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Top-Geschäftsführer in Saar-Lor-Lux

Interview mit Andrea Juchem von der Juchem-Gruppe

Seit Generationen ist die Familie Juchem tief mit der Landwirtschaft verwurzelt, arbeitete auf Feldern und in den Ställen. Im Jahre 1921 wagte Franz Juchem den Schritt vom elterlichen Hof ins eigene Unternehmen - und legte den Grundstein für eine wunderbare Erfolgsgeschichte. Heute produziert die Juchem-Gruppe in dritter Generation mit 270 Mitarbeitern an sieben Standorten Grundstoffe für eine gesunde Ernährung. Im Rahmen unser Serie "Top-Geschäftsführer in SaarLorLux" haben wir mit Geschäftsführerin Andrea Juchem über die Juchem-Gruppe, Social-Media-Aktivitäten und ökologische, soziale sowie ökonomische Nachhaltigkeit gesprochen.

business-on: In Zeiten, in denen die ganze Welt von Social Media redet, sprechen Sie nicht nur davon, sondern handeln. Und dies gleich mehrfach:

Diverse Webseiten, ein B2B -Blog, ein Blog zur "kreativen Kunst des Backens", Facebook-Seiten, Twitter Accounts... Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, auch im sozialen Web Präsenz zu zeigen?

Andrea Juchem: Gegenfrage, wie könnte man sich nicht dafür entscheiden?  Das war genau wie beim Aufkommen des Internets. Man sieht was sich da tut, erkennt das Potential und handelt. Und je früher man dabei ist, umso besser, denn ganz zu Anfang werden auch Anfängerfehler eher verziehen.

Für uns bedeuten die sozialen Kanäle, ohne Streuverlust wie beim klassischen Marketing, direkt und unmittelbar mit unseren Kunden in Austausch zu kommen. In einer Umwelt, in der die Konsumenten permanent mit Werbebotschaften geflutet werden, ist es schwierig, überhaupt noch durchzudringen.

Durch den richtigen Umgang mit Social Media kann man die Situation einfach umdrehen: Nicht wir finden die Kunden, sondern die Kunden finden uns. Dazu gehört natürlich, dass man nicht nur dröge Werbebotschaften postet und die immer gleichen Aktionen macht, wie „2 für 1“ oder „heute 10%“, sondern dass man in den sozialen Kanälen erst mal zuhört und die Kunden dann mit Themen versorgt, die sie auch interessieren. Und dann kommt man, wie auf dem Marktplatz der Vergangenheit, ins Gespräch. 

Jede Menge Spaß im Backstudio

business-on: Im März diesen Jahres hatten Sie mit dem SchlauerBacken-Event ein Treffen mit Bloggern und Twitter-Nutzern veranstaltet. Laut Berichterstattung ein voller Erfolg. Wie haben Sie diesen Tag erlebt? Ist eine Neuauflage geplant?

Andrea Juchem: Dieses Event  entstand auch aus den „Unterhaltungen“ auf Twitter und Facebook. Nachdem mehrere  Twitterer gepostet hatten, dass wir doch mal zusammen backen könnten, habe ich spontan einen „TwiBack Saar“  ins Leben gerufen. 20 Twitterer und Facebooker, teilweise in Begleitung ihrer Kinder, hatten einen Abend lang in unserem Backstudio jede Menge Spaß beim Ausprobieren unserer Backmischungen und beim Vernetzen untereinander.

Für uns war es auch großartig, weil wir ein direktes Feedback bekamen und live erlebten, welche Probleme dann doch beim Backen mit Backmischungen auftreten können, z.B. durch einen fehlenden Hinweis. Ich bin schon oft nach einer Neuauflage gefragt worden, und kann mir gut vorstellen, dass wir im Herbst noch einmal eine Aktion starten. 

Ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit

business-on: Nachhaltigkeit ist für alle Unternehmen ein wichtiger, aber leider oft vernachlässigter Punkt. Wie stehen Sie zu diesem prekären Thema?

Andrea Juchem: Auch hier gilt es, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Es ist sehr schade, wenn Unternehmen nicht aus sich heraus eine Verpflichtung und den Willen zur Nachhaltigkeit haben. Über kurz oder lang wird das Verhalten von Unternehmen in diesem Punkt ein Kriterium bei der Kaufentscheidung sein. 

Oft wird heute unter Nachhaltigkeit nur der ökologische Aspekt verstanden. Nachhaltigkeit umfasst aber genauso die Punkte soziale und ökonomische Nachhaltigkeit. Nur wenn diese 3 in einem ausgewogenen Verhältnis beachtet werden, kann man wirklich von Nachhaltigkeit sprechen.

Mit der Ökonomie tun sich Unternehmen ja nun wirklich nicht schwer, denn dass Unternehmen Gewinn machen (müssen), steht wohl bei jedem Unternehmen im Vordergrund. In puncto sozial und ökologisch können jedoch viele Unternehmen noch mehrere „Schippen“ drauflegen.

Zur sozialen Nachhaltigkeit sehe ich uns als Familienunternehmen, in dem man sich noch wirklich kennt und um die persönlichen Verhältnisse des Einzelnen weiß, gut aufgestellt. Und zum Thema Ökologie, auch da bemühen wir uns nach Kräften.

Zusammen mit der Asko Europa Stiftung haben wir 2 unternehmensinterne Workshops durchgeführt und danach eine Initiative ins Leben gerufen, bei der jeder einzelne Mitarbeiter dazu aufgerufen ist, uns mitzuteilen, wo wir im Unternehmen noch nachhaltiger werden können.

Etliche Ideen wurden in den vergangenen Monaten schon umgesetzt. Des Weiteren werden wir ein Managementsystem dazu einführen und arbeiten für unseren Einkauf in einem Projekt des iSun, eines Instituts der FH Münster, mit. 

Frauen in Führungspositionen

business-on: In den Medien wird häufig die geringe Frauenquote in Führungspositionen bemängelt. Sie sind Geschäftsführerin der Juchem-Gruppe - hatten Sie mit Problemen zu kämpfen, Ihre Führungsaufgaben durchzusetzen? Wie stehen Sie zur Frauenquote?

Andrea Juchem: Im Mittelstand – vor allem in Familienunternehmen - stellt sich das Problem nicht so wie in Großkonzernen. Ich hatte nie das Gefühl, gegen große Widerstände anzukämpfen und kleinere Meinungsverschiedenheiten zwischen Männern und Frauen gibt es ja immer. Und wenn sich jeder ein bisschen auf die Kommuninkationsschiene des Anderen einstellt, dann kann man größere Konflikte vermeiden.

In großen Unternehmen stelle ich mir das ganz anders vor und bin daher auch für eine Frauenquote. Die Seilschaften unter Männern können schon extreme Formen-  Stichwort Incentive-Reise nach Ungarn - annehmen. Da bedarf es mehr als Kompetenz und Intelligenz, damit eine Frau eine Führungsposition erreichen kann.

business-on: EHEC ist zurzeit in aller Munde. Wie wird mit diesem Thema innerhalb der Juchem-Gruppe umgegangen?

Andrea Juchem: Im Rahmen unseres Qualitätsmanagements werden alle Mitarbeiter einmal jährlich in Hygiene geschult. In den Waschräumen (auch in der Verwaltung) steht Desinfektionsmittel für die Hände bereit. Die von uns verarbeiteten Rohstoffe gehören glücklicherweise nicht zu denen, die betroffen waren.


 


 

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