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Interview mit Dr. Mathias Hafner

"Ohne IHKs gäbe es trotzdem Beiträge"

Der stv. Geschäftsführer der IHK Saarland verteidigte im business-on.de-Interview die IHK-Beiträge, die Unternehmen zahlen müssen. Hafner sagte, die Kritik an den Mitgliedsbeiträgen beruhe auf einem Missverständnis. Ohne die IHKs würden andere Beiträge anfallen, um die hoheitlichen Aufgaben zu gewährleisten.

business-on.de: Herr Haffner, das Saarland ist überdurchschnittlich hoch verschuldet. Derzeit brummt die Konjunktur. Hat eine hohe Verschuldung nicht auch einen negativen Effekt auf die Wirtschaft?

Mathias Hafner, stv. Geschäftsführer der IHK Saarland: Doch. Auch staatliche Investitionen sind für die Wirtschaft wichtig. Es ist betrüblich, wenn der Staat aufgrund einer überbordenden Schuldenlast jeglichen Gestaltungsspielraum verliert, einen großen Teil der Steuereinnahmen allein für den Schuldendienst aufbringen muss und für Leitinvestitionen und Infrastrukturmaßnahmen dann kaum noch Mittel da sind.

Deshalb ist es ja besonders wichtig, dass die Verschuldung endlich zurückgeführt wird. Dass die saarländische Wirtschaft gleichwohl brummt – und auch noch viel besser da steht als in den meisten anderen Bundesländern – liegt in erster Linie an unseren wettbewerbsstarken Industrieunternehmen. Die erzielen große Erfolge auf internationalen Märkten, sorgen für kräftiges Wirtschaftswachstum und schaffen neue Arbeitsplätze.

"Dramatischer Fachkräftemangel"

business-on.de: Unternehmen suchen derzeit händeringend Fachkräfte, auch im Saarland. Viele junge Menschen zieht es in die Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München. Müssen saarländische Firmen in Zukunft mehr anbieten, als einen guten Arbeitsplatz um Fachkräfte anzulocken?

Mathias Hafner, stv. Geschäftsführer der IHK Saarland: Der demographische Wandel trifft das Saarland besonders früh und besonders stark. Wenn alles so weiter läuft, wie bisher, fehlt uns 2030 ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren.

Das hat einen dramatischen Fachkräftemangel zur Folge, der zu einer Wachstumsbremse für unser Land zu werden droht.

Um dieser Herausforderung zu begegnen hat die IHK eine „Allianz für Qualifizierung und Fachkräftesicherung“ vorgeschlagen, an der sich alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen mit konkreten Maßnahmen beteiligen sollten.

Natürlich müssen auch die Unternehmen selbst etwas tun: etwa durch flexible Arbeitszeitregelungen, um eine besonders gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Durch betriebliches Gesundheitsmanagement, mit dem die Belegschaft fit bleibt oder mit altersgerechten Arbeitsplätzen für die im Durchschnitt ja immer älteren Mitarbeiter.

business-on.de wirbt für Firmen

business-on.de: Als Wirtschaftsmagazin mit 400.000 Lesern monatlich würden wir gerne auch den Standort SaarLorLux attraktiver machen. Wir bieten Ihren IHK-Mitgliedern Ihr Unternehmen kostenlos auf business-on.de vorzustellen. Was halten Sie davon und wie könnte man diese Aktion bekannt machen?

Mathias Hafner, stv. Geschäftsführer der IHK Saarland: Den Standort medial zu stärken, ist eine wichtige Aufgabe. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung ist unsere Region noch viel zu wenig präsent – und häufig genug auch mit Vorurteilen belastet.

Bevor sie nicht hier waren, wissen die wenigsten, wie leistungsstark unsere Unternehmen sind, wie erfolgreich der Strukturwandel von einer klassischen Montanregion hin zu einem modernen Industrie- und Dienstleistungsstandort bewältigt wurde und wie hoch auch die Lebensqualität hierzulande ist.

Alle Bemühungen, hier Transparenz zu schaffen und ein realistisches Bild unseres Bundeslandes und seiner Wirtschaft nach außen zu tragen, sind zu begrüßen.


 


 

Mathias Hafner
Saarland

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4 Kommentare

von Camera
01.06.11 15:09 Uhr
... die halbe Wahrheit!

IHK-Beiträge: Schon der Begriff "Beitrag" ist mißverständlich. Warum müssen IHK-Mitglieder, die unter Mißachtung der Versammlungsfreiheit zwangweise einer "hoheitlich" tätigen Organisation beitreten müssen, an diese "Beiträge" bezahlen, die selber diverse eigene GmbHs und sogar eine AG besitzt und damit den eigenen Mitgliedern Konkurrenz macht? Handelt es sich hierbei nicht eher um eine Subvention für einer der größten Bildungsanbieter in Deutschland? Warum brauchen die Kammern eine ComNetMedia AG, die auch IT-Dienstleistungen für die Lufthansa AG erbringt? Wenn diese wirtschaftlich tätigen Beteiligungen der Kammern wirklich "wirtschaftlich" arbeiten würden, bedürfte es gar keiner "Zwangsbeiträge", denn diese Unternehmen würden die Leistungen der Kammern zusammen mit den Einnahmen aus deren Bildungsangeboten (ein Milliarden-Markt, der auch noch von der Arbeitsagentur mitfinaziert wird!) autonom finanzieren. Aber mit so einem soliden Beitragsstrom aus "Zwangsbeiträgen" lebt es sich eben doch sehr bequem und vor allem vollkommen risikolos ... . Ein Traum für jeden Unternehmer! Das ist sicherlich kein Modell für Europa.

von Gebeutelter
01.06.11 16:31 Uhr
Die gesamte Struktur IHK beruht auf einem Missverständnis!

Laut Eigenverständnis der IHK soll diese das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft fördern. Aber wie sieht denn das Gesamtinteresse der Wirtschaft aus? Laut drei verschiedenen unabhängigen Umfragen: Raus aus der IHK! 90 Prozent der Unternehmer würden lieber heute als morgen aus der Kammer austreten, weil die Kammer keinen Nutzen bringt, denn die Kammer beschäftigt sich am liebsten mit sich selbst. Sie lässt keine Gelegenheit aus, ihre Unentbehrlichkeit zur Schau zu stellen und hat der deutschen Wirtschaft schon über 1,7 Milliarden Euro an Rückstellungen für sich selbst entzogen. Dagegen sind die Millionenverluste bei ihren Immobilienspekulationen in Moskau die sog. Peanuts. Dass die Berufsausbildung ohne IHK-Zwang zusammenbricht ist auch so ein Märchen. Bei genauer Betrachtung stellt man nämlich fest, dass die Kammer hier extra Gebühren verlangt. Dafür wird der Auszubildende in die Lehrlingsrolle eingetragen und die praktische Prüfung durch ehrenamtliche Prüfer organisiert. Die IHK erstellt weder die praktischen Prüfungsaufgaben, noch nimmt sie die Prüfung ab. Für diese Terminplanung ist nun wirklich keine zwangsweise Mitgliedschaft nötig. Daher schießen sich immer mehr Unternehmer im Bundesverband für freie Kammern (bffk.de) zusammen, und setzen sich für eine freiwillige Mitgliedschaft ein. Denn Zwang scheut Leistung.

Quellen:
Rückstellungsuhr http://www.bffk.de

Millionenverluste bei Immobilienspekulation:
http://www.bffk.de/files/artikel.pdf
http://www.bffk.de/files/dihk_moskau_auszug_rps_hh_2001.pdf

Umfragen:
http://www.rechtsboerse.de/aktuelle_umfrage/aktuelle_umfrage
http://www.bio-markt.info/web/Aktuelle_Kurzmeldungen/Sonstiges/IHK/15/40/0/9970.html
http://www.bffk.de/aktuelles/umfrage-mehrheit-der-handwerker-wollen-den-kammerzwang-nicht.html

von Christoph Höll
01.06.11 17:47 Uhr
Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn die Kammern so wichtige hoheitliche Aufgaben erfüllen, dann sollen die "Hoheiten" sie doch finanzieren.

Und wenn sie wichtige öffentliche Aufgaben übernehmen, dann soll die
Öffentlichkeit dies tun, z. B. über Steuern.

Viel besser wäre es allerdings, sie zu privatisieren. Dann müssten ihre
Angestellten ihre Gehälter über Einnahmen durch Gebühren und Entgelte aus dem Angebot und dem Verkauf ihrer Leistungen erwirtschaften. Es gäbe keine so aufgeblähten Verwaltungen und übertrieben hohe Personalstände in den Kammern und nicht so viele "Geschäftsführer", wo auch einer reichen würde.

Andere Länder brauchen keinen Kammerzwang und dort geht es der Wirtschaft besser als in Deutschland.

von K.H.Klementz
02.06.11 13:49 Uhr
"Ohne IHK gäbe es trotzdem Beiträge"....

Als ich diese Äußerung von Herrn Hafner las, da dachte ich, ein Kabarettist hätte sich ausgetobt und einen makabren Scherz von sich gegeben. Aber nein, der Pressesprecher und stellvertretende Geschäftsführer der IHK Saarland, Herr Hafner, steht hinter dieser Äußerung. Mit anderen Worten: ihm scheint es egal zu sein, wer zahlt. Hauptsache, es wird gezahlt. Warum und wofür, das interessiert ihn nicht. Dann könnten wir mit seinen monatlichen Bezügen auch so umgehen und diese großzügig verteilen. Vielleicht begreift er dann worum es hier geht und wogegen die zwangsverdonnerten IHK-Mitglieder angehen. Die IHK basiert auf dem Mitgliedszwang, verbunden mit Zwangsabgaben. So etwas ist doch mehr als peinlich und paßt wirklich nicht mehr in die heutige Zeit. Die Politik steht tatenlos im Abseits und der Verdacht, daß sich hier diese berüchtigten Seilschaften gebildet haben, der drängt sich auf. Eine Umstellung der IHK auf das Leistungsprinzig ist überfällig. Ehrliche und angemessene Bezahlulng für ehrlich erbrachte und benötigte Leistung muß zur Devise werden.

 

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