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Lebensmittel-Kennzeichnung

Neue EU-Lebensmittelinformationsverordnung in Kraft getreten

Seit dem 13. Dezember 2014 gelten europaweit neue Regeln für die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Die neue EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schreibt vor, welche Angaben in welcher Form auf Etiketten und Verpackungen vermerkt sein müssen.

Mit In-Kraft-Treten der neuen Verordnung sollen Verbraucher mehr Information über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln erhalten, um sich beim Einkauf bewusster für oder gegen Produkte entscheiden zu können – in Bezug auf gesundheitliche, wirtschaftliche, umweltbezogene, soziale und ethische Gesichtspunkte. Teilweise gelten jedoch Übergangsfristen bis Ende 2016. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Lesbare Schriftgröße
    Vorbei sein soll es mit zu klein gedruckten und damit kaum lesbaren Produktangaben. Zu der Vorschrift, dass alle Angaben an einer gut sichtbaren Stelle und deutlich lesbar anzubringen sind, kommt eine neue hinzu: Erstmals schreibt die EU für die Pflichtangaben auf Lebensmittelverpackungen und Etiketten eine Schrifthöhe von mindestens 1,2 Millimeter vor – gemessen am Buchstaben „x“ (x-Höhe). Keine Regel ohne Ausnahme: Auf sehr kleinen Verpackungen, deren Oberfläche unter 80 Quadratzentimetern liegt, dürfen Hersteller auf die Mindestschriftgröße von nur 0,9 Millimeter ausweichen.
  • Darstellung der Pflichtangaben
    Alle Pflichtelemente müssen in Worten und Zahlen vermerkt sein. Bilder und Symbole dürfen lediglich zusätzlich verwendet werden.
  • Allergieauslöser
    Bei verpackter Ware müssen mögliche allergieauslösende Inhaltsstoffe im Zutatenverzeichnis optisch herausgestellt werden, etwa durch Farbe oder abweichende Schrift. Nach der LMIV ist es nun auch Pflicht, bei loser Ware über Allergene zu informieren. Das betrifft den Einzelhandel wie auch Gastronomie, Kantinen und Bedientheken. In der Gastronomie und an Bedientheken kann die Auskunft derzeit mündlich erfolgen. Ein Schild, ein Aushang oder die Speisekarte muss jedoch auf diese Informationsmöglichkeit hinweisen. Außerdem müssen schriftliche Unterlagen über enthaltene Allergene vorhanden sein, welche Verbraucher auf Wunsch einsehen können. Eine konkretere Umsetzung dieser Informationspflicht soll eine deutsche Verordnung regeln, die zurzeit vorbereitet wird.
  • Herkunftsnachweis für Fleisch
    Bisher gab es eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung nur für Rindfleisch. Ab 1. April 2015 wird der Herkunftsnachweis ausgeweitet auf verpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch. Diese Pflichtkennzeichnung gilt für frisches, gekühltes oder gefrorenes Fleisch. Verarbeitete Fleischerzeugnisse schließt sie nicht mit ein.
  • Einfrierdatum
    Nach der neuen Verordnung muss – ergänzend zum Mindesthaltbarkeitsdatum –auf eingefrorenem Fleisch und Fleischzubereitungen sowie eingefrorenen unverarbeiteten Fischereierzeugnissen das Einfrierdatum vermerkt sein: „eingefroren am ...“.
  • Lebensmittelimitate
    Bei Lebensmittelimitaten ist eine klare Nennung verpflichtend, welcher Bestandteil teilweise oder vollständig ersetzt wurde. Diese Angabe muss in unmittelbarer Nähe der Produktbezeichnung stehen und in einer Schriftgröße gedruckt sein, die mindestens 75 Prozent der Größe der Produktbezeichnung beträgt. Beispielsweise Formfleisch oder vergleichbare Fischprodukte, die aus Stücken zusammengefügt wurden, müssen den deutlichen Hinweis „aus Fleischstücken zusammengefügt“ oder „aus Fischstücken zusammengefügt“ tragen. Nicht vorgesehen ist hingegen die wörtliche Bezeichnung „Imitat“.
  • Pflanzliche Fette und Öle
    War es bisher möglich, die Begriffe „pflanzliches Öl“ und „pflanzliches Fett“ als Klassennamen zu verwenden, muss nunmehr die spezielle pflanzliche Herkunft genannt sein, etwa Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Kokosfett.
  • Nanopartikel
    Kleinstteilchen-Zutaten brauchten bisher nicht ausgewiesen zu werden. Nach der LMVI müssen im Zutatenverzeichnis nun alle technisch hergestellten Nanomaterialien eindeutig erkennbar sein. Hinter der Bezeichnung solcher Zutaten muss das Wort „Nano“ in Klammern folgen. Dabei stuft die EU Partikel unter hundert Nanometern als „Nano“ ein (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter).
  • Nährwertangaben
    Bisher war die Nährwertkennzeichnung für die meisten Lebensmitteln freiwillig. Verpflichtungen gab es nur für bestimmte Lebensmittelgruppen wie diätetische Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel. Ab dem 13. Dezember 2016 werden Nährwertangaben grundsätzlich verpflichtend. Geben Hersteller bereits heute freiwillig eine Nährwertkennzeichnung auf der Verpackung an, so müssen sie Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz nennen. Die Werte müssen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des Lebensmittels beziehen und sind in Tabellenform anzugeben. Außerdem ist es erlaubt anzugeben, welchen Anteil an der empfohlenen Tageszufuhr das Lebensmittel bezogen auf eine erwachsene Person liefert. Zusätzlich sind auch Nährwertangaben pro Portion erlaubt.
  • Internet- und Versandhandel
    Kaufen Verbraucher vorverpackte Lebensmittel im Online-Shop oder Versandhandel, so müssen ihnen alle verpflichtenden Informationen vor Abschluss des Kaufvertrages zur Verfügung. Das betrifft etwa die Zutatenliste, Allergenkennzeichnung und die Nettofüllmenge. Ausnahme: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist erst zum Zeitpunkt der Lieferung verpflichtend.

Wer sich derzeit im Einzelhandel umschaut, wird noch auf Etiketten und Verpackungen treffen, die nicht den neuen Vorgaben entsprechen: Lebensmittel, die vor dem Stichtag 13. Dezember 2014 in den Handel gekommen sind, dürfen weiter verkauft werden, bis die jeweiligen Bestände erschöpft sind.

Quelle: Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv)

(Redaktion)


 


 

EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV)
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