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Atelier Brückner revolutioniert mit neuen Ausstellungskonzeptionen die Museumslandschaft

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Mit der Titanic begann 1997 der Aufstieg des Atelier Brückner aus Stuttgart, das heute zu den weltweit führenden Unternehmen gehört, wenn es darum geht, Ausstellungen, neue Museen oder Messestände zu inszenieren. Szenografie heißt das Zauberwort, das Brückner für die Ausstellungsarchitektur geprägt hat.

Als Uwe R. Brückner damals als freier Architekt und Bühnenbildner in der Hamburger Speicherstadt die Ausstellung zum Untergang des legendären Ozeanriesen konzipierte, gelang ihm ein spektakulärer Coup, der in der Museumslandschaft viel Staub aufwirbelte. Statt langweilig aufgereihter Vitrinen zeigte er die geborgenen Artefakte in einem Ambiente, das die Historie neu erlebbar machte, unterlegt mit authentischen Geräuschen, Interviews und einer eigens für die Ausstellung komponierten Musik sowie Filme des Wracks und dessen Bergung. „Es war ein Parcours der Emotionen, der den Besucher führt, ihm aber auch Freiräume lässt”, so Brückner. „Wir haben damit auch Zielgruppen angesprochen, die sonst nicht zu den Museumsgängern gehören.”

Der Riesenerfolg der Ausstellung führte 1998 zur Gründung des Stuttgarter Unternehmens, für das mittlerweile 70 Mitarbeiter international tätig sind. „Unseren heutigen Ruf haben wir zusätzlich mit der Gestaltung mehrerer Expo-Pavillons begründet”, sagt Brückner. Ganz aktuell ist eine Ausstellung, die in Rom eröffnet wurde. Hier erzählen kleine Objekte große Geschichte. Aus Anlass der 150-jährigen Staatsgründung Italiens präsentiert die italienische Zentralbank Banca d‘Italia die glanzvolle Jubiläumsschau „La moneta dell‘Italia unita“. Wertvolle Münzen, Medaillen und Banknoten aus vergangenen Jahrhunderten erhalten hier ihren großen Auftritt, aber auch die aktuelle Währung, der Euro, wurde einbezogen und in seiner Bedeutung für Italien vorgestellt. 

Szenografische Gesamtkunstwerke

Szenografie heißt das Zauberwort, das Brückner für die Ausstellungsarchitektur geprägt und propagiert hat und das mittlerweile als Studienfach an einigen Universitäten europaweit angeboten wird. Uwe R. Brückner selbst ist Gründungsmitglied des Instituts für räumliches und szenografisches Gestalten an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Basel. Dort unterrichtet er als Professor dramaturgische Strukturen in der Ausstellungsgestaltung und deren kreative Umsetzung. Er gehört er zu den Initiatoren einer Gestaltungslehre, die durch ihre Zusammensetzung aus vier verschiedenen Professionen (Architektur, Innenarchitektur, Design und Bühnenbild) besteht.

„Das Zusammenspiel zwischen Form und Inhalt wird mit den Gestaltungselementen Raum, Grafik, Licht und unterschiedlichsten Medien erreicht“, erklärt Brückner, der das Atelier gemeinsam mit seiner Frau Shirin Frangoul-Brückner als Geschäftsführerin sowie den beiden Partnern Eberhard Schlag und Britta Nagel leitet. „Wir übersetzen komplexe Inhalte in Rauminstallatio-nen und entwerfen ein szenografisches Gesamtkunstwerk“, erläutert er. Ein Museum, eine Sonderausstellung, ein Messestand oder eine Bühneninszenierung verstehen die Macher des Ateliers als Kompositionen, in denