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Nach Vollsperrung Fechinger Talbrücke

Saarland versinkt im Verkehrschaos

Die Tragweite der Entscheidung des Landesamt für Strassenbau ist vielen Saarländern noch gar nicht bewußt. Die Fechinger Talbrücke ist ab sofort für den kompletten Verkehr gesperrt. Mindestens 10 Monate lang wird einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Saarlandes lahm gelegt. Autofahrer und Unternehmen müssen sich auf viel längere Fahrzeiten und erhebliche wirtschaftliche Einbußen einstellen.

Schaut man sich die Reaktionen in den sozialen Medien an, glaubten viele Saarländer erst an einen Aprilscherz. Eine Sperrung der Fechinger Talbrücke bis mindestens Januar 2017? Zunächst eine absurde Vorstellung. 

Doch dem zuständigen Landesamt für Strassenbau war die Angelegenheit offenbar sehr ernst. Nach einer Brückenuntersuchung stellten Gutachter fest, die Brücke sei einsturzgefährdet und müsse deshalb mit sofortiger Wirkung gesperrt werden. Die Entscheidung sei „alternativlos“.

In einer offiziellen Stellungsnahme des LfS Saarland heißt es, die notwendigen Sanierungsarbeiten an den Brückenpfeilern könnten frühstens im Herbst beginnen. „Sie werden nach optimistischer Einschätzung bis Jahresende andauern. Zu Jahresbeginn 2017 wird dann erst eine Entscheidung getroffen werden können, ob die Brücke überhaupt wieder für den vierstreifigen Verkehr zugelassen werden kann und inwieweit Lastbeschränkungen notwendig werden.“

Bereits am Karfreitag, einen Tag nach der Sperrung, standen viele Autofahrer im Stau, wie zahlreiche Tweets belegen. Berufspendler spekulieren jetzt schon mit mehrstündigen Verspätungen auf dem Weg zur Arbeit zwischen Homburg, St. Ingbert und Saarbrücken.

Die Sperrung der A6 beginnt schon an der Anschlussstelle St. Ingbert-West und endet an der Anschlussstelle A620 in Höhe Fechingen. Die Umleitungsstrecken führen über den Flughafen Ensheim (L108) und die B40 über Rentrisch und Schafbrücke.

Wer irgendwie kann, wird nach Ostern die A8 als Ausweichstrecke nutzen. Doch die meisten Autofahrer werden sich im Verkehrschaos wiederfinden. Schon im normalen Berufsverkehr ist die A6 und die A620 stark überlastet. Jeder Saarländer kennt die langen Staus in den Frühstunden und am Nachmittag. Man muss kein Verkehrsexperte sein um zu erahnen, wieviele Stunden Berufstätige jeden Morgen im Stau stehen werden. Wohlgemerkt: Zehn Monate lang, wahrscheinlich aber noch länger. 

Aber auch der innerstädtische Verkehr in Saarbrücken wird betroffen sein: Egal ob B51, Güdingen, Fechingen, Ostspange oder Mainzer Strasse. Überall werden Autofahrer, Anwohner und Betriebe sehr viel Geduld mitbringen müssen.

Die Sperrung wird auch einen weiteren Effekt haben. Jeder Saarländer wird sich zweimal überlegen ob er mit dem Auto zum Großeinkauf nach Güdingen, zur Autoinspektion nach Scheidt oder für den Flug in den Urlaub zum Flughafen Ensheim fahren wird. Denn die Ausweichstrecken werden jeden Tag zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen. Kunden werden sich alternative Supermärkte, Autowerkstätten oder Flughäfen suchen, wenn sie damit stundenlange Staus vermeiden können. Wie hoch der wirtschaftliche Schaden für die Unternehmen sein wird, kann derzeit noch niemand abschätzen.

Bleibt die Frage: Warum sind die Schäden an der Fechinger Talbrücke nicht schon viel früher aufgefallen? Zu einem Zeitpunkt, an dem eine Sanierung mit einer Teilsperrung möglich gewesen wäre?

Das Landesamt für Strassenbau erklärt, man hätte die Schäden in der turnusmäßigen Brückenprüfungen nicht feststellen können. Die nächsten Monate werden zeigen, ob diese Aussage unwidersprochen stehen bleiben kann.

