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Zuwanderern bleiben die Führungspositionen verwehrt

2012 kamen so viele Zuwanderer nach Deutschland wie zuletzt 1995. Der Bildungsgrad dieser Immigranten ist sehr hoch und liegt mittlerweile sogar über dem deutschen Durchschnitt. Dennoch bleiben ihnen die Führungspositionen in vielen Unternehmen verwehrt. China-Experte Tobias Busch sagt im business-on.de-Gespräch, viele Deutsche haben noch das Bild von Gastarbeitern, Asylanten und Russlanddeutschen im Kopf. Junge Migranten aus Europa und China wollen aber keine Hilfe, sondern gefordert werden.

Mit den Gastarbeitern aus den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben die heutigen Immigranten nicht mehr viel zu tun. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung liegt der Bildungsgrad der Zuwanderer heute höher als der deutsche Durchschnitt. business-on.de sprach mit China-Experte Tobias Busch über die sich daraus ergebenden Chancen für Unternehmen und Immigranten.

„Es hat in Deutschland einen regelrechten Umschwung zum Thema Zuwanderung gegeben“, sagt Tobias Busch, China-Experte und Geschäftsführer der Personalberatung Personalglobal. „Weil die Politik und viele Meinungsführer sich seit einigen Jahren positiv äußern, hat sich das Klima erheblich verbessert und wir sind bei der Zuwanderung von Fachkräften auf gutem Wege.“

43 Prozent der Zuwanderer zwischen 15 und 65 Jahren haben einen Meisterbrief, Hochschul- oder Technikerabschluss. Bei der deutschen Stammbevölkerung liegt der Durchschnitt bei 26 Prozent. So das Ergebnis einer aktuellen Studie des Arbeitsmarktforschers Herbert Brücker im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Vor allem die anhaltende Euro-Krise und die hohe Arbeitslosigkeit im südlichen Europa locken immer mehr Menschen nach Deutschland, das sich nach wie vor wirtschaftlich gut positioniert. Laut Statistischem Amt kamen 2012 mehr als eine halbe Million Zuwanderer nach Deutschland. So viele wie zuletzt 1995.

Fehlende Aufstiegschancen

Viele dieser Zuwanderer sind hochqualifiziert. Sie wollen keine einfachen Arbeiten verrichten wie die Immigranten der 1960er und 1970er, sondern suchen nach anspruchsvollen Aufgaben als Fach- und Führungskräfte. Inklusive der damit verbundenen Aufstiegschancen.

Nanhui Qi, Verfahrensingenieur in der Solarbranche, ist einer dieser neuen Immigranten. Der top ausgebildete 35-Jährige kommt aus China und ist nach eigenen Aussagen gut integriert. Er hat privat wie beruflich viel Kontakt mit Deutschen. Dennoch findet er es immer noch schwer, eine enge, freundschaftliche Beziehung aufzubauen.

„Ich will nicht sagen, dass Deutsche Ausländer nicht mögen oder ausgrenzen. Es liegt eher an der deutschen Kultur selbst, die in sich recht verschlossen ist und in die man sich schwer integrieren kann.“, mutmaßt Qi. „Ein Grund könnte sein, dass Deutsche an sich relativ kleine Freundeskreise haben. Selbst für Deutsche ist es nicht einfach, enge Kontakte aufzubauen.“

In dieser Eigenart der Deutschen könnte auch die fehlende Willkommenskultur begründet sein, die von vielen Experten bemängelt wird. Während man sich in anderen Nationen aktiv um die Zuwanderer bemüht, fällt die Begrüßung, das Willkommen-heißen in Deutschland eher dürftig aus. Ebenso wie die beruflichen Aussichten.

Internationalisierung der Führungskräfte

„Die Unternehmen sollten die zuwandernden Fachkräfte nicht nur als Arbeitskräfte schätzen, sondern auch als potentielle Führungskräfte.“, sagt Tobias Busch und bemängelt die schlechten Aufstiegschancen der Immigranten. „Dabei herrscht bei der Internationalisierung der Führungskräfte in Deutschland ohnehin Nachholbedarf. Und hier sollten wir schnell sein, denn besonders die Jungen sind häufig mobil und sehen sich als internationale Bürger. Sie erwarten zurecht einigermaßen gleiche Entwicklungschancen im Beruf – und wenn diese nachhaltig ausbleiben sollten, werden sie nicht allzu lange in Deutschland bleiben.“

Grundsätzlich lerne man laut Busch in Deutschland sowieso erst jetzt, was in Amerika und Australien schon längst praktiziert wird: Nämlich, dass es viele gut ausgebildete Zuwanderer gibt, die sowohl für Wirtschaft als auch die gesellschaftliche Entwicklung eine große Chance darstellen.

„Die Zuwanderer haben Mut und Energie bewiesen und wollen etwas erreichen - deshalb haben sie sich auf einen manchmal sehr beschwerlichen Weg gemacht. Das deutsche Zuwandererbild ist allerdings immer noch geprägt von der Gastarbeiteranwerbung der 60er und 70er Jahre und dem damit verbundenen Familiennachzug: dort hat man ja aber gewollt und bewusst um wenig ausgebildete Menschen geworben.“, gibt Busch zu bedenken.

Dies hat sich nun erwiesenermaßen geändert: Viele der heutigen Zuwanderer sind hochqualifiziert. Ein großes Potential, das deutsche Unternehmen gerade im Bezug auf den sich zuspitzenden Fachkräftemangel, erkennen und nutzen sollten.

(Redaktion)


 


 

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