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China-Experte Tobias Busch

Topmanager kritisiert Topmanager-Gehälter

Derzeit werden hohe Gehälter von Topmanagern kontrovers diskutiert: Einige schreien nach einer staatlich festgelegten Höchstgrenze, andere befürworten eine Deckelung durch die Anteilseigner. Der ehemalige Präsident von Volkswagen Indien, China-Experte Dr. Tobias Busch, hat gegenüber business-on.de jetzt die Entwicklung der letzten Jahre kritisiert. Viele Top-Gehälter hätten den jeweiligen Marktwert der Manager längst um ein Vielfaches überschritten.

Schon jetzt ist klar: Die Einkommen des Topmanagements deutscher Unternehmen gehören zu den  Wahlkampfthemen 2013. Während das durchschnittliche Einkommen der Vorstandschefs der DAX-Unternehmen in den letzten 13 Jahren mehr als verdoppelt und teilweise sogar vervielfacht wurde, lagen die Tariflöhne 2012 laut Berechnungen des WSI-Tarifarchivs (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut) real lediglich 6,9 Prozent über dem Wert von 2000. Gerade weil es unserer Wirtschaft zurzeit wieder besser geht, dies bei vielen Arbeitern und Angestellten aber ohne Auswirkungen bleibt, erhitzt das Thema die Gemüter im Land.

Wenn Top-Fußballer ein paar Hunderttausend pro Woche bekommen, wird das in Deutschland hingenommen. Ein Vorstandchef, der jährlich Millionen scheffelt wird hingegen offen kritisiert. Warum haben wir so große Probleme mit hohen Topmanager-Gehältern? Was ist der Unterschied zwischen einem Winterkorn und einem Ribery?

Fehlender Zusammenhang zwischen Marktwert und Gehalt

„In einer Diskussion mit einem chinesischen Manager über den bemerkenswerten Wohlstand vieler Politikerfamilien in China, zeigte sich mein Gesprächspartner verwundert über die westliche Verwunderung“, gibt Dr. Tobias Busch, der vormalige Präsident von Volkswagen Indien und Kenner des Topmanagements internationaler Konzerne, die Eindrücke eines Außenstehenden wieder.

„Es ist zwar unerfreulich, aber schwer zu vermeiden, dass sich die Mächtigen in einer Gesellschaft wirtschaftlich unangemessen bereichern, erklärte dieser Gesprächspartner. In China seien die Politikerclans mächtig, im Westen die angestellten Topmanager der großen Konglomerate. Und diese sorgten eben auch für ihr eigenes Wohlergehen - zwar nicht ganz so schamlos, aber doch in einer Weise, die mit Marktwirtschaft wenig zu tun habe.“

Diese Aussage hält Busch im Grundsatz für zutreffend. Seiner Meinung nach gibt es häufig keinen realistischen Zusammenhang mehr zwischen dem Einkommen und dem Marktpreis eines Topmanagers. Diese seien nämlich eben keine Riberys und Ronaldos, um die sich unzählige Vereine reißen, was dann zwangsläufig auch den Marktpreis in die Höhe treibe. Getreu dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.

"Topmanager sind schlecht transferierbar"

„Viele Topmanager sind in ihrer ganz konkreten Umgebung durchaus sehr wertvoll“, räumt Busch ein. „Aber eben oftmals nur genau dort. Die meisten sind ohne Qualitätsverlust nicht in eine andere Umgebung transferierbar - schon gar nicht international. Die Vorstellung von einem globalen Wettbewerb um Topführungskräfte ist auf oberster Ebene in den meisten Branchen schlicht falsch. Und andere Arbeitnehmer werden auch nicht nach ihrem Beitrag bezahlt, sondern danach, was sie verdienen müssen, damit sie bleiben und motiviert sind. Das ist doch keine Wohlfahrtsveranstaltung.“

Die aus dem Ruder gelaufenen Gehälter der Topmanager seien demnach nicht gerechtfertigt. „Die mit besonders viel Macht und Einfluss ausgestatteten deutschen Topmanager haben sich vielfach von ihrem Marktwert entkoppelt.“, gibt Busch zu bedenken.

Bereits 2009 entbrannte ein Zwist über die Vergütung von Topmanagern. Das „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“ war eine Folge der damaligen Diskussionen. Unter anderem wurde festgelegt, dass ein Vorstandsgehalt die „übliche“ Vergütung nicht ohne Grund übersteigen dürfe.

Das kann doch nicht bedeuten, dass Maßlosigkeit akzeptiert ist, wenn sie „üblich“ wird – was nach dem Urteil vieler hier und da heute schon der Fall ist. Die Wirksamkeit dieser Reform ist ohnehin fraglich; viele Fachleute argumentieren im Gegenteil, dass die Offenlegung der Einkommen auf breiter Basis deutlich erhöhend gewirkt hat, weil sich jetzt alle Mitglieder eines Gremium in ihren Erwartungen nach den Höchstverdienenden ausrichten und die Aufsichtsräte keine Diskussionen über Abstufungen führen möchten.

Auch im Wahljahr 2013 wird die Einkommensdeckelung ein wichtiges Thema im Wahlprogramm der großen Parteien sein. So fordert die Linke, dass das Höchsteinkommen nur 20-fach höher ausfallen darf als das niedrigste Einkommen innerhalb eines Unternehmens. Die SPD will vor allem Steuererhöhungen für die Topverdiener und selbst in der FDP denkt man über Möglichkeiten zur Deckelung nach - etwa durch mehr Mitsprache der Eigentümer bei der Festlegung von Managergehältern.

(Redaktion)


 


 

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