18.01.2012  19:00 Uhr

Studie
Frauenquote nur eine Fußnote

Deutschland. Zu den Aufgaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin gehört unter anderem die anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Der aktuelle Wochenbericht des renommierten Instituts befasst sich mit dem Managerinnen-Barometer.

Nun informiert ein Barometer als Messinstrument ja in erster Linie über das Wetter. Der Blick aufs Barometer des DIW will in etwa folgendes sagen: Hagel, Eisregen, orkanartige Böen, alles zusammen gut gemischt, hier ist keine Spur von Schönwetter. Denn die Quintessenz der Studie ist, dass alle erdenklichen Maßnahmen, Frauen in Spitzenpositionen zu bringen, bisher zumindest nicht nennenswert gegriffen haben.

Tote Quote sozusagen. „Frauen sind an den maßgeblichen wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen in großen Unternehmen Deutschlands weiterhin kaum beteiligt.“ In den Vorständen der deutschen Top-200-Unternehmen sitzen nur die Prozent Frauen. Im Lager der Aufsichtsräte war ihr Anteil mit 11,9 Prozent fast viermal höher. Dies ist allerdings allein der Tatsache geschuldet, dass zwei Drittel Vertreterinnen aus den Reihen der Arbeitnehmerschaft kam.

Europaweit haben Schweden und Finnland den höchsten Frauenanteil in den Entscheidungsgremien börsennotierter Unternehmen. In beiden skandinavischen Staaten liegt ihr Anteil bei über 20 Prozent. Noch besser steht Nicht-EU-Mitglied Norwegen mit knapp 40 Prozent Frauenanteil da.

Zwischen dem, was politisch und auch von der Gesellschaft gewollt ist und dem realen Geschehen liegen also Welten. Aber das DIW weiß Bescheid und nennt fünf Schritte, um die Situation zu verbessern. „Die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen sollte als ein zentrales Unternehmensziel verankert werden… Zur Erreichung des Ziels sollte ein verbindlicher Zeitfahrplan mit konkreten Ziel- und Zeitgrößen sowie Verantwortlichkeiten und Sanktionen erstellt werden.“

Weiterhin sieht das Institut die Transparenz bei der Besetzung von Führungspositionen, ihre Karriereförderung sowie die Öffnung der Unternehmenskultur für Frauen und deren Lebenswirklichkeiten als bedeutend an. 97 Prozent Männeranteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen lassen die Macher der Studie zu der Aussicht gelangen, dass rasche Fortschritte klar definierte zeitliche Ziele und entschlossenes Handeln verlangen. Notiz am Rande: der dreiköpfige Vorstand des DIW ist rein männlich besetzt.


 

(FN)

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