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Wie Unternehmen den eigenen Fachkräftemangel verschärfen

Viele Personaler beschweren sich darüber, dass sich bestimmte Stellen nicht mehr besetzen lassen. Dabei können sich die Unternehmen durch ein bisschen Umdenken in vielen Fällen selbst helfen und den eigenen Fachkräftebedarf sichern. Dessen ist sich Tobias Busch, Geschäftsführer der Personalberatung Personalglobal und ehemaliger Top-Manager bei Siemens Nixdorf und Volkswagen, sicher.

Der Fachkräftemangel sorgt in vielen Personalabteilungen für Probleme. Bereits heute können bestimmte Stellen nur noch schwer besetzt werden. In Zukunft wird sich dieser Mangel bedingt durch den demografischen Wandel noch weiter verschärfen.
Dabei ließen sich viele Probleme relativ leicht beheben, wenn die Personalverantwortlichen umdenken würden. Dies behauptet Tobias Busch, der als Geschäftsführer der Personalberatung Personalglobal Tag für Tag mit dem Fachkräftemangel konfrontiert wird.

Viele Stellen ließen sich seiner Meinung nach sofort besetzen, wenn man nicht ausschließlich auf formale, sondern schwerpunktmäßig auf qualitative Kriterien achten würde. Sprich: Personaler sollten mehr Wert auf die tatsächlichen Fähigkeiten eines Bewerbers legen als auf den akademischen Grad. Bloß weil jemand keinen Uni-Abschluss hat, heißt das noch lange nicht, dass er für eine Stelle ungeeignet sein muss.

Mechatroniker wissen mehr als Akademiker

Überhaupt sei das Bildungsniveau nicht linear mit der formalen Wertigkeit von Abschlüssen gleichzusetzen, gibt Busch zu Bedenken. „Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist mit gutem Grund in der ganzen Welt anerkannt. Ein gut ausgebildeter deutscher Mechatroniker weiß häufig mehr als ein Bachelor in electrical oder mechanical engineering von einer zweitklassigen chinesischen Universität.“

„Schon heute gibt es junge Leute, die Jura studieren, weil sie für die von ihnen angestrebte Ausbildung zum Rechtspfleger nicht angenommen wurden.“, ergänzt Busch. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Studium abschließen ist schon gering. Dass sie später als Juristen erfolgreich sind, kann man fast ausschließen..“

Auch sollte man den Nachwuchs animieren, eine solide Ausbildung als sinnvolle Alternative zum Studium zu sehen. „Wir sollten nicht alle Menschen zur Hochschule schicken, sondern nur die, die das wollen und die sich dafür eignen.“, sagt Busch.

„Ein guter Klempner bringt uns allen mehr als ein weiterer knapp durchschnittlicher - oder gar unterdurchschnittlicher – Rechtsanwalt. Und er verdient auch mehr.“

Das richtige Fach ist wichtiger als die Wertigkeit der Ausbildung

Gesellenbrief oder Prüfungszeugnis müssen dann aber noch lange nicht das Ende des Bildungsweges bedeuten. Unternehmen haben durch interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen, die Möglichkeit, ihren Fachkräftenachwuchs gezielt und ganz nach individuellem Bedarf fortzubilden.

Auch aus Arbeitnehmersicht ist dies sinnvoll. Merkt man doch oftmals erst nach einigen Jahren, in welche Richtung man sich eigentlich weiterentwickeln möchte, was einem wirklich liegt.

„Selbst in absoluten Mangelberufen tun sich Menschen, die den falschen Beruf gewählt haben, schwer. Das richtige Fach ist daher wichtiger als die Wertigkeit der ersten Ausbildung.“, weiß Busch. „Wenn junge Leute erst mal einen guten Einstieg geschafft haben, können sie in unserem Bildungssystem immer weiter lernen. Im Zweifel auch neben dem Beruf.“

Einem späteren Studium steht ebenfalls nichts im Wege: „Je älter die Menschen werden, desto weniger kommt es hier auf ein paar Jahre an. Warum nicht das FH-Studium erst ein paar Jahre später anschließen, wenn man weiß, was man kann und was man will.“, so Busch. Das sei viel sinnvoller, als mit Gewalt jeden jungen Menschen zur Uni zu schicken.

Potential an Ausländern bleibt ungenutzt

Frauen sind mittlerweile verstärkt in Führungspositionen anzutreffen. Waren es 2011 noch 2,25 Prozent, liegt der Anteil der weiblichen Vorstände in den DAX 30 im Juni 2013 bei 7,4 Prozent. Tendenz steigend: Bis 2020 planen die DAX-Konzerne, die Frauenquote auf freiwilliger Basis zu erhöhen. Über 30 Prozent möchten Fresenius Medical Care und Henkel erreichen.

Durch die Besetzung der Führungspositionen mit Frauen, wird logischerweise auch der Fachkräftemangel in diesem Segment entschärft. Stehen doch dadurch deutlich mehr potentielle  Kandidaten zur Verfügung, als wenn man sich nur auf die männlichen Bewerber konzentriert.

Das größte ungenutzte Potential für Top-Nachwuchs ist laut Busch derzeit jedoch das der Ausländer. Diese sind als Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft noch immer nahezu nicht existent.

„Das gilt für die Menschen mit Migrationshintergrund, denen in unserer Wirtschaft noch vollständig die Rollenmodelle fehlen.“, ergänzt Tobias Busch, der sich mit Personalglobal auf die Rekruitierung von chinesischen Fach- und Führungskräften spezialisiert hat. „Kein Bülent Ceylan oder Ilkay Gündogan in der deutschen Wirtschaft, auch kein Cem Özdemir.“

Das gelte aber ebenso für die vielen Ausländer, die in Deutschland studieren oder studiert haben. „Die guten sind als Arbeitskräfte inzwischen gerne gesehen, aber in Führungspositionen werden Sie nur sehr zäh befördert. Wie soll jemand 'Top' werden, wenn er nicht die Chance hat, mit seinen Aufgaben zu wachsen und gefordert zu werden?“, fragt Busch. „Besonders im Mittelbau der Hierarchien ist das ein Problem – aber genau dort entscheidet sich, wer es ganz nach oben schafft.“

Das Gleiche gilt laut Busch auch für die ausländischen Akademiker, die jetzt in erheblicher Zahl im Rahmen der europäischen Krise zu uns kommen. Wenn sie feststellen, dass Sie trotz ihres Mehr an Lebenserfahrung und Internationalität keine einigermaßen gleichen Beförderungschancen haben - etwa weil ihr Deutsch nicht perfekt ist - werden Sie nicht lange bleiben.

Für Unternehmen, die derzeit bereits akut unter dem Fachkräftemangel leiden, ist dieses ungenutzte Potential eine große Chance. Finden sich doch viele top ausgebildete und lern- wie arbeitswillige junge Menschen, die sich eine Karriere bei einem deutschen Unternehmen wünschen.

Tobias Busch und sein Team von Personalglobal unterstützen deutsche Unternehmen dabei, Vakanzen mit diesen Top-Leuten zu besetzen.

Nähere Informationen unter: www.personalglobal.de

(Redaktion)


 


 

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