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T-Systems IT-Chef Abolhassan

Die Cloud ist der Motor der Digitalisierung

Im business-on.de Interview spricht T-Systems Geschäftsführer Ferri Abolhassan und Leiter IT Division über das zukunftsbestimmende Thema „Cloud". Abolhassan ist sich sicher: Nur wem es gelingt, innovative IT-Technologien erfolgreich in die Produktion und den Kundenservice zu integrieren und dafür die Standards zu setzen, eröffnen sich neue Wachstumsperspektiven.

Business-on.de: Die digitale Transformation ist in aller Munde. Wie weit ist die deutsche Wirtschaft auf diesem Weg schon vorangekommen?

Ferri Abolhassan:  Es gibt bereits eine Reihe von Unternehmen, die ihr Geschäft erfolgreich transformiert haben. Beispiel Hamburger Hafen: Mittels Cloud Computing hat er seine Verkehrs- und Warenströme beschleunigt und die Umschlag- und Liegezeiten von Containerschiffen verkürzt. Hafenmanagement, Depot- und Parkraumbetreiber sowie Spediteure können nun schneller auf die jeweilige Verkehrs- und Infrastruktursituation reagieren. 

Im Ergebnis brachte dies eine Produktivitätssteigerung von über zwölf Prozent. Oder nehmen Sie die Automobilbranche: Die überwiegende Mehrheit der Autokäufer nutzt zuerst das Internet, um sich zu informieren, bestellt dann aber im Autohaus. Online und Offline müssen also nahtlos ineinander übergehen. Informationen, die ein Kunde beispielsweise über eine App bereitstellt, können in der Filiale dabei helfen, ihm einen bestmöglichen, persönlich zugeschnittenen Service zu bieten – ganz unabhängig davon, welche Filiale er tatsächlich besucht. 

Ein Datenmanagement speichert diese Informationen einheitlich und zentral, wertet sie aus und bereitet sie für jeden Mitarbeiter im Vertrieb auf – immer zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Und in der deutschen Wirtschaft gibt es noch jede Menge Potenzial für neue, digitale Geschäftsmodelle – in allen Branchen.

Business-on.de: Was kann die deutsche Wirtschaft von der Digitalisierung erwarten?

Ferri Abolhassan:  An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei und Cloud Computing ist der Motor dafür. Denn die Digitalisierung beschleunigt Prozesse und macht sie günstiger. Wer Produkte und Dienstleistungen auf Knopfdruck und für kleines Geld anbietet, erobert den Markt. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung ganz neue Ansätze für disruptive Geschäftsmodelle: 

Die Taxi-App Uber demonstriert eindrucksvoll, wie ein digitaler Tsunami über eine ganze Branche hinwegfegt. Dabei genügt es nicht, krampfhaft zu versuchen, den Bestand zu wahren. Für langfristigen Erfolg ist eine echte Vorwärtsstrategie gefragt. Nur wem es gelingt, innovative IT-Technologien erfolgreich in die Produktion und den Kundenservice zu integrieren und dafür die Standards zu setzen, eröffnen sich neue Wachstumsperspektiven. 

Laut McKinsey wird keine andere Technologie bis 2025 mehr Wachstum generieren als die Internettechnologie. Sie sehen das Potenzial bei knapp fünf Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts, das entspricht 207 Milliarden Euro. Und nach Einschätzung der Boston Consulting Group entstehen durch Industrie 4.0 in den kommenden zehn Jahren 390.000 neue Arbeitsplätze – allein in Deutschland.

Business-on.de: Worauf kommt es nun an?

Ferri Abolhassan: Unternehmen müssen sich mit diesem Thema jetzt intensiv auseinandersetzen. Viele analoge Geschäftsmodelle und -prozesse sind bereits durch digitale vollständig abgelöst worden. Und diese Entwicklung geht unaufhaltsam weiter. Die Transformation betrifft sämtliche Branchen: von der Medienindustrie über den Handel bis hin zu Produktion und Logistik

Und hierbei ist die Cloud unverzichtbar – sie ist der Motor der Digitalisierung. Und die Reichweite des Internets wächst permanent. Nicht nur immer mehr Menschen, sondern auch Sensoren und Geräte sind im Netz. Bis 2020 sollen 50 Milliarden Dinge vernetzt sein und im Internet of Things Daten generieren – Unmengen von Daten. Nur allein die Cloud ist imstande, diese zu verwalten und neue Erkenntnisse aus der Datenflut zu ziehen.

Business-on.de: Welchen Mehrwert bietet denn die Cloud den Unternehmen hierbei?

Ferri Abolhassan: Die Cloud macht neue, digitale Geschäftsmodelle überhaupt erst möglich. Nur sie kann die unendlichen Datenmengen, die durch das Internet der Dinge entstehen, zentral sammeln, speichern und analysieren. Stichwort „Big Data“. Erst die Cloud sorgt für die nötige Geschwindigkeit, Intelligenz und Flexibilität. Sie ist somit das Herzstück digitaler Prozesse und Produkte der Zukunft. Vorausgesetzt sie erfüllt folgende Anforderungen: 

Neben einer maximalen Skalierbarkeit und Performance muss sie einfach, sicher und bezahlbar sein. Nur wenn die Qualität stimmt, setzt sich eine neue Lösung durch. Dabei sind die Kunden von heute sehr anspruchsvoll. Funktioniert die App oder der Bestellprozess nicht, ist der Kunde sofort bei der Konkurrenz . Der Anbieter hat also meistens nur einen Versuch. 

