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TOP-Geschäftsführer in Saar-Lor-Lux

Bernd Baumstümmler von der MJR PharmJet GmbH in Saarbrücken

Bernd Baumstümmler und sein Team machen Dinge möglich, die eigentlich nicht gehen. Genau wie Öl und Wasser sich nicht vermischen lassen, kann man Getränken auch nicht einfach alle Vitamine oder andere Stoffe hinzumischen. Die Limo würde sich ansonsten unangenehm verfärben, eintrüben oder komisch riechen. Baumstümmler löst das Problem mit einer cleveren Idee. Stoffe werden mit Hilfe von Nanotechnik eingekapselt, bevor sie vermischt werden. So kann man beispielsweise Getränke mit Omega-3-Fettsäuren herstellen, ohne dass sie nach Fisch riechen.

b-on: Herr Baumstümmler, was fasziniert Sie an der Nanotechnologie, in der Sie tätig sind?

Bernd Baumstümmler: „Nanotechnologie ist wie kaum eine andere Technologie „Querschnittstechnologie“, d.h. Ihre Anwendungen strahlen in schier unzählige Bereiche und beschreibt häufig sehr unterschiedliche Dinge. Ein Beispiel in der Krebsbehandlung:

Es gibt eine große Anzahl guter Chemotherapeutika im Markt, die schnell wachsende Zellen, wie Krebszellen töten. Doch sie werden bei der Anwendung im ganzen Körper gleichmäßig verteilt und töten auch alle anderen schnellwachsenden guten Zellen. So schalten sie während der Behandlung auch das körpereigene Abwehrsystem aus, so dass der Körper sich nach der Krebsbehandlung nur schwer wieder regenerieren kann und somit die Gefahr sehr groß ist, dass der Krebs zurückkehrt.

Mit unseren Verfahren können wir nun ein solches Chemotherapeutikum in ein Transportsystem verpacken, das es an den gesunden Zellen vorbei schleust und seine tödliche Fracht nur im Tumor freisetzt, diesen abtötet und alle gesunden Zellen des Körpers verschont. Trotz des gleichen Medikamentes haben wir dann eine bahnbrechende Optimierung der Verwendung, die erst jetzt zum eigentlichen Ziel führen kann.“

b-on: Mit Nanotechnologie sind immer auch Ängste verbunden. Wie sicher sehen Sie die Technologie?

Bernd Baumstümmler: „Die Frage der Sicherheit von „Nano“ stellt sich aus meiner Sicht so gar nicht. Nano bedeutet zuerst einmal nur eine Größenordnung, die an sich nicht sicher oder unsicher ist. Nanopartikel sind ja keine Erfindung der Nanotechnologie, sondern sie kommen in unserer Umwelt bereits sehr lange vor der Prägung des Begriffes Nanotechnologie vor.

Beispiele sind Nano-Fraktionen in Stäuben, z.B. bei einem Vulkanausbruch, im Abrieb von Autoreifen, Partikel im Zigarettenrauch und sogar die meisten Viren sind „Nanopartikel“.

Die Frage der Sicherheit kann nicht allgemeingültig für alle Nanopartikel beantwortet werden, sondern muss für jeden Nanopartikel einzeln beurteilt werden. Somit ist auch eine pauschale Verteufelung aller Nanopartikel völlig unsinnig.“

b-on: Welche Maßnahmen bzw. größere Investitionen sind in Ihrem Unternehmen für dieses Jahr geplant?

Bernd Baumstümmler: „Einer unserer Schwerpunkte ist die pharmazeutische Entwicklung und Produktion. Damit operieren wir in einem Bereich mit einer sehr hohen Regelungsdichte und einem maximalen Qualitätsanspruch.

Dementsprechend fokussieren wir uns in diesem Jahr darauf, entsprechende Qualitätssicherungssysteme auf- bzw. weiter auszubauen. Eine Zertifizierung nach DIN ISO 9001 für das Gesamtunternehmen haben wir bereits vorbereitet.

Nun gilt es an unserem Standard für GMP (Good Manufacturing Practice) dem verbindlichen Qualitätssicherungssystem der pharmazeutischen Produktion zu arbeiten. Ein erster Schritt in dieser Richtung ist bereits abgeschlossen.

Die Konzeption, das Design und ein Produktionssicherheitskonzept für eine GMP-Mikrojetreaktoranlage. Diese Anlage gemeinsam mit unseren Partnern zu bauen und zu qualifizieren, um damit beispielsweise klinische Prüfmuster herstellen zu können.

b-on: Auf welche 3 Dinge aus Ihrem Unternehmen können Sie nicht mehr verzichten?

Bernd Baumstümmer: „Die Begeisterung, Motivation und das Engagement meiner Mitarbeiter, das unsere Unternehmenskultur und die positive Stimmung prägt ist für mich von Anfang an unverzichtbar. Ergänzt wird dies durch unsere Partnerunternehmen, mit denen wir in sehr kurzer Zeit ein Verhältnis aufbauen konnten, das über das Geschäftliche weit hinausgeht.

Diese Faktoren, gemeinsam mit dem dritten unverzichtbaren Faktor, der überragenden Hilfeleistung und das große Vertrauen, das uns vom Saarland und vielen regionalen Organisationen entgegengebracht wurde, haben es uns erlaubt einen sehr erfolgreichen Unternehmensstart zu realisieren und befähigen uns nun im gleichen Geiste am weiteren Aufbau der MJR PharmJet arbeiten zu können".

b-on: Wenn Sie nicht Geschäftsführer wären: Welchen Job würden Sie in Ihrem Unternehmen gerne machen und warum?

Bernd Baumstümmler: „Die Aufgabe eines Geschäftsführers ist neben der strategischen Ausrichtung und Lenkung des Unternehmens, den operativen Erfolg sicher zu stellen und den Mitarbeitern ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem sie alle Mittel und Voraussetzungen finden, um Ihre Arbeit motiviert und engagiert auszufüllen.

Damit ist die tägliche Arbeit eines Geschäftsführers zwar sehr vielfältig aber meistens nicht sehr kreativ. Wenn man dann das Glück hat in einem wissenschaftlich höchst interessanten Feld agieren zu können, dann reizt es mich als promovierten Naturwissenschaftler und damit ja letztendlich als ausgebildeten Wissenschaftler schon, im Labor wissenschaftlicher Arbeit nachzugehen.

Das heißt kreativ neue Ideen für Produkte zu entwickeln und im Labor experimentell den Beweis anzutreten, dass diese Ideen Wirklichkeit werden können.“

b-on: Vielen Dank Herr Baumstümmler für das Gespräch

Baumstümmer: „Sehr gerne.“

(Redaktion)


 


 

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