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Kreativer Ausbildungsberuf

Zahntechnik bietet viele Aufstiegschancen

Der Fachkräftemangel macht auch vor der Zahntechnik nicht halt. Dies bekommt auch Ronald Lange, Zahntechnikermeister aus Bous, zu spüren. Wo es vor Jahren noch zwei Klassen mit jeweils mehr als 20 Schülern gab, entscheiden sich derzeit nur noch rund 15 Schüler zu einer Ausbildung. Bis zum erfolgreichen Abschluss der Zahntechnikerprüfung halten es meist nicht einmal zehn durch. Und das obwohl, wie Lange versichert, die Arbeit als Zahntechniker überaus kreativ ist und viele Aufstiegschancen bietet.

„Gerade in unserer Region ist der Fachkräftemangel sehr stark zu spüren“, sagt Ronald Lange. Der Zahntechnikermeister aus Bous beschäftigt in seinem Dentallabor rund 40 Mitarbeiter. „Jährlich bilden wir zwei Lehrlinge aus, die wir in der Regel dann auch übernehmen. Allerdings wird es immer schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden – und die ausgebildeten Zahntechniker dann auch zu halten.“

Die „Qualität“ der Bewerber sei im Durchschnitt längst nicht mehr so wie noch vor ein paar Jahren, bemängelt Lange. Die Ausbildung an sich verlangt zudem sehr viel von den Azubis ab: „Es gibt eine Menge Theorie zu lernen und auch die handwerklichen Fertigkeiten müssen geschult werden“, so Lange. „Außerdem geht es auch nicht darum, die Ausbildung 'gerade so' zu bestehen. Immerhin steht hinter unserer Arbeit die Gesundheit von Menschen. Da ist kein Platz für 'gerade so', da muss man immer sein Bestes geben.“

Dass es auch erfreuliche Ausnahmen gibt, zeigt der internationale Azubi -Wettbewerb anlässlich der Messe IDS in Köln. Ferdi Kollcaku, Auszubildender bei Dentale Technik Lange in Bous, konnte mit seiner eingereichten Arbeit in diesem Jahr der ersten Platz gewinnen und die begehrte GYSI-Medaille ins Saarland holen.

„Wir stecken sehr viel Energie in die Ausbildung unserer Lehrlinge.“, sagt Lange. „Da ist es schön, wenn diese so viel Ehrgeiz zeigen und zur Top-Elite gehören.“

Gute Aufstiegschancen in der Zahntechnik

Die aufwendige Ausbildung ist laut Lange leider auch ein Grund für die nicht allzu gute Bezahlung: „Lehrmaterialien in der Zahntechnik sind überaus kostspielig. Wir können unsere Azubis aber ja nicht gleich an echte Patienten lassen. Die fachgerechte Ausbildung kostet uns neben Zeit somit auch viel Geld. Daher beschränkt sich der Verdienst je nach Lehrjahr auf rund 300 bis 450 Euro.“

Auch nach der Lehre, ist das Gehalt eines Zahntechnikers nicht sonderlich hoch. Laut Lange liegt der Durchschnittsverdienst bei etwa 1.200 bis 1.400 Euro brutto. „Das mag vielleicht erstmal abschreckend wirken, da man zum Beispiel in der Industrie sehr viel mehr Geld verdienen kann. Zumindest als Einstiegsgehalt. Aber als Zahntechniker bieten sich viele Aufstiegschancen und Spezialisierungen, die es in anderen Jobs so nicht gibt.“

Aufgrund dieser Tatsache, behauptet Ronald Lange gerne, dass die eigentliche Ausbildung erst nach der Ausbildung kommt: „In den dreieinhalb Jahren lernen die Azubis gerade mal die Grundkenntnisse der Zahntechnik. Danach kommen Fortbildungen, Spezialisierungen und eventuell auch ein Studium.“

Diese immerwährende Weiterbildung spiegelt sich dann auch im Gehalt wieder. „Wer gut ist, kann durchaus auch ein Vielfaches des Grundgehaltes verdienen.“

