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Personalmarketing

7 Fragen an Rosemarie Clarner von Scheer Management

Rosemarie Clarner ist Vice President Human Resources der Scheer Group und Senior Partner der Scheer Management. Zu ihrem Tätigkeitsbereich beim saarländischen IT-Dienstleister zählt auch die Stärkung der Arbeitgebermarke Scheer. Im business-on.de-Interview spricht sie über den demografischen Wandel, Mitarbeiterbindung und die immer knapper werdende Ressource Fachkraft.

business-on.de: Der Fachkräftemangel ist Dauerthema in den Medien. Wie macht er sich in Ihrer Branche im Allgemeinen und in Ihrem Unternehmen im Speziellen bemerkbar?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Die demografische Entwicklung stellt ein großes Zukunftsproblem für unsere Wirtschaft dar. Wir spüren vor allem in der IT-Branche den sinkenden Anteil an Nachwuchskräften sehr deutlich.

Der Bedarf an derzeit ca. 40.000 IT-Spezialisten in Deutschland entwickelt sich zu einem dauerhaften Wachstumshemmnis. Der Pool an potenziellen Kandidaten wird immer kleiner und ist zum Teil kaum noch vorhanden.

Es existiert mittlerweile ein Bewerbermarkt, die Kandidaten können sich die Unternehmen aussuchen. Sie haben es größtenteils nicht mehr nötig, sich aktiv zu bewerben. Die Unternehmen bewerben sich bei ihnen.

Wir stellen fest, dass wir größere Anstrengungen unternehmen müssen und es länger dauert, bis wir eine Stelle besetzt haben. Im Vergleich zu anderen gelingt es uns aber immer noch recht gut, geeignete Kandidaten für die Scheer Group zu finden und unsere vakanten Positionen zu besetzen.

business-on.de: Unternehmen stehen mit anderen Firmen im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte. Was tun Sie allgemein, um Ihr Unternehmen als Arbeitgebermarke zu stärken?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Wir bieten auf der einen Seite innovative Produkte und Dienstleistungen. Auf der anderen Seite legen wir großen Wert auf Mitarbeiterbindung und befassen uns gerade sehr intensiv mit lebensphasenorientierter Personalentwicklung.

Es geht dabei um die Vereinbarkeit von Lebens- und Berufsphasen und eine Individualisierung der Personalpolitik. Wir bieten alternative Karrierewege, spannende Personalentwicklungsprogramme, flexible Arbeitszeitmodelle und eine attraktive Arbeitsumgebung.

Wir unterstützen Studenten in Form von Stipendien, sind Industriepartner im High-Potential-Programm Software Campus, in dem IT-Managerinnen und -Manager von morgen ausgebildet werden, bieten interessante Praktika und Werkstudententätigkeiten und beteiligen uns an Projekten im Rahmen von Corporate Social Responsibility.

business-on.de: Wo platzieren Sie Ihre Stellenanzeigen und in welchen Medien haben Sie die besten Erfahrungen gemacht?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Wir setzen vorwiegend auf soziale Netzwerke, wie XING und Facebook sowie Online Jobbörsen. Printmedien sind in unserer Branche eher nicht erfolgversprechend. Wir nutzen sie deshalb kaum. Hin und wieder schalten wir eine Stellenanzeige in einer Fachzeitschrift.

Zunehmend kommen wir an erfahrene Spezialisten nur noch über Headhunter.

business-on.de: Welche Online-Maßnahmen setzen Sie ein, um potentielle Bewerber zu gewinnen?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Wir setzen hier auf vielfältige Maßnahmen, angefangen bei unserem eigenen Karriereportal, über Social Media bis hin zu Online-Jobbörsen.

business-on.de: Immer mehr Unternehmen setzen sogenannte Mitarbeiter- oder Recruiting-Videos ein, um weiche Faktoren (z.B. Arbeitsklima) zu visualisieren. Beispiele für Recruitingfilme sehen Sie bei unserem Partner DREILANDMEDIEN (externer Link). Setzen Sie solche Videos ein oder planen Sie so ein Instrument für die Zukunft?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Für einen ersten Eindruck eignen sich Recruiting-Videos sicher nicht schlecht, wirken aber dennoch häufig gestellt und liefern eine wenig realistische Momentaufnahme.

Wir halten mehr davon, potenziellen Kandidaten in persönlichen Gesprächen zu vermitteln, wie das Unternehmen tickt, was sie bezüglich Arbeitsklima erwartet und welche Karrieremöglichkeiten wir ihnen bieten.

Aus diesem Grunde veranstalten wir z. B. einen Scheer Group Karrieretag, an dem die Bewerber Gelegenheit haben, sich sowohl mit Vertretern der einzelnen Fachbereiche als auch mit Vertreter von HR zu unterhalten.

Sie erhalten so einen viel authentischeren Eindruck und können zudem beobachten, wie die Unternehmensvertreter miteinander umgehen.

Die Fachkraft wird zur immer knapperen Ressource

business-on.de: Lässt man das Gehalt mal außen vor: Welche Faktoren sind aus Ihrer Erfahrung ausschlaggebend, dass ein Bewerber sich für Ihr Unternehmen entscheidet. Umgekehrt: Welche Faktoren sind für das Unternehmen entscheidend?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Dies lässt sich aus Bewerbersicht pauschal schwer beurteilen. Hier kommt es neben den fachlichen Vorstellungen entscheidend auf die Wertewelt eines Bewerbers an.

Es gibt im individuellen Anforderungsprofil eines Bewerbers in Bezug auf einen Arbeitgeber große Unterschiede, je nachdem welcher Generation er angehört. Die Generation Internet hat völlig andere Entscheidungskriterien als die Generation Baby Boomer .

Die Lebensphase in der sich der Bewerber gerade befindet, spielt eine große Rolle und wie diese mit der beruflichen Situation in Einklang zu bringen ist.

Für uns als Beratungsunternehmen ist entscheidend, ob der Bewerber fachlich und persönlich passt. Hier sind die sogenannten Social Skills ausschlaggebend, wie z.B. kommunikative Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Überzeugungsfähigkeit. Ebenso wichtig sind Mobilität, Kreativität und Sprachkenntnisse.

business-on.de: Wird sich der Fachkräftemangel in den nächsten fünf Jahren eher verschärfen oder wird er wieder abflauen?

Rosemarie Clarner, Scheer Group: Die demografische Entwicklung und die Prognosen zeigen, dass sich der Fachkräftemangel auch in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird.

Im Jahr 2030 wird es in Deutschland voraussichtlich 7,5 Millionen weniger Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahren geben als heute prognostiziert das Statistische Bundesamt. Das bedeutet: 15 Prozent weniger Erwerbsfähige.

Die Fachkraft wird zur immer knapperen Ressource. Die Unternehmen bringt das in Schwierigkeiten. Für Fachkräfte aber heißt das: Ihr Wert steigt.

Weitere Interviews mit Personalchefs in unserer Interviewserie

(Redaktion)


 


 

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