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Tobias Busch

Darf man mit China Handel treiben?

Viele deutsche Unternehmen stehen in enger geschäftlicher Beziehung zur Volksrepublik China. Aus wirtschaftlicher Hinsicht ist das Geschäft mit der aufstrebenden Wirtschaftsnation im Osten oft äußerst lukrativ. China-Experte Tobias Busch ist nun aber auch einmal in einem exklusiven Gastbeitrag für business-on.de der Frage nachgegangen, ob man aus gesellschaftlicher Sicht überhaupt mit China Handel treiben darf.

Ob man mit China Handel treiben darf? Ja, man soll und muss das sogar tun! Das ist der sicherste Weg, den autoritären staatlichen Griff nach und nach zu lockern. Je mehr China prosperiert, desto entspannter sind die Machthaber. Eine ökonomische Krise ist deren größte Sorge, darauf würde die Regierung mit aller Wahrscheinlichkeit nicht mit mehr, sondern weniger Freiheiten reagieren.

Nordkorea ist das dramatische Beispiel (aber nur eines von vielen) dafür, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten unter undemokratischen Regimen meist zu mehr Restriktionen und nicht zu mehr Freiräumen führen.

Auch die zunehmende Öffnung durch wirtschaftliche Zusammenarbeit hat liberalisierende Effekte – eine erfolgreiche moderne Wirtschaft ist ohne freien Informationszugang jedenfalls für Fachkräfte heute kaum denkbar. Insofern liegt eine moderne und wettbewerbsfähige chinesische Wirtschaft im Interesse aller Befürworter von bürgerlicher Freiheit.  

Bewertung anhand ethischer Kriterien ist anmaßend

Die Bewertung von Handelspartnern anhand ethischer Kriterien ist anmaßend: Es gibt sicher rote Linien, jenseits derer eine Zusammenarbeit auch auf wirtschaftlichem Gebiet moralisch fragwürdig ist. Diese Linien sind aber aus meiner Sicht im Falle von China so weit entfernt wie bei sehr vielen anderen deutschen Handelspartnern.

Es steht uns nicht zu, von der chinesischen Regierung die Einhaltung westlicher rechtsstaatlicher Regeln oder gar die Einführung demokratischer Prinzipien zu verlangen. Wir können nicht einmal  sicher sein, dass ein solches Verlangen von der Mehrheit der chinesischen Bevölkerung unterstützt würde.

China ist in seiner Geschichte nie eine bürgerliche Gesellschaft gewesen. Es ist legitim, dem Land eine Entwicklung in diese Richtung zu wünschen, aber es ist absurd, das einfordern oder gar erzwingen zu wollen.

Das chinesische Volk hat im Laufe der Geschichte sehr viel Leid ertragen müssen, gerade auch in den letzten fast 100 Jahren seit Gründung der kommunistischen Partei.

Warum die chinesischen Bürger, die dieses Regime mehrheitlich wahrscheinlich nicht unterstützen, nun mit Wirtschaftsboykotten dafür bestraft werden sollten, dass sich das Regime an der Macht halten konnte, ist seinerseits ethisch überhaupt nicht zu begründen.

Wirtschaftliche Einbußen, Einbrüche am Arbeitsmarkt, soziale Verwerfungen

Wenn man die ethische Frage ernst nimmt, muss man sich auch noch fragen, welches Leid es für die chinesischen und die deutschen Bürger bedeuten würde, wenn die Länder miteinander keine Geschäfte mehr machen würden: Der Katzenjammer wäre groß, die wirtschaftlichen Einbußen gewaltig und die Einbrüche am Arbeitsmarkt besonders in Deutschland mit entsprechenden sozialen Verwerfungen unvermeidlich.

Wie viel moralischen Wert ein Zuwachs an Freiheit hat, der  - abgesehen von der Ungewissheit seines Eintretens - mit existenziellen Sorgen für viele Menschen erkauft wird, ist eine Frage, die kaum zu beantworten ist.

Schon ihren Wohlstand würden nicht alle Menschen für mehr Freiheit eintauschen wollen, geschweige denn ihre Existenzgrundlage. Gerade wenn man dem demokratischen Gedanken einen hohen Wert zubilligt, darf man diesen Aspekt nicht völlig ignorieren.

(Tobias Busch)


 


 

Tobias Busch
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