Zukunftsaussichten

In Zukunft wird der Beruf des Zahntechnikers viele Spezialisten hervorbringen, ist sich Lange sicher. „In unserem Handwerk nehmen Computer und moderne Technik eine immer wichtigere Rolle ein. Vor allem durch CAD/CAM wird sich einiges ändern. Vieles wird künftig automatisch ablaufen, andere Arbeiten werden aber top ausgebildete Spezialisten erfordern.“

Deswegen setzt sich Lange in seinem Amt als Vorstandsmitglied der Innung auch dafür ein, dass während der Ausbildung diese fortschrittlichen Techniken besser geschult werden. Derzeit mangele es noch stark an modernen Ausbildungsinhalten.

Gerade weil es derzeit einen Umschwung in der Zahntechnik gibt, sei es so spannend, jetzt einzusteigen, meint der Zahntechnikermeister. So schwappe zurzeit etwa der Trend zum Bleaching aus Amerika herüber. Die Leute wollen immer schöner aussehen und nicht mehr altern – neben den gängigen Schönheits-OPs legen laut Lange immer mehr Menschen auch Wert auf blendende Zähne. Die Menschen werden künftig also nicht nur bei gesundheitlichen Problemen die Leistungen der Zehntechnik in Anspruch nehmen, sondern auch, um Schönheitsidealen gerecht zu werden.

Durch die Vielzahl der Neuerungen in der Zahntechnik ist eine fortwährende Weiterbildung unumgänglich. Ronald Lange schickt seine Mitarbeiter deswegen jährlich auf ein bis zwei externe Fortbildungen. „Hinzu kommen Weiterbildungsangebote, die inhouse stattfinden. Die Teilnahme an diesen Maßnahmen ist eine Pflicht. Das schließt mich selbst mit ein – auch ich gehe alljährlich auf Lerhgänge, um neue Techniken zu erlernen und auf dem Laufenden zu bleiben. Schließlich sind wir ja auch ein Forschungsbetrieb.“

Diese Fortbildungen machen den Job laut Lange besonders interessant: „Es werden immer mehr Spezialisten benötigt. Der Allrounder, der sich überall 'ein bisschen' auskennt, wird nach und nach verschwinden. So kann sich jeder nach der Ausbildung voll und ganz auf das Themengebiet konzentrieren, was ihm am meisten liegt.“

Kein 35-Stunden-Job

„Dass viele Zahntechniker nach mehreren Jahren in die Industrie 'abwandern', liegt vor allem daran, dass sie dem Stress nicht mehr standhalten wollen oder können.“. Die Zahntechnik sei nunmal kein 35-Stunde-Job, sagt Lange. Auch könne man um Punkt 17 Uhr nicht einfach alles fallen lassen: „Die Patienten brauchen ihre Zähne. Man darf nie vergessen, dass hinter unserer Arbeit immer Menschen stecken. Da kann es abends auch mal etwas länger werden, wenn eine Arbeit fertig werden muss. Auch an Wochenenden heißt es manchmal: antreten.“

Warum man dann trotz niedrigem Einstiegsgehalt, Stress und dem ständigen Fortbildungszwang Zahntechniker werden sollte? Da muss Lange nicht lange überlegen: „Es ist ein fantastischer Job, der einem viele Freiheiten bietet. Es wird nie langweilig, da jeder Auftrag etwas Neues ist. Wir arbeiten nicht am Fließband, wo täglich Tausende identische Teile von A nach B bewegt werden müssen.“

Außerdem sei die Zahntechnik ein Handwerksberuf – das werde vor allem durch das lässige Miteinander deutlich. „Wir haben bei unserer Arbeit immer sehr viel Spaß! Auch wenn es mal stressig wird, kommt das Kollegiale nie zu kurz. Ich habe meinen Traumjob gefunden.“

Weitere Infos rund um die Ausbildung zum Zahntechniker unter: www.dentaletechnik-ronaldlange.de

(Thorsten Becker)


 


 

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