(Redaktion)


 


 

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3 Kommentare

von Romulus
26.03.16 10:31 Uhr
Vollsperrung A6 Fechinger Talbrücke

Keine Brücke wird über Nacht einsturzgefährdet!
Die Verkehrsbelastung ist seit dem Bau zweifellos gestiegen, in der statischen Berechnung ist dies aber nicht relevant. Die Brücken werden für statische (stehende) Lasten berechnet, das kann man sich ungefähr so vorstellen, dass die Belastung der Brücke durch einen Stau in beide Richtungen höher ist als unter dem fließenden Verkehr. Dazu kommen noch Sonderbelastungen durch Schwertransporte oder Militärfahrzeuge. Diese Belastungen sind in den entsprechenden Normen als Brückenklassen festgelegt. Falls diese Normen wesentlich geändert worden sind, wäre eine Überprüfung aller Brücken vorgeschrieben worden. Durch die Ergebnisse wären dann die Brücken eventuell in ihrer Brückenklasse herabgestuft worden.
Das wäre auch bei der Fechinger Talbrücke jetzt möglich, bis hin zur Beschränkung auf Fahrzeuge unter 7,5 oder gar 3,5 t ZGG und zur Reduzierung auf eine Spur je Fahrtrichtung. Das wäre für den Verkehr immer noch besser, als die Vollsperrung!

Wenn der LfS alle diese Maßnahmen für nicht ausreichend hält, muss es doch noch Schäden an der Bausubstanz geben, die jedoch nach LfS nicht vorlägen.
Ich erinnere mich jedoch an einen Bericht in der Presse vor ungefähr 1,5-2 Jahren in Zusammenhang mit den notwendigen Neubau der Grumbachtalbrücke, in dem auch erwähnt wurde, dass nach deren Neubau wohl auch die Fechinger Talbrücke ersetzt werden müsse. Davon war dann aber in der Folge nie mehr die Rede.
Ich bin selbst Bauingenieur und Statiker und empfehle dringend eine solide journalistische Recherche mit Rückfragen bei unabhängigen Brückenbau- oder Prüfingenieuren. Irgendetwas stimmt hier nicht!

von Der Neutrale
27.03.16 21:52 Uhr
Vollsperrung A6 Fechingen

Wie aus heiterem Himmel kommt sie...die Durchtrennung der wirtschaftlichen Lebensader des sogenannten Saarlandes. Vermutlich jeder 10te Euro Kaufkraft kommt über diese Brücke und wird nun wegbleiben. Jetzt sind die Marketingstrategen gefragt, wie man diese Panne gut verkauft. Das Saarland organisiert sich seit Jahren im Kreis, ist man im Landtag über eine Schwelle gekommen, gibt es einen schicken Posten in Irgendeiner Behörde bis zum Dienstzeitende. Müsste dieses Land privatwirtschaftlich handeln wäre es lange pleite. Seit 53 Jahren steht diese Brücke und das sie irgendwann erneuert werden muss, ist ausgesprochen klar. Wenn ich in 2025 eine Brücke bauen will, beginne ich 2015 mit den Planungen und besorge mir das Geld. Was ist bisher geschehen ? Nichts. Aber Gott sei Dank haben wir viele Stellen in Ämtern mit Menschen besetzt, die sich im Kreis drehen und sich um Pöstchen kümmern. So können wir den ganzen Laden einfach dicht machen, an Rheinland-Pfalz dran und dann ist die Brücke in 5 Jahren mehr als bezahlt. Ich glaube sogar, das man da was tun wollte, aber vor lauter Orga und Zuständigkeitswahnsinn nicht dazu kamen.

von Optimist
04.04.16 14:17 Uhr
Vollsperrung A6 Fechinger Talbrücke

Folgende Fakten passen nicht zusammen:

1. Im Artikel befindet sich ein wesentlicher Widerspruch: "Nach einer Brückenuntersuchung stellten Gutachter fest, die Brücke sei einsturzgefährdet und ..." Später heißt es: "Das LfS erklärt, man hätte die Schäden in der turnusmäßigen Brückenprüfung nicht feststellen können." Was stimmt hier eigentlich.
Oder waren die bisherigen Prüfungen nach dem Gesetz des billigsten Dumpingangebotes nicht so gründlich? Nirgends wird derzeit in der Vergabe mehr gespart wie bei Brückenprüfungen.

2. Wenn eine Brücke einsturzgefährdet ist, dann muss der Verkehr auf UND unter der Brücke gesperrt werden, oder die Verantwortlichen handeln verantwortungslos. Warum werden die untenliegenden Straßen und Gebäude nicht gesperrt? Oder ist die Brücke gar nicht einsturzgefährdet?

Wenn durch die Sperrung täglich ein volkswirtschaftlicher Schaden von 100-500.000 € entsteht, sind das 36-180 Mio. € bis zur Entscheidung im Jahr 2017. Bei diesem Schaden müsste die Entscheidung sofort fallen und mit dem Geld könnte die Brücke mehrfach gebaut werden.

Überhaupt: welche Entscheidung eigentlich? Ob man die Brücke um 1 Mio. billiger sanieren kann? Dieser Betrag ist auch hier wieder bei 2 Tagen Stillstand an volkswirtschaftlichem Schaden beisammen.

Für diese Erkenntnisse brauche ich keinen Statiker und keinen Brückenfachman. Warum haken die Journalisten nicht nach?

 

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