Weitere wichtige Anforderungen an die Cloud sind Sicherheit und Datenschutz. Zurecht. Gerade deutsche Kunden legen darauf großen Wert und das hat Tradition: Denn das Bundesdatenschutzgesetz ist eines der strengsten Gesetze zur informationellen Selbstbestimmung weltweit. Werden diese Aspekte berücksichtigt, dann ebnet die Cloud Unternehmen den Weg in die Zukunft.

Business-on.de: Haben Sie ein konkretes Beispiel parat?

Ferri Abolhassan: Wer Kunden gewinnen und an sich binden möchte, muss ihnen ein einzigartiges Erlebnis bieten. Die Automobilbranche ist hier wieder ein gutes Beispiel. Denn der Kunde informiert sich lange im Internet, besucht meist aber nur noch ein bis zwei Mal das Autohaus. Auch hier hat der Anbieter nur diese einzige Chance, den Kunden an sich zu binden. Deshalb gehen Autohäuser heute neue Wege, sie testen Showroom-Konzepte mit holografischen Darstellungen, Simulatoren und Augmented-Reality-Elementen. 

Diese bieten dem Kunden ein einmaliges Erlebnis mit maximaler Personalisierung. Dazu gehören etwa die Wunschkonfiguration des Fahrzeugs am Tablet und eine spezielle Nahfunktechnik im Autohaus, sogenannte iBeacons, die personalisierte Produktinformationen via App ermöglicht. Die Automobilindustrie, aber das gilt auch für andere Unternehmen, kennen ihre Kunden dank digitaler Lösungen besser als je zuvor. Diese Daten gilt es sinnvoll zu nutzen. Unternehmen müssen heute antizipieren, was Kunden morgen wollen, und auf ihre Wünsche reagieren, noch bevor der Kunde sie äußert. 

Und was hat das alles mit der Cloud zu tun? iBeacons funktionieren nur mit der Cloud, denn die dazugehörigen Apps kommen aus der Cloud. Eine übergreifende Verwaltung aller Kommunikationskanäle mit konsolidierten Informationen lässt sich am einfachsten mit einer Cloud erledigen.

Business-on.de: Das klingt vielversprechend. Aber wie ist es dabei um die Sicherheit der Daten bestellt?

Ferri Abolhassan: Sicherheit ist natürlich ein absolutes Muss und Grundvoraussetzung für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Wir haben in Deutschland beim Datenschutz einen klaren Standortvorteil: Das Bundesdatenschutzgesetz ist eines der strengsten Gesetze seiner Art weltweit. Wer personenbezogene Daten nutzen möchte, benötigt eine gesetzliche Erlaubnis oder die Zustimmung des Betroffenen. In Amerika ist es umgekehrt. Die US-Geheimdienste haben – auch ohne Gerichtsbeschluss – Zugang zu persönlichen Daten. 

Zwar hat der USA Freedom Act im Juli den Patriot Act abgelöst. Damit sind die Daten von US-Bürgern in den Vereinigten Staaten besser geschützt. Für persönliche Daten in ausländischen Rechenzentren hat sich allerdings nichts geändert. Wer von deutscher Datensicherheit profitieren will, ist also bei einem Provider mit Rechenzentren in Deutschland gut aufgehoben.

Business-on.de: Und wie zuverlässig ist die Cloud? Wenn Sie künftig das Herzstück vieler Geschäftsprozesse ist, müssen sich die Unternehmen jederzeit darauf verlassen können.

Ferri Abolhassan: Absolut: Sicherheit ist Grundvoraussetzung für Cloud Computing. Deshalb sind die Rechenzentren von T-Systems mit modernsten Sicherheitsanlagen und Zugangskontrollen ausgerüstet. Leistungsstarke Notstromaggregate übernehmen die Energieversorgung der gesamten Anlage, wenn es sein muss. Sollte das Rechenzentrum trotzdem ausfallen, steht mehrere Kilometer entfernt ein baugleicher Zwilling bereit, der den Betrieb der Anwendungen nahtlos übernimmt. Damit können Verfügbarkeiten von 99,999 Prozent vereinbart werden – das entspricht einer maximalen Ausfallzeit von rund fünf Minuten pro Jahr. 

Klassische Maßnahmen wie Firewall und Anti-Viren-Software schützen vor Hackern. Zusätzlich fahndet die Telekom mit 180 Lockfallen in ihrem Datennetz nach Angriffsmustern und blickt unter Laborbedingungen in die Zukunft, wie sich Schadsoftware in 230 Tagen entwickelt. Es gibt in der Technik keine 100-prozentige Verfügbarkeit – auch nicht in der IT. Doch T-Systems baut mit einem sorgfältigen Qualitätsmanagement vor: Das „Zero Outage Program“ verbindet präventive Maßnahmen mit einem strukturierten Management im Ernstfall. 

So proben T-Systems und seine Lieferanten in jährlich mehr als 500 „Feuerwehr-Übungen“ – also Simulationen von Betriebsstörungen – die unterschiedlichsten Szenarien und das Zusammenspiel von Plattformen, Prozessen und Menschen. Im Ernstfall leitet der sogenannte „Manager on Duty“ die Maßnahmen bis zur erfolgreichen Problemlösung – wenn es sein muss Tag und Nacht.

(Redaktion)


 


 

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