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Insolvenz Flughafen Zweibrücken

IHK Pfalz und Saar über drohende Schließung uneins

Nachdem bekannt wurde dass der Flughafen Zweibrücken möglicherweise geschlossen wird, reagieren die regionalen Industrie- und Handelskammern unterschiedlich. Beide Kammern halten weiterhin an ihren Flughäfen in Saarbrücken und Zweibrücken fest.

Die Reaktion der IHK Pfalz

Der Regionalflughafen Zweibrücken soll geschlossen, Saarbrücken-Ensheim soll weiterbetrieben werden. „Das ist ein schwerer Schlag für die gesamte Westpfalz und macht viele Anstrengungen zunichte, die wir im Rahmen der Konversion am Flughafen Zweibrücken in den vergangenen 15 Jahren unternommen haben“, so der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz, Dr. Rüdiger Beyer.

Als Grund für die plötzliche Schließung werden vor allem Beanstandungen der Europäischen Kommission zu Beihilfezahlungen des Landes Rheinland-Pfalz an den Flughafen Zweibrücken genannt. Diese betrugen in Zweibrücken zuletzt ca. 4,6 Mio. € und wirken laut EU wettbewerbsverzerrend. „Diese Einschätzung ist nur schwer nachvollziehbar. Saarbrücken-Ensheim musste zuletzt mit rund 10 Mio. € vom Steuerzahler gestützt werden. Warum nun diese Beihilfen wiederum nicht wettbewerbsverzerrend wirken, erschließt sich mir nicht“ so Rüdiger Beyer.

„Dabei hat die EU grundsätzlich recht. Auf Dauer kann die Saarpfalz-Region nur einen Flughafen vertragen“, so Rüdiger Beyer weiter. Diese Entscheidung sollte aber nach Auffassung der Wirtschaft ausschließlich unter flugbetrieblichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen werden. Sie dürfe nicht von Fragen unrechtmäßiger Beihilfen oder gar von landespolitischen Eitelkeiten abhängig gemacht werden.

Saarbrücken-Ensheim weist mit einer nutzbaren Länge der Start- und Landebahn von 1.990 m schon heute bei Mittelstreckenflügen spürbare Restriktionen auf. Zweibrücken hingegen ist hier mit einer Länge der Start- und Landebahn von 2.675 m deutlich besser aufgestellt. Daher nutzen Mittelstreckenflieger, z.B. auf die Kanaren, schon heute vermehrt den Flughafen Zweibrücken. Abgesehen davon sind die Beihilfen in Zweibrücken nicht einmal halb so hoch wie in Saarbrücken, was auch betriebswirtschaftliche Fragen aufwirft.

„Das Land muss nun viele offene Fragen beantworten“, so Rüdiger Beyer. Warum sind die Beihilfen für Zweibrücken illegal? Gab es Mängel in der Gewährung und Notifizierung dieser Beihilfen gegenüber Brüssel und wer trägt hierfür die Verantwortung? Gibt es einen Zusammenhang mit Beihilfefragen am Flughafen Hahn oder am Nürburgring? Wie soll es in Zweibrücken am Flughafen weitergehen und was passiert mit den rund 100 Mitarbeitern?

Aber auch auf weitere Unternehmen, die sich im Vertrauen auf den langfristigen Betrieb des Flughafens dort angesiedelt haben, kommen Probleme zu. So erlischt z.B. mit der Einstellung des Flugbetriebes auch die rechtliche Grundlage für die zusätzlichen Sonntagsöffnungen im The Style Outlets. „Wir erwarten von der Landesregierung ein klares Konzept, wie es in der Region weitergehen soll“, so Rüdiger Beyer.

Die Reaktion der IHK Saar

„Das ist eine gute Nachricht für den Flughafen Saarbrücken, für die Mitarbeiter dort und insbesondere auch für den Wirtschaftsstandort Saarland. Denn das Signal aus Brüssel ist ein wichtiger und notwendiger Schritt zur dauerhaften Sicherung des Flughafens. Unsere international tätigen Unternehmen brauchen weiterhin direkte Flugverbindungen nach Berlin und Hamburg sowie eventuell auch wieder nach München.“ Mit diesen Worten kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch die Entscheidungen der Europäischen Kommission zu den Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken.

Positiv sei auch, dass das Land von finanziellen Rückforderungen verschont bleibe, die den ohnehin schwierigen Konsolidierungskurs zusätzlich belastet hätten. Jetzt komme es darauf an, den von Brüssel als tragfähig bewerteten Businessplan konsequent umzusetzen, so Giersch.

Aus Sicht der IHK eröffnen das Signal von EU-Kommissar Almunia und die angekündigte Schließung des Flughafens Zweibrücken zugleich neue Spielräume für die Weiterentwicklung des Saarbrücker Flughafens - insbesondere im Charterverkehr. Giersch: „Der Flughafen Saarbrücken wird jetzt – auch dank seiner guten Infrastruktur - zum ersten Ansprechpartner für Flugverbindungen und Flüge aus dem Südwesten. Wenn es uns gelingt, den Flughafen zukunftsorientiert weiterzuentwickeln, ist das letztlich auch gut für unsere Nachbarn in Rheinland-Pfalz. Denn ein starker Flughafen in der Region ist besser als zwei notleidende.“

(Redaktion)


 


 

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