06.10.2011  11:25 Uhr

Steve Jobs
Bleiben Sie hungrig, bleiben Sie verrückt

SaarLorLux. Im Jahre 2005 hielt Steve Jobs eine bewegende Rede auf der Abschlussfeier der Stanford University im kalifornischen Palo Alto. Er sprach über Liebe, Verlust und Tod - und darüber, wie einzelne Begebenheiten ein ganzes Leben, ja sogar die ganze Welt verändern können. Aufgrund seines frühen Todes im Alter von nur 56 Jahren, wollen wir noch einmal auf sein Vermächtnis aufmerksam machen.

"Der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens. Er ist der Katalysator des Wandels. Er räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird.", sprach Steve Jobs vor etwas mehr als 6 Jahren zu den Studenten der Stanford University.

Seine Rede vom 14. Juni 2005 erreichte eine unglaubliche mediale Aufmerksamkeit. Nie zuvor - und auch niemals danach - zeigte sich Jobs öffentlich so persönlich wie damals in Palo Alto vor den Stanford-Absolventen. Er wolle nur drei Geschichten erzählen, begann er. Nichts weiter. Drei Geschichten aus seinem Leben.

Financial Times, die Wirtschaftwoche und viele weitere Magazine und Zeitschriften auf der ganzen Welt, hatten die Rede von Jobs übersetzt. Zeigt sie doch auf eine wunderbare Art und Weise, wie der Visionär die Welt - und deren Zusammenhänge - sah.

Das Wunder der Kalligrafie

Die erste Geschichte handelte von seiner Adoption und dem Grund, warum er aufs College ging: "Meine leibliche Mutter war eine junge, unverheiratete Studentin, die sich entschied, mich zur Adoption freizugeben. Es war ihr sehr wichtig, dass ich von Hochschulabsolventen adoptiert werden sollte". Nun, das Leben läuft nicht immer so ab, wie geplant. So wurde Steve nicht etwa von einem Anwalt und seiner Gattin adoptiert, sondern von einer jungen Familie aus der Arbeiterschicht. Sein Vater hatte nicht einmal einen richtigen High-School-Abschluss.

Als seine leibliche Mutter dies nach einigen Monaten erfuhr, weigerte sie sich, die Adoptionspapiere zu unterzeichnen. "Erst Monate später lenkte sie ein - weil meine Eltern ihr versprachen, dass ich später ein College besuchen würde." So schrieb sich Steve Jobs also im Reed College ein. Beschloss jedoch bereits nach drei Monaten, dass dies nicht das Richtige für ihn wäre.

Er lebte das Leben eines Hippies, ging jedoch für weitere anderthalb Jahre auf ausgesuchte Vorlesungen in Reed. "Das Reed College bot zu jener Zeit den vielleicht besten Kalligrafiestudiengang des Landes an. Ich lernte etwas über Schriftarten mit und ohne Serifen, wie man den Abstand zwischen unterschiedlichen Buchstabenkombinationen variiert, was großartige Typografie großartig macht. Es war wunderschön.", erinnert sich Jobs an diese Zeit.

Bei der Entwicklung des ersten Mac, nutzte er dieses kalligrafische Wissen: "Es war der erste Rechner mit wunderschöner Typografie. Hätte ich niemals diesen Kurs besucht, hätte der Mac niemals verschiedene Schriftarten bekommen oder solche mit proportionalen Zwischenräumen. Und da Windows Mac einfach kopiert hat, ist es wahrscheinlich, dass kein PC das hätte."

Verlust und Neuanfang


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Steve Jobs, 2005

Seine zweite Geschichte handelte vom Verlust. 1976 gründete Jobs gemeinsam mit Steve Wozniak und Ronald Wayne in der Garage seines Elternhauses eine eigene Firma. Etwa 10 Jahre später, 1985, ist Apple zu einem riesigen Konzern mit mehr als 4000 Mitarbeitern herangewachsen. "Wir hatten gerade unser Glanzstück, den Macintosh, auf den Markt gebracht, und ich war gerade 30 geworden, da wurde ich gefeuert."

"Als Apple immer größer wurde, stellten wir jemanden an, von dem wir dachten, er habe großes Talent und könne das Unternehmen mit mir zusammen führen. Im ersten Jahr ging auch alles gut." Doch dann kamen die ersten Meinungsverschiedenheiten. Ein größerer Streit folgte. Und das Board entschied sich gegen Jobs.

"Ich stand mit 30 auf der Straße, und alle Welt bekam es mit. Das, worum sich während meines gesamten Erwachsenenlebens alles gedreht hatte, war weg." Erst nach mehreren Monaten bekam er sein Leben wieder in Griff. Widmete sich wieder seiner Arbeit. Er gründete mit Next und Pixar in nur fünf Jahren zwei weitere Erfolgsfirmen. Und fand die Liebe seines Lebens.

"Wie das Leben so spielt, kaufte Apple Next - und ich kehrte zu Apple zurück. Die Technik, die wir bei Next entwickelt hatten, ist Kern von Apples jetziger Renaissance." Ohne seinen Rauswurf, hätte er Apple wohl nie so revolutionieren können, wie er es dann tat. Und damit die gesamte Technologiebranche.

Die Zeit ist begrenzt

Seine letzte Geschichte handelte vom Tod. Bei Jobs wurde Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Doch bereits zuvor war der Tod ein Thema. "Ich frage mich jeden Morgen: 'Wenn heute der letzte Tag meines Lebens ist, würde ich dann gern das tun, was ich heute tun werde?' Und wenn die Antwort an zu vielen Tagen hintereinander Nein lautet, weiß ich, dass ich etwas ändern muss." Eine fantastische Lebenseinstellung. Und ein Antrieb, immer das Beste zu tun. Sich niemals mit dem Zweitbesten zufrieden zu geben.

Durch eine Operation konnte der Tumor in der Bauchspeichdrüse entfernt werden. Seine Erfahrung offenbarte ihm jedoch etwas, das er den Stanford-Studenten mit auf den Weg geben wollte: "Ihre Zeit ist begrenzt, verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen gefangen nehmen - das würde bedeuten, mit dem zu leben, was andere Leute erdacht haben. Lassen Sie nicht zu, dass der Lärm, den die Meinungen anderer erzeugen, Ihre innere Stimme, die Stimme Ihres Herzens, Ihre Intuition überdröhnt."

So wie Steve Jobs seine Rede im Jahre 2005 beendete, wollen wir auch unseren Artikel abschließen. Gedenken Sie einem der größten Visionäre und Erfinder der Neuzeit. Und...

"Bleiben Sie hungrig, bleiben Sie verrückt!"

PS: Die komplette Übersetzung von Steve Jobs Rede ist auf der Website von Financial Times Deutschland unter folgendem Link zu finden:

http://www.ftd.de/it-medien/computer-technik/:agenda-steve-jobs-ueber-liebe-verlust-und-tod/60112506.html


 

(FN)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Screenshot / Apple



 


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