23.12.2011  08:41 Uhr

Weihnachten
Wie man online spendet

SaarLorLux. Jährlich werden in Deutschland rund fünf Milliarden Euro gespendet. Besonders zu Weihnachten haben viele Menschen das Bedürfnis, Gutes zu tun und beschließen daher, die Hilforganisation ihrer Wahl mit einem Geldbetrag zu unterstützen. Immer öfter geschieht dies online - doch auch hier tummeln sich Betrüger und hohe Provisionszahlungen können mitunter gar den Spendenbetrag übersteigen.

Jedes Jahr zu Weihnachten flattern vermehrt Spendenaufrufe in christliche Häuser. Viele Organisationen nutzen mittlerweile auch das Netz, um Menschen zu einer milden Gabe zu überreden. Daran verdienen teilweise auch Online-Vermittler, die hohe Provisionen erhalten. Auch unseriöse Anfragen sind im Netz haufenweise zu finden.

"Der Anteil an unseriösen Angeboten ist im Internet nicht höher als bei den klassischen Spendenaufrufen. Betrüger nutzen alle verfügbaren Kanäle", sagt Stefan Loipfinger von CharityWatch.de.

Fünf Mrd. Euro Umsatz

In Deutschland werden jedes Jahr etwa fünf Mrd. Euro gespendet. "Das Internetmarketing spielt für das Spendenaufkommen noch keine große Rolle. Das bewegt sich noch im einstelligen Prozentbereich. Der Anteil nimmt aber von Jahr zu Jahr zu", so Loipfinger. Briefe, Infostände und Hausbesuche sind nach wie vor für den Löwenanteil der Spenden verantwortlich. "E-Mails wären zwar günstiger als Bettelbriefe, die Zielgruppe der Spendenorganisationen ist aber im Durchschnitt relativ alt. Die fleißigsten Spender in Deutschland sind Frauen über 60", erklärt Loipfinger.

Der Anteil an unseriösen Angeboten ist auch bei klassischen Spendenaufrufen relativ hoch. Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt bis zu einFünftel des Spendenaufkommens missbräuchlich verwendet wird. "Bei den Aufrufen ist der Anteil der schwarzen Schafe noch höher, da unseriöse Anbieter eher auf Werbung angewiesen sind, wenn sie nicht durch Taten überzeugen können. Am schlimmsten ist die Situation im Tierschutz-Bereich. Hier gibt es schon fast mehr unseriöse als vertrauenswürdige Angebote", sagt Loipfinger.

Seriöse Angebote in Verruf

In Deutschland sind zuletzt auch große Organisationen in die Kritik geraten. Greenpeace, der Tierschutzfonds IFAW und das Kinderhilfswerk Plan haben für die Generierung von Spenden im Netz hohe Provisionen gezahlt ohne die Spender darüber zu informieren, wie deutsche Medien berichten. In manchen Fällen haben die Provisionen sogar den Spendenbetrag überstiegen. Nutznießer waren Anbieter, die Kleinanzeigen schalteten, Agenturen und Seiten, die spezielle Links in ihrem Angebot platzierten. Greenpeace beispielsweise zahlte in einem bekannt gewordenen Fall pro vermitteltem Spender 25 Euro.

Greenpeace Österreich gibt auf Nachfrage von pressetext bekannt, dass keine Provisionen gezahlt werden. "Wir arbeiten mit niedrigen Pauschalen. Durch das Spendengütesiegel unterliegen wir sehr strengen Kriterien. Online-Spenden sind bei Greenpeace-Österreich etwa 20 Mal so effizient wie herkömmliche", sagt Greenpeace-Österreich-Sprecher Steffen Nichtenberger http://greenpeace.at . Greenpeace Deutschland rechtfertigt die hohen Provisionen übrigens mit dem Verweis auf eine mögliche dauerhafte Bindung der Spender.

"Die großen Organisationen bespielen natürlich alle Kanäle. Google Ad-Words sind beispielsweise ein beliebtes Werkzeug. Die Provisionen sind heikel, weil sie in der Regel relativ hoch sind. Wenn solche Zahlungen nicht offengelegt werden, ist das auch problematisch", so Loipfinger.


 

(FN)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Günther Richter / pixelio.de



 


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