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Solo-Selbstständigkeit

Offener Brief von Ehrenfried Conta Gromberg an DGB-Chef Reiner Hoffmann

Der engagierte Solopreneur und Erfolgsautor antwortet auf ein Statement des Gewerkschafters in der Tagesschau und mahnt eine diskriminierungsfreie und objektive Sprache an.

Veröffentlichung des Beitrages der Webseite http://www.smartbusinessconcepts.de/hauptartikel/soloselbststaendigkeit/ mit freundlicher Genehmigung von Ehrenfried Conta Gromberg:

Am Donnerstag (04.06.2015) gab es in der Tagesschau eine kurze Zusammenfassung der “Konferenz zur Digitalisierung der Arbeit”. Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften trafen sich auf Schloss Meseberg in Brandenburg.

Quelle: ARD Tagesschau 04.06.2015 ab 20:12 Uhr / tagesschau.de / Video & Audios
Zukunftsgespräch: Regierung und Wirtschaft beraten über digitale Arbeit.
Konferenz zur Digitalisierung der Arbeit

Die Ergebnisse der Konferenz sollen in das Konzept “Arbeiten 4.0″ der Bundesregierung einfließen. In der Zusammenfassung der Tagesschau fielen dann Sätze, die uns aufhorchen ließen.

Arbeit wird immer weniger an Ort und Zeit gebunden sein.

Dem stimmen wir uneingeschränkt zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Veränderung und folgerte (sinngemäß): “Wir brauchen Veränderungen, brauchen aber auch einen Rahmen, den die Sozialpartner setzen.” Wir haben kein Problem, wenn sich Sozialpartner (in diesem Fall Wirtschaft und Gewerkschaften) treffen und miteinander reden. Stutzig werden wir, wenn Industrie und Gewerkschaft in einem Gebiet einen Rahmen setzen wollen, in dem sich auch freie Selbstständige bewegen und dann eine Sprache gebrauchen, die die neuen Gebiete unreflektiert vermischt.

Das passierte in dem kurzen Statement von Reiner Hoffmann, dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB):

“Im Kontext von Digitalisierung, Industrie 4.0 oder Smart-Services erleben wir gerade das massenhaft neue sogenannte Soloselbstständigkeit oder Scheinselbstständigkeit entsteht. Hier brauchen wir neue Grenzen um Entgrenzung auf dem Arbeitsmarkt zu verhindern.”

Da wir viel mit Soloselbstständigen und Solopreneuren arbeiten, selbst Solopreneure sind und daher die Sololebenswelt kennen, können wir das so nicht stehen lassen.

Als Form haben wir einen offenen Brief an Herrn Hoffmann gewählt.


Offener Brief an Reiner Hoffmann

Lieber Herr Hoffmann,

Sie haben in meinen Augen in Ihrem Statement am 04.06. über Soloselbstständigkeit mit Ihrem Sprachgebrauch einiges durcheinandergeworfen.

Zunächst einmal kann ich es verstehen, wenn Sie sich Gedanken machen, wie Arbeitsplätze für Angestellte erhalten bleiben. Das ist Ihre Aufgabe als Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Sie möchten, dass Grenzen eingehalten werden, auch das kann ich nachvollziehen.

Was ich nicht verstehen kann, ist Ihr sprachlicher Angriff auf Menschen, die selbstständig sind. Indem Sie durch Ihren Sprachgebrauch “sogenannte Soloselbstständigkeit” eine ganze Schicht abwerten und unterstellen, dass jeder Soloselbstständige ein Scheinselbstständiger ist, leisten Sie der freien Arbeitskultur in Deutschland einen Bärendienst.

Soloselbstständigkeit und Solopreneurship sind neue Bewegungen. Die Solopreneure, die wir kennen und begleiten, kommen aus ganz anderen Umfeldern, als Sie unterstellen.

Von daher kurz drei Punkte, die wichtig sind, obwohl Sie streng genommen nicht über uns und die Solopreneure gesprochen haben, die wir kennen. Zumindest hoffen wir das.


A – Sie erzeugen eine Atmosphäre der Unterstellungen

Es mag sein, dass Sie Menschen kennen, die nicht selbstständig sein wollen. Bitte übertragen Sie diese Ängste nicht auf alle, die seit Jahren als Selbstständige oder Solopreneure arbeiten und für die dies die beste Arbeitsform ist, die sie sich vorstellen können.

