste fressen höhere Erträge einfach auf.

Mehr Risiko gefragt? Dann mischen Sie höher verzinste Rentenfonds von Schwellenländern bei. Anleihen hochverschuldeter Eurostaaten locken Zinsen über neun Prozent. Wer sich dafür entscheidet, nimmt nur Anleihen, die noch während des Rettungsschirms bis 2013 auslaufen. Denn spitzt sich die Krise zu, verlassen diese Staaten als erste das Währungssystem.

Aktien

Börsengehandelte, indexbasierte Fonds verlangen einen Anlagehorizont von 15 Jahren und mehr. Das niedrige Zinsniveau sorgt für vertretbare Verwaltungsgebühren von 0,15 bis 0,4 Prozent bei den Indexfonds. Aktien bieten einen guten Inflationsschutz - wie ein Indexfonds aus Aktien von 50 Konzernen der Euro-Staaten, Wertentwicklung am Eurostoxx 50 ablesbar und ohne Währungsrisiko.

Wer seinen Fonds global aufstellt, kann in Schwellenländer mit vielversprechenden Wachstumsraten investieren, aber auch hier gilt: Immer breit gestreut und damit risikogedämmt, sowohl hinsichtlich der Branchen- als auch Regionen-Vielfalt. Checken Sie Ihren Prospekt: Wie hat sich ein bestimmtes Produkt wertmäßig entwickelt?

Immobilien

Immobilienfonds bieten die Option, vergleichsweise inflationsfest in Gewerbeobjekte zu investieren und an Mieteinnahmen und Objektwertsteigerungen zu partizipieren. Dennoch wackelt diese als solide bekannte Anlageform gelegentlich: Fondsgesellschaften, die während des Booms zu überhöhten Preisen eingekauft hatten, mussten Abschreibungen vornehmen. Das Ende vom Lied: Die Rücknahme von Anteilsscheinen wurde auf Eis gelegt, Offene Investmentfonds dichtgemacht.

Wo alle kaufen, kauft man zu teuer - eine Binsenweisheit, deren Wahrheitsgehalt derzeit auch der angespannte Hamburger Markt zu spüren kriegt. Doch es gibt noch solide Fonds: Achten Sie auf Anbieter, die lange am Markt sind und über ein umfassendes Vertriebsnetz verfügen, um dann langfristig anzulegen: Ab 2012 beträgt die Kündigungsfrist auf Einlagen ein ganzes Jahr, und pro Halbjahr lassen sich nicht mehr als 30.000 Euro flüssig machen; Neuanlegern drückt der Gesetzgeber künftig eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren auf.

Gold

Krisenzeit - Zeit, sich die Taschen reflexartig mit Gold zu füllen. Dennoch zeigt die langfristige, rückwärtige Betrachtung bis 1980: Dieses Edelmetall ist schlechter ist als sein Ruf, das volatile Gold mehr als spekulativ. Und angesichts der Tatsache, dass bei aktuellen Rekordpreisen für die Feinunze von über 1400 Dollar der Gold-Boom beendet scheint, darf die Frage nach sinnvollen Gründen erlaubt sein, jetzt noch einzusteigen.

Und Devisen? Wer sich mit vermeintlich soliden Fremdwährungen wie Schweizer Franken eindeckt, hat ohnehin den richtigen Zeitpunkt verpasst - so einschlägige Finanzexperten, die gleichzeitig Entwarnung geben: Sechs Prozent Zinsen könne kein Staat verkraften? Das hätte für mehr als die Hälfte der westlichen Staaten in den letzten zwei Jahrzehnten bereits die Pleite bedeutet. Deutschland eingeschlossen, das in den frühen Achtzigern mit Zinsen für Bundesanleihen von zwölf Prozent lockte. Ein baldiges Auseinanderbrechen des Währungsverbunds? Nein, das ist nicht wirklich zu befürchten.

Redaktionelle Mitarbeit: www.finanzcheck.de


 

(Redaktion)

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