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Krim-Krise

Braucht Russland den Westen nicht mehr?

Zusammen mit einer großen Delegation reist der russische Staatschef Wladimir Putin nach China. Dort will er mit Präsident Xi Jinping über Gasexporte verhandeln. Durch die Hinwendung zu Asien könnte Russland in Zukunft unabhängiger von Europa werden.

Das Ende einer langen Reise?

Schon seit zehn Jahren kämpfen die Russen um einen großen Gas-Deal mit den Chinesen. Nun könnte es endlich soweit sein. Auf seinem China-Besuch will Wladimir Putin Nägel mit Köpfen machen. Wie der russistische Energieminister Alexander Nowak erst kürzlich im Gespräch mit der „Welt“ mitteilte, stehe man kurz vor einem endgültigen Vertragsschluss.

Für die Russen wäre der Deal ein großer symbolischer Schritt, mit dem man dem Westen klarmachen könnte, dass man sich genauso gut Asien zuwenden könnte. Auf diese Weise verlören westliche Sanktionen in Zusammenhang mit der Ukraine-Krise einen Teil ihrer Wirkung.

Miller persönlich in Peking

Gazprom-Chef Alexej Miller reiste bereits am vergangenen Sonntag nach Peking, um Randbedingungen auszuhandeln. Pro Jahr sollen 38 Milliarden Kubikmeter Gas nach China exportiert werden. Das entspricht etwa 40 Prozent des jährlichen Verbrauchs Deutschlands. Unklarheiten gibt es noch bezüglich des Basispreises. Es ist bereits seit Längerem klar, dass China nicht denselben Preis wie Europa zahlen werde, wo Gazprom drei Viertel seines Umsatzes erwirtschaftet (380 Dollar je 1.000 Kubikmeter). Durch den Zwiespalt mit Europa ist Russlands Verhandlungsposition in Peking zudem schwächer geworden.

Ersatz für Europa?

Es ist offensichtlich, dass Russland sich mit der Hinwendung zu China unabhängiger von Europa machen will. Experten halten es allerdings für illusorisch, China als gleichwertige Alternative zu verstehen. Wladimir Zujew, Professor für Handel an Higher School of Economics in Moskau weist in diesem Zusammenhang auf die „beschränkten Entwicklungsmöglichkeiten“ hin.

China sei nur in der Lage, einen kleinen Teil des europäischen Imports zu ersetzen. Auch fehle es noch an Infrastruktur. In den letzten Jahren verdoppelte sich der Handel zwischen Russland und China dennoch auf 89 Milliarden Euro. Damit ist China der größte Handelspartner Russlands (noch vor Deutschland). Trotz allem handelt die EU 5mal mehr mit Russland als China. Über die Hälfte des internationalen russischen Handels läuft über die Union. Wie Putin im Gespräch mit den chinesischen Medien betonte, wolle man den Handel mit China bis 2015 auf 100 Milliarden Dollar erhöhen, bis 2020 auf 200.

(Marco Heinrich)


 


 

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