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Stress

Warum „Antistress“ ein Konzept von gestern ist

Der Stress hat einen so schlechten Ruf, dass die meisten Menschen ihn am liebsten komplett aus ihrem Leben verbannen würden. Der Begriff, der sich mit diesem Wunsch verbindet ist „Antistress“. Doch das ist weder realistisch noch wünschenswert. Ein gewisses Maß an Herausforderung macht das Leben nicht „nur“ interessant, sondern ist auch ein wesentlicher Aspekt für unsere Lebensqualität.

Stress ist die Würze des Lebens

Dass Stress „Die Würze des Lebens“ sei, hat kein Geringerer als der Erfinder des Begriffes, der oesterreichisch-kanadische Wissenschaftler Hans Selye, einst behauptet. In seinem Standardwerk „Stress“ schreibt er: „Da Stress mit jeder Betätigung verbunden ist, könnten wir den größten Teil davon vermeiden, indem wir einfach grundsätzlich gar nichts tun. So ein Leben wäre aber einem Schlagballspiel vergleichbar, in dem kein Ball getroffen, kein Lauf begonnen und keine Punkte gewonnen werden – und wer hätte daran wohl noch Spaß?"

Die Suppe ist allzu oft versalzen

Nun muss man zugeben, dass die „Suppe“, das Leben vieler Menschen durch ein Übermaß an Stress allzu oft versalzen ist. Die will niemand auslöffeln, klar. Aber würden wir jegliche Würze aus unserer Küche verbannen, wenn wir mal ein Gericht versalzen hätten und die Losung „Anti-Gewürze“ ausgeben? Nein, natürlich nicht. Wir würden versuchen, immer besser einzuüben, die Kunst der ausgewogenen Dosierung zu erlernen.

Frei mit Stress, nicht frei von Stress

Wer diese Fähigkeit auch beim Stress erworben hat, ist in einem ganz bestimmten Sinne in der Tat „stressfrei“. Er ist frei, den Stress so zu dosieren, dass er ihm gut tut und seinem Leben „das gewisse Etwas“ gibt. Er ist frei, das Maß an Stress, das in sein Leben kommt, selbst zu bestimmen und sich nicht vom Stress bestimmen zu lassen. Er ist also mit(!) dem Stress frei, nicht von Stress frei.

Eine teuer erkaufte Utopie

Der Grund, warum viele trotzdem der Utopie anhängen, ein völlig stressloses Leben führen zu können oder dies zumindest als Ziel in den Blick nehmen, ist eine weit verbreitete, aber auch sehr einseitige Sicht vom Stress. Diese einseitige Sicht besteht darin, dass Stress ausschließlich negativ gesehen wird. Da er gleichzeitig häufig in einer großen Überdosis und daher als nicht mehr kontrollierbar erlebt wird, ist der Wunsch, ihn völlig loszuwerden durchaus verständlich. Doch schon dieser Wunsch ist teuer erkauft.
Er verdeckt die real bestehenden Möglichkeiten, den Stress dort, wo er hilfreich ist, zu nutzen und an anderen Stellen in die Schranken zu weisen. Damit stellen Sie Ihr Programm nicht mehr grundsätzlich auf „Antistress“ ein und Ihr Ziel besteht auch in etwas anderem, als immer nur jeglichen Stress reduzieren zu müssen, was eh ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen ist. Das Ziel ist nun, den Stress aktiv zu führen, also das, was wir gemeinhin mit „Stressmanagement“ bezeichnen.

Ein Tipp zum Schluss – für ein neues Stressmanagement

Jetzt geht es in einem ersten Schritt darum, festzuhalten, wo Ihnen der Stress zu einer Konzentration der Kräfte verhilft und wo er Ihnen einfach nur Kräfte raubt. Das ist manchmal sehr leicht zu entscheiden, manchmal aber gar nicht so einfach. Stress, der durch mobbende Mitarbeiter oder durch schlechte Arbeit entsteht, können wir brauchen wie einen Kropf, das ist klar. Stress hingegen, der unsere Fähigkeiten bis an die Grenzen (aber nicht darüber hinaus!) fordert, lässt uns zur Hochform auflaufen und wir können ihn sogar genießen, wenn wir entsprechenden Erfolg und Wertschätzung dafür erwarten können.
In den Fällen, in denen es zunächst schwierig erscheint, ist es meistens „nur“ ein Zuviel, d.h. hier muss tatsächlich die Quantität der Belastung reduziert werden. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn jemand bestimmte Arbeiten, die er genauso gern wie gut erledigt in viel zu großem Ausmaß aufgehalst bekommt.

Die Richtung beibehalten

Wenn Sie konkret(!) festgehalten haben, welcher Stress Ihrer Produktivität dient und welcher Sie eher lähmt und Ihnen Kräfte raubt, können Sie nach und nach die nächsten Schritte Ihres Stressmanagements angehen. Dazu gehört, dass Sie den produktiven Stress behalten (oder sogar suchen!), den unproduktiven reduzieren und schließlich die Einplanung von Entspannungszeiten, damit Sie auch morgen noch gesund und leistungsfähig sind.

(Markus Frey)


 


 

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