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Prof. Dr. Joachim Klein

OLT Express startet mit vier neuen Flugverbindungen in Saarbrücken

Die Fluggesellschaft OLT Express hat in Saarbrücken ihren Betrieb aufgenommen: Seit 1. Oktober werden die Städte Hamburg, München, Wien und London angeflogen. business-on.de-Interview sprach mit OLT-Express-Geschäftsführer Prof. Dr. Joachim Klein über die Flugziele, Kostentransparenz und das Geheimnis günstiger Flugpreise.

business-on.de: Gleich vier neue Destinationen stehen ab 1. Oktober vom Saarbrücker Flughafen aus zur Verfügung: Hamburg, München, Wien und London. Wer hat diese Ziele ausgewählt?

Prof. Dr. Joachim Klein: Wir haben eine intensive Bedarfsanalyse gemacht. Dabei haben wir zunächst für diese beiden Strecken ein hohes Potenzial erkannt und sowohl die Bedürfnisse der Privat- als auch der Geschäftsreisenden berücksichtigt.

Vor allem die München-Verbindung wurde von den Unternehmen in der Region sehr häufig nachgefragt. Daher bieten wir sie im so genannten doppelten Tagesrand an, das heißt, es gibt einen Flug morgens und einen abends, so dass man nicht übernachten muss.

Bei der Verbindung nach London allerdings haben wir, wie sich zeigt, zumindest im Winterflugplan den Bedarf überschätzt. Daher mussten wir inzwischen das Angebot auf dieser Strecke ausdünnen und uns zunächst auf die Ferienzeiten beschränken. Die Flugzeiten waren hier auf Urlaubsreisende abgestimmt, und vielleicht ist auch der neue Flughafen London-Southend noch zu unbekannt, obwohl er hervorragend an die Stadt angebunden ist.

business-on.de: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit Ihrem Angebot an: Den Geschäftsreisenden oder die Familie, die einen Städtetrip übers Wochenende plant?

Prof. Dr. Joachim Klein: Wir wären nicht gut beraten, wenn wir uns auf eine der Zielgruppen konzentrieren würden. Wir haben mit unserem Streckenmix ab Saarbrücken versucht, beiden Gruppen gerecht zu werden und Angebote zu schaffen, die sowohl für die Geschäftsreise als auch die Privatreise nachgefragt werden.

Die Strecken nach München und Wien sind Beispiele dafür, aber auch das Ziel Hamburg dürfte Reisende aus beiden Gruppen ansprechen.

Lediglich bei London hatten wir von Anfang an – auch aufgrund der Flugzeiten – sehr auf den Kurzurlauber gesetzt.

Bei günstigen Preisen steht nicht der Konkurrenzkampf im Vordergrund

business-on.de: Die Flüge von OLT Express sind ab 49,- EUR pro Strecke buchbar. Damit platzieren Sie sich deutlich im Low-Cost-Segment. Wie wichtig ist der Preis mittlerweile im Konkurrenzkampf der Fluggesellschaften geworden?

Prof. Dr. Joachim Klein: Günstige Preise für einen bestimmten Anteil der Plätze auf einem Flug sind natürlich sehr gut geeignet, Nachfrage zu erzeugen: Davon lässt sich bestimmt der eine oder andere zu einer zusätzlichen Reise motivieren – vor allem Menschen, die flexibel sind und langfristig planen, werden davon profitieren. So sorgen wir schon einmal für eine Basisauslastung unseres Angebots.

Letztendlich aber braucht man etwas höhere Durchschnittspreise, und die werden uns ein gesunder Mix aus Langfrist- und Kurzfristbuchungen, Privat- und Geschäftsreisenden bringen.

Bei den niedrigen Preisen steht also nicht der Konkurrenzkampf im Vordergrund, sondern die Absicht, neue Kundengruppen zu werben und Reisende von anderen Verkehrsmitteln vom sehr komfortablen und schnellen Reisen mit dem Flugzeug zu überzeugen.

business-on.de: Günstige Flugpreise stehen im Ruf, durch mangelnde Sicherheit, mindere Qualität und Lohndumping bei den Angestellten finanziert zu werden. Schaffen Sie es günstig und sicher zugleich zu sein?

