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Neue Regeln

Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

Der Bundesfinanzhof bleibt hart, wenn es um die Frage der Absetzbarkeit eines häuslichen Arbeitszimmers geht. Im business-on.de-Interview erklärt Heinz Joachim Maier, Fachanwalt für Steuerrecht bei HLB Förderer, Keil & Partner aus Saarbrücken wie man sein Arbeitszimmer dennoch von der Steuer absetzen kann.

Ein Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Absetzbarkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer bringt nun endgültig Klarheit in die Materie. Aufwendungen für das Home-Office können nur dann als Werbungskosten abgezogen werden, wenn das Zimmer „(nahezu) ausschließlich beruflich genutzt wird“. Das geht aus einer Entscheidung des Großen Senats hervor, die der BFH jüngst auf seiner Jahrespressekonferenz verkündet hat (BFH-Beschluss vom 27.7.2015, GrS 1/14).

business-on.de: Herr Maier, das Arbeiten von Zuhause gehört heute für viele Menschen zum Berufsalltag. Wieso gelten bei der steuerlichen Geltendmachung von Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer so enge Grenzen?

Heinz Joachim Maier: Das deutsche Einkommensteuergesetz (EStG) geht schon seit geraumer Zeit von einem generellen Abzugsverbot aller Kosten aus, die im Zusammenhang mit dem privaten, selbstgenutzten Wohnraum stehen – egal ob Eigentum oder Miete. Daher stammt der Grundsatz des generellen Abzugverbotes der Kosten des häuslichen Arbeitszimmers. Hintergrund für die seinerzeitige Änderung war – neben dem primären Finanzbedarf des Staates – wohl auch die ausufernde Inanspruchnahme vor allem bei Arbeitnehmern und die begrenzte Nachprüfbarkeit der Voraussetzungen im privaten Wohnbereich, also zur Missbrauchsabwehr. Die gesetzliche Regelung enthält also eine Ausnahme vom Abzugsverbot mit sachlichen und betragsmäßigen Beschränkungen. 

business-on.de: Was heißt das jetzt konkret? Unter welchen Voraussetzungen ist denn nun die steuerliche Geltendmachung der Kosten noch möglich?

Heinz Joachim Maier: Der BFH lässt eine „Arbeitsecke“ nun nicht mehr durchgehen. Es gilt wieder der alte Grundsatz des Aufteilungsverbots nach §12 EstG. Grundvoraussetzung ist danach, eine ausschließliche betriebliche oder berufliche Nutzung des Zimmers. Dies wird nach der Einrichtung und sonstigen erkennbaren, objektiven Umständen beurteilt. Jede private Mitnutzung, sei es als Bügelzimmer, als Gästezimmer, Nähstube oder Sonnenbank ist dabei schädlich.

Wenn die Grundvoraussetzungen erfüllt sind, sind die Kosten unbeschränkt abzugsfähig, wenn erstens für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht und zweitens das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt. Also zum Beispiel der selbstständig tätige Konstrukteur im häuslichen Zeichenbüro oder der Berufsmusiker in seinem Tonstudio. Wenn nur die erste Voraussetzung erfüllt ist, ist die Abzugsfähigkeit auf 1.250 Euro pro Jahr begrenzt.

business-on.de: Worauf sollte bei der Einrichtung und Benutzung eines häuslichen Arbeitszimmers besonders geachtet werden?

Heinz Joachim Maier: Es sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass das Arbeitszimmer zusätzlich auch privat genutzt wird. Also kein Fernseher drin sein, kein Gästebett oder eben der Bügeltisch. Außerdem sollte das Zimmer eine angemessene Größe haben.

business-on.de:  Wieso ist es erforderlich, für das häusliche Arbeitszimmer einen eigenen Raum bereitzustellen, wenn die Arbeit zum Beispiel genauso gut am Küchentisch oder im Wohnzimmer erledigt werden kann?

Antwort: Durch das Aufteilungsverbot des häuslichen Arbeitszimmers sind Mischnutzungen nicht gestattet. Auch die klassische „Arbeitsecke“ lässt der BFH nicht zu. So muss also ein eigener Raum genutzt werden!

business-on.de:  Welche Nachweise müssen beim Finanzamt eingereicht werden?

Heinz Joachim Maier: Die abziehbaren Aufwendungen sind gesondert aufzuzeichnen. Es reicht dabei eine geordnete Belegsammlung. Für die Aufteilung und Zuordnung der auf das gesamte Haus oder Wohnung entfallenden Kosten wird in aller Regel ein Plan des Hauses oder der Wohnung oder eine Nutzflächenaufstellung verlangt, aus der sich das Verhältnis nach Quadratmetern ergibt.

business-on.de:  Besteht Ihrer Einschätzung nach die Hoffnung, dass seitens der Rechtsprechung oder des Gesetzgebers die Regeln in Zukunft wieder gelockert werden könnten?

Heinz Joachim Maier: Nein! „Roma locuta, causa finita“. Nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofs wird sich der Fiskus in seiner restriktiven Handhabung eher bestätigt fühlen. Vom Gesetzgeber ist keine Hilfe zu erwarten. Da fährt der Zug eher in die andere Richtung.

(Heinz Joachim Maier)


 


 

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