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Online-Recht

Unechte Kundenbewertungen - eine rechtliche Grauzone?

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Vor kurzem ging durch die Presse, dass Amazon Kundenbewertungen löschen ließ, die mehr odere weniger offensichtlich unecht waren. Für den Online-Handel spielt das Empfehlungs-Marketing eine große Rolle. Allerdings können Bewertungen, die auf zweifelhaftem Wege zu Stande kamen, auch schaden, da dann über kurz oder lang die Glaubwürdigkeit solcher Kommentare leidet. Aus rechtlicher Sicht sind "gekaufte" Kundenbewertungen nicht immer eindeutig zu beurteilen.

In Online-Medien gilt grundsätzlich das Gebot der Trennung zwischem redaktionellem Innhalt und Werbung. Verankert ist das "Trennungsgebot" nicht nur wettbewerbsrechtlich in § 4 Nr. 3 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) und in Ziffer 11 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG, sondern auch im Rundfunkstaatsvertrag (der auch Regelungen für Telemedien enthält) und in § 6 TMG (Telemediengesetz).

Grundsätzlich muss nach diesen Regelungen Werbung klar als solche gekennzeichnet sein. 

Kundenempfehlungen sind keine Werbung

Kundenempfehlungen sind an sich noch keine Werbung, wenn sie unbeeinflusst vom Anbieter oder Produzenten der Ware von einem Kunden geschrieben werden, der einfach nur seine Meinung zu dem Produkt veröffentlichen möchte. Daher müssen Kundenrezensionen auch nicht als Werbung gekennzeichnet werden.

Es ist also rechtlich gesehen unproblematisch, wenn von einem Kunden durch eine Empfehlung ein Produkt besonders beworben wird, welches er selber erworben hat. Dann stellt die Äußerung keine geschäftliche Handlung dar und fällt nicht unter die gesetzlichen Vorschriften zum Trennungsgebot.

Wann liegt eine geschäftliche Handlung vor?

Eine geschäftliche Handlung ist aber dann anzunehmen, wenn ein objektiver Zusammenhang zwischen Veröffentlichung der Empfehlung durch den Kunden und der Absatzförderung des Unternehmens vorliegt. Das wird jedenfalls dann der Fall sein, wenn dem Kunden das Produkt, über welches er sich äußert, vom Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde mit der Bitte oder der Vereinbarung, darüber positiv zu berichten.

Es kommt nicht darauf an, ob die Bewertung "gekauft" wurde in dem Sinne, dass hierfür Geld gezahlt wurde. Bereits die Vereinbarung, dass über ein Produkt eine positive Rezension erstellt werden soll, reicht aus, um diese Handlung zu einer geschäftlichen Handlung und damit zu Werbung zu machen. Eindeutig unlauter ist eine "Kundenrezension", für die der Verfasser Geld erhalten hat.

Ebenfalls eindeutig ist die Rechtslage bei Rezensionen, die gar nicht von Kunden stammen, sondern von einem Mitarbeiter des Unternehmens, der das eigene Produkt bewirbt oder von einem durch eine Werbeagentur erstellten "Kundenaccount".

Kennzeichnungspflicht von Werbung

Verantwortlich für die Kennzeichnung der Werbung ist dann zum einen der Betreiber der Plattform, in oben genanntem Beispiel also Amazon. Wettbewerbsrechtlich verantwortlich ist aber auch derjenige, der zur Bewerbung seines Produktes die Kunden explizit dazu auffordert, positive Bewertungen auf der Plattform abzugeben.

In der Praxis wird es regelmäßig schwer aufzuklären sein, wie Kundenrezensionen zu Stande gekommen sind. Erst bei sehr auffälligen Konstellationen - etwa ungewöhnlich vielen Kundenbewertugen innerhalb weniger Tage für ein unbekanntes Produkt - wird ein Verdacht aufkommen.

Da im Zweifel die Verkaufsplattform als erstes eine Abmahnung erhalten wird, ist es nicht verwunderlich, dass Amazon von sich aus verdächtige Rezensionen gelöscht hat.

(Kathrin Berger)



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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Gerd Altmann / pixelio.de


 

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