Prof. Dr. Joachim Klein: Um erst keine Diskussion aufkommen zu lassen: Die Sicherheit ist das Herzstück jeder Fluglinie, daran spart niemand. Das Geheimnis günstiger Flugpreise liegt vielmehr in einer schlanken Kostenstruktur. Die haben wir als kleines, flexibles Unternehmen.

Die Herausforderung für uns ist jetzt, diese Kostenstrukturen auch langfristig beizubehalten. Daher werden wir uns mit unserem Angebot auf das beschränken, was Fluggäste heutzutage wirklich brauchen. Auch gehört die intelligente und flexible Anpassung von Angebot und Nachfrage zu einem guten Kostenmanagement.

Eine weitere sehr wichtige Komponente in unserem Geschäft ist darüber hinaus der produktive Einsatz der Fluggeräte: Unsere Flugzeuge können nur Geld verdienen, wenn sie in der Luft sind. Dafür haben wir Sorgen getragen, indem wir den Flugplan sehr eng getaktet haben. Wir können das, weil wir mit der Fokker 100 ein extrem zuverlässiges Flugzeug haben, das ebenso wie der Airbus A320 Ende der 80er Jahre entwickelt wurde.

Außerdem haben wir in Saarbücken eine eigene Wartung mit Mitarbeitern, die unsere Flotte sehr gut kennen.

Kostentransparenz durch dreistufiges Preissystem

business-on.de: Ähnlich wie Ryanair können für Ihre Fluggäste noch Zusatzkosten entstehen. Wer die Bordkarte klassisch am Check-In-Schalter möchte oder einen Koffer abgeben will, zahlt zusätzlich. Verärgern Sie damit nicht Ihre Kunden?

Prof. Dr. Joachim Klein: Wir denken, dass wir mit unserem dreistufigen Preissystem ein Maximum an Kostentransparenz geschaffen haben. In der untersten Preisstufe ist das Gepäck nicht enthalten, sie ist maßgeschneidert für Tagesreisende oder Reisende mit Handgepäck.

Für ein paar Euro mehr bekommen unsere Kunden auch den kostenfreien Transport des Gepäcks und mehr Flexibilität für ihre Buchung mitgeliefert. Dieses System folgt der Philosophie, Aufwand nicht auf alle Kunden gleichermaßen zu verteilen, sondern in den Kunden zu berechnen, die Wert darauf legen.

Also ist unser System ein sehr kundenfreundliches: Jeder zahlt, was er nutzt – und nur das.

business-on.de: airberlin und Germanwings haben auch anfangs mit günstigen Preisen Ziele in Berlin, Hamburg und München von Saarbrücken und Zweibrücken angeflogen. Mittlerweile hat Germanwings ihr Angebot eingestellt und airberlin ist deutlich teurer geworden. Was wollen Sie anders machen?

Prof. Dr. Joachim Klein: Wie bereits gesagt, müssen wir unsere sehr günstigen Kostenstrukturen halten. Außerdem ist ein 100-sitziges Flugzeug, wie wir es betreiben, für viele Strecken günstiger als ein größeres wie etwa der A319 oder die Boeing 737.

Wir sehen schon für einige Strecken Bedarf, auf denen man ein größeres Flugzeug vielleicht nicht wirtschaftlich einsetzen kann, für die unsere Fokker 100 aber das optimale Flugzeug ist.

business-on.de: Sind mittelfristig weitere Flugziele oder eine Erhöhung der Frequenzen geplant?

Prof. Dr. Joachim Klein: Wir haben für dieses Jahr eine Expansion von 19 neuen Strecken vorgesehen, zwei davon haben wir bereits im Winter und Frühjahr 2012 aufgenommen, den Rest starten wir in diesen Wochen. Wenn wir diese Herausforderung erfolgreich bewältigt haben, werden wir über weitere Schritte nachdenken.

Erst einmal aber wollen wir beweisen, dass wir mit den bereits veröffentlichten Strecken wirtschaftlich erfolgreich sind. Wir wollen uns gegenüber den Kunden als verlässlicher und zuverlässiger Partner beweisen.

Wenn uns dies gelungen ist, werden wir uns die nächsten Ziele vornehmen.

(Thorsten Becker)


 


 

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