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Wirtschaftskrise

Kurzarbeit ist kein Allheilmittel

Die deutsche Arbeitslosenquote blieb dank Kurzarbeit auch in der Wirtschaftskrise relativ niedrig. In Italien ging dieses Konzept jedoch nicht auf. Warum das so ist, versuchen Forscher der Hans-Böckler-Stiftung in einer aktuellen Studie nachzuweisen. Gerade die Gewerksschaften spielten dabei eine wichtige Rolle.

"Kurzarbeit alleine kann eine Krise nicht meistern. Ihr Einsatz glückte in Deutschland, da die von der Krise betroffenen Branchen eine hohe interne Flexibilität aufwiesen", erklärt Studienautorin Ulrike Stein vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung.

Keine Rettung für Italien

Italiens Ausgangslage ähnelte der deutschen sehr: In beiden Ländern ging die globale Nachfrage 2009 vergleichbar stark zurück. Beide Länder verzeichneten vor der Krise eine Arbeitslosenquote von rund 7,8 Prozent und besaßen bereits Erfahrung mit Kurzarbeit in Rezessionsphasen, um Beschäftigte in Unternehmen zu halten. Doch nur in Deutschland gelang es, Jobverluste abzufedern und ab 2010 die Beschäftigung wieder steigen zu lassen. In Italien war das Gegenteil der Fall. Bis heute ist keine nachhaltige Erholung in Sicht.

Knackpunkt sind die Rahmenbedingungen, zeigt Steins Analyse. Die deutsche Bundesregierung verließ sich nicht nur auf Arbeitsmarktpolitik, sondern bremste den Nachfragerückgang durch Konjunkturprogramme ab, was in Italien mit Hinweis auf die hohe Verschuldung verabsäumt wurde.

Die deutschen Betriebe waren zudem etwa durch Arbeitszeitkonten und Reduktion der Überstunden durch die Arbeitnehmer weitaus flexibler. Damit wurde die Kurzarbeit weniger intensiv eingesetzt und drei Mio. Jobs blieben erhalten.

Effektiv dank Mitbestimmung

Stein betont die wichtige Rolle der Gewerkschaften. "Erst durch die Mitbestimmung der Arbeitnehmer wurde die Kurzarbeit im verlässlichen Rahmen entwickelt. Gemeinsam mit den Sozialpartnern konnten die Arbeitgeber dadurch die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten an die Auftragslage anpassen, während Entlassungen ausblieben. In Italien gibt es keine Mitbestimmung", so die Expertin.

Deutschlands Glück sei allerdings auch gewesen, dass die Krise just die gewerkschaftlich stark vernetzte Exportbranche betraf. "In Branchen mit viel Leiharbeit oder atypischen Arbeitsbeziehungen hätte das Konzept sicher nicht funktioniert."

In Deutschland waren im Mai 2009 über 1,5 Mio. Beschäftigte in Kurzarbeit. Die meisten reduzierten die Wochenstunden jedoch bloß um bis zu 25 Prozent, nicht einmal jeder zehnte auf weniger als die Hälfte der üblichen Arbeitszeit.

In Italien, wo die Mehrheit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wechselten zu Krisenbeginn viele in "Kurzarbeit Null", waren also de facto arbeitslos. 

"Gerade sie tauchten später in den Arbeitslosenstatistiken auf, als die Wirtschaftskrise andauerte und ihr Kurzarbeitergeld auslief", erklärt Stein.

Erneute Kurzarbeit möglich

Die Ergebnisse könnten allerdings auch für Deutschland schon bald wieder relevant werden: Bei Thyssen-Krupp droht in Duisburg, der Westfahlenhütte und anderen Standorten für einen Teil der Mitarbeiter erneut Kurzarbeit ab August oder September, wurde in der vergangenen Woche bekannt.

(Redaktion)


 


 

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