Es mag sein, dass Sie Arbeitgeber kennen, die andere Menschen drangsalieren. Bitte übertragen Sie dies nicht auf die vielen tollen Kollegen und Firmen mit denen wir die letzten 22 Jahre gearbeitet haben. Wir arbeiten MIT anderen, nicht gegen diese Sozialpartner.

Wir haben kein Interesse daran, dass in unserem Land – das bereits an vielen Stellen überreguliert ist – weitere Druckkulissen für Menschen aufgebaut werden, die ihren Weg alleine gehen.


B – Sie tragen zu einem schwammigen Bild bei

Mit einer pauschalen Vorwurfs-Sprache zeichnen Sie ein Angstbild, dass Menschen von der Selbstständigkeit abhält. Wollen Sie das erreichen? Wir wünschen uns ein Land, in dem Eigenverantwortung groß geschrieben wird und Menschen mit den neuen Möglichkeiten souverän umgehen. Wir wünschen uns MEHR smarte Unternehmer. Indem Sie Begriffe wie Scheinselbstständigkeit und Soloselbstständigkeit vermischen, entwerten Sie den Begriff “Selbstständigkeit”, der das Fundament der unternehmerischen Tätigkeit ist und gebrauchen Fachsprache sehr willkürlich.

Wen meinen Sie mit Soloselbstständigkeit?

Freelancer (joborientierte Selbstständige) oder Solopreneure (prozessorientierte Selbstständige) oder die vielen Entrepreneure, die dezentral mit smarten Teams arbeiten?

Wer über die neuen Arbeitsplätze in der digitalen Welt spricht, sollte mit denen sprechen, die so arbeiten. Freiwillig so arbeiten. Es mag sein, dass Festangestellte, die remote arbeiten, in Ihre Zuständigkeit fallen. Und es mag sein, dass es Menschen gibt, die rausgeworfen wurden, die eigentlich lieber in einem Firmengebäude arbeiten. Es mag sein, dass Sie den Auftrag haben für diese Menschen zu sprechen.

Alle anderen – uns eingeschlossen – arbeiten da draußen frei. Und wir tun das gerne. Wir wollen keinen Rahmen, der uns sagt, was wir tun dürfen.


C – Sie gebrauchen das Wort der “Entgrenzung”

Sie unterstellen, dass freies Arbeiten von zu Hause oder unterwegs zu einer Vermischung von Privat und Beruf führt und dies NEGATIV ist. Haben Sie schon einmal mit jemanden gesprochen, der es ausgesprochen vorzieht, seinen Mittagsschlaf im eigenen Bett zu machen?

Auch hier gilt: Es mag sein, dass es Erwerbstätigkeiten gibt, bei denen man den Arbeitgeber nicht per Remote-Leitung im eigenen Haus haben will. Das ist aber NICHT die Situation der Soloselbstständigen. Schon gar nicht der Solopreneure, für die wir sprechen.

Und das gilt nicht nur für die Soloselbstständigkeit. Interessant ist (Quelle: brandeins Heft 06 Juni 2015, S. 58), dass Developer, so bald sie zu den Spitzendevelopern gehören, sehr häufig ein Homeoffice als Bedingung diktieren, bevor sie einen Vertrag unterschreiben. Sie tun das, weil sie lieber in einer privaten Umgebung arbeiten wollen.


Diese drei Punkte führen dazu, dass wir Sie bitten, in Zukunft Ihre Sprache mit Bedacht zu wählen und nicht ganze Berufsstände abzuwerten. Ich respektiere es, wenn Sie für Angestellte eine Lanze brechen, sprechen Sie aber bitte eine saubere Sprache, die uns Selbstständigen und insbesondere die Solopreneure nicht diskriminiert und unseren Wünschen gerecht wird.

Selbstständig zu werden, ist die Grundlage alles wirtschaftlichen Handelns. In Deutschland sinkt die Zahl der Firmengründungen seit Jahren. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stehen wir schlecht da. Wenn wir das ändern wollen, dann sollten wir Bilder malen, die der neuen digitalen Freiheit entsprechen.

Ihr

Ehrenfried Conta Gromberg

(Redaktion)


 


 

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