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Werbungskosten

Arbeitszimmer: Gesetzesänderung bringt in vielen Fällen jetzt Steuererstattungen

Über das jüngst in Kraft getretene Jahressteuergesetz 2010 wurde unter anderem auch die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt, wonach die seit 2007 geltende Neuregelung beim häuslichen Arbeitszimmer insoweit gegen den allgemeinen Gleichheitssatz verstößt, als die Aufwendungen auch dann von der steuerlichen Berücksichtigung ausgeschlossen sind, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Daher kommt es nun dazu, dass der Abzug von Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer bis zur Höhe von 1.250 Euro im Jahr rückwirkend ab 2007 zugelassen wird, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Hiervon profitieren insbesondere Lehrer, Dozenten, Handelsvertreter und sonstige Außendienstmitarbeiter.

Generell lässt sich die neue Rechtslage für die anstehende Einkommensteuererklärung 2010 nutzen. Ob es hingegen eine Rückzahlung für die Jahre 2007 bis 2009 gibt, hängt davon ab, ob der Steuerfall derzeit noch offen ist. Denn die Neuregelung greift nicht mehr für Sachverhalte, bei denen schon ein bestandskräftiger Bescheid vorliegt. Das BMF erläutert mit Schreiben vom 15.12.2010, wie die Finanzbeamten seit Anfang 2011 in der Praxis vorgehen und wie die verschiedenen Konstellationen zu behandeln sind (Az. IV A 3 – S 0338/07/10010-03). Dabei ist zwischen folgenden Sachverhalten zu unterschieden:

  1. Die Einkommensteuerbescheide waren hinsichtlich der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer vom Finanzamt vorläufig festgesetzt und es handelt sich um den Fall des fehlenden anderen Arbeitsplatzes. Diese noch offenen Einkommensteuerbescheide werden jetzt geändert und insoweit für endgültig erklärt. Hierzu müssen allerdings gegenüber dem Finanzamt die Aufwendungen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht worden sein. Sofern noch nicht geschehen, sollte dies zügig nachgeholt werden.
  2. Es sind derzeit überhaupt noch keine Steuerbescheide für die Jahre 2007 bis 2009 ergangen. Die ab jetzt erstmals ergehenden Bescheide ab 2007 erhalten hinsichtlich des Arbeitszimmers keinen Vorläufigkeitsvermerk mehr und nachgewiesene Kosten werden bis 1.250 Euro berücksichtigt, sofern für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht und entsprechende Aufwendungen nachgewiesen werden.
  3. Der Bescheid ist zwar noch offen, der Arbeitnehmer verfügt aber über einen anderen Arbeitsplatz und kann somit weiterhin keine Kosten geltend machen. In diesem Fall werden die Steuerbescheide vom Finanzamt nur dann für endgültig erklärt, wenn Arbeitnehmer dies konkret beantragen oder der Bescheid ohnehin aus anderen Gründen zu ändern ist. Bis dahin bleiben diese Bescheide bis zur Verjährung offen und eine spätere Änderung ist immer noch möglich. Das wäre zum Beispiel denkbar, wenn die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer aufgrund aktueller Rechtsprechung wider Erwarten doch noch geltend gemacht werden könnten.
  4. Es liegt ein endgültiger Bescheid vor, in dem aber keine Aufwendungen für das heimische Büro ohne einen anderen Arbeitsplatz berücksichtigt worden waren. Dies kann nur innerhalb der einmonatigen Einspruchsfrist nachgeholt werden und ansonsten profitieren Berufstätige erst für die Zukunft von der gesetzlichen Neuregelung.
  5. Soweit mit Einsprüchen gegen Einkommensteuerbescheide ab 2007 geltend gemacht wird, die Regelungen zur Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer seien verfassungswidrig, besteht kein Anlass mehr, diese Einspruchsverfahren insoweit ruhen zu lassen.
  6. Eine gewährte Aussetzung der Vollziehung ist zu widerrufen, wenn die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer auch nach neuer Rechtslage nicht abziehbar sind. Das kann Aussetzungszinsen zur Folge haben.
  7. Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung sind ab 2007 in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar, wenn das Büro den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet. In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen nicht auf 1.250 Euro begrenzt. Insoweit hat sich durch die gesetzliche Neuregelung nichts verändert.

(!) Die Neuregelung über das Jahressteuergesetz 2010 geht allerdings nicht über die Forderungen des Bundesverfassungsgerichts hinaus. Daher entfällt der Abzug von Werbungskosten weiterhin, wenn das häusliche Arbeitszimmer zwar zu mehr als 50 Prozent der gesamten Tätigkeit beruflich genutzt wird, es aber nicht den qualitativen Schwerpunkt darstellt, also etwa bei Arbeiten nach Feierabend und am Wochenende vom heimischen Büro aus.

(VSRW-Verlag)


 


 

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