13.02.2012  07:46 Uhr

Arbeitsplatz
Home-Office - Segen oder Fluch?

SaarLorLux. Das Arbeitsleben befindet sich in stetigem Wandel und treibt nicht erst seit der weltweiten Verbreitung des Internets die Dezentralisierung von Arbeitsplätzen voran. Das so genannte Home Office hat klare Vorteile: flexible Zeiteinteilung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile.

Angestellte im Dienstleistungssektor, freischaffende Künstler und andere Selbstständige haben das Home-Office längst für sich als optimalen Arbeitsplatz entdeckt, um in einem gewohnten Umfeld ihren beruflichen Tätigkeiten nachzugehen. Die Vorteile eines individuellen Arbeitsplatzes und oftmals auch einem freien Zeitmanagement gehen jedoch auch mit Nachteilen einher, die trotz guter, beruflicher Perspektive die eigene Gesundheit und Lebensfreude belasten können.

Ob die Arbeit in einem Home-Office somit eher einen Idealzustand oder einen Arbeitsplatz mit Nebenwirkungen darstellt, bleibt eine individuelle Einschätzung.

Geringere Karriereaussichten

Egal, ob das Verkehrschaos auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder die schlechte Stimmung im Büro zum Störfaktor für einen Erwerbstätigen wird - nach Aussagen und Analysen des internationalen Personalberaters Korn/Ferry können sich drei von vier Arbeitnehmern in den großen Wirtschaftsnationen vorstellen, verschiedene Tätigkeiten für ihr Büro von zu Hause aus durchzuführen.

Nach Einschätzung der für die Studie befragten Führungskräfte hat die Verlegung des Arbeitsplatzes dabei keine Auswirkungen auf die Produktivität, viele von ihnen schätzen eine berufliche Tätigkeit im heimischen Umfeld sogar als noch produktiver ein.

Etwa drei Viertel der befragten Führungspersonen machten jedoch auch deutlich, dass nach ihrer Einschätzung die Karrierechancen bei größeren Unternehmen eher sinken, wenn sich Angestellte für das Home-Offices entscheiden. Nur wer permanent im Unternehmen selbst wahrnehmbar ist und persönlich auffällt, kann auf eine entsprechende Beförderung hoffen.

Eine optimale Arbeitsatmosphäre schaffen

Wer schon heute Tätigkeiten in einem Home-Office nachgeht oder kleinere Aufgaben für die Industrie in Heimarbeit durchführt, profitiert hierbei in erster Linie von einer freien Zeiteinteilung in einem besonders vertrauten Umfeld. Vor allem bei der Betreuung von Kindern wird die Arbeitsmöglichkeit zu Hause besonders geschätzt, Störfaktoren eines größeren Betriebs oder einer Bürolandschaft lassen sich auf Wunsch bewusst eindämmen.

Vor allem Kreative schätzen diese Freiheit, die meist nicht auf Knopfdruck an ihrem Arbeitsplatz Ideen und Umsetzung liefern können, sondern hier eine zeitliche und räumliche Freiheit als Grundvoraussetzung für ihre geistige Entfaltung sehen. Im Computerzeitalter sind zudem zahlreiche Tätigkeit überall dort ausführbar, wo der eigene Laptop Zugang zum Internet erhält - ein idealer Zustand für viele Kreative vom Programmierer bis zum Autor.

Die psychische Komponente nicht unterschätzen

Jede Freiheit hat ihren Preis, so auch die Freiheit einer Tätigkeit im Home-Office. Allein in den eigenen vier Wänden tätig zu werden, führt schnell zu einer als unangenehm empfundenen Vereinsamung, die auch gelegentliche Kontakte mit Kunden oder Mitarbeitern der eigenen Firma per Telefon nicht ganz kompensieren können.

Wer als Freelancer merkt, wie sich dieser Zustand auf das eigene Gemüt schlägt und schlimmstenfalls die Arbeitsfähigkeit einschränkt, profitiert von sogenannten Bürogemeinschaften, die mittlerweile in allen größeren Städten Deutschlands entstehen. Gegen eine geringe Beteiligung an der Büromiete steht es Mitgliedern der Gemeinschaft frei, hier ihren Tätigkeiten nachzugehen und dabei auf andere, freie Berufstätige mit der gleichen Sehnsucht nach Mitmenschen zu treffen, die nicht gleich Konkurrenten für den eigenen Beruf darstellen. Die Kontakte, die hierbei entstehen, können bestenfalls sogar zu neuen Aufträgen verhelfen.

Als selbstbestimmtes Arbeitsmodell für die Zukunft interessant

Sowohl Industrie- wie auch Dienstleistungsunternehmen erkennen die Vorteile des Home-Office für sich und bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Familie und Beruf im modernen Lebensumfeld miteinander zu vereinbaren.

Ein Personalchef wie Dieter Scholz von IBM Deutschland gab 2011 im Interview bei der Financial Times an, dass die Erlaubnis von beruflichen Tätigkeiten im heimischen Umfeld einen wesentlichen Attraktor darstellen kann. So lassen sich auch Fachkräfte für ein Unternehmen gewinnen, die man sonst zum Beispiel aufgrund ihrer Familiensituation nicht bekommen würde.

Und selbst für Alleinstehende kann der entfallende Weg zum Arbeitsplatz oder die Option zur Nachtarbeit Anreiz genug sein, diese moderne Form des Arbeitens zu wählen. Der Trend zum Home-Office dürfte so zukünftig eher noch ansteigen.

Redaktionelle Beratung: www.wcoa2002.com


 

(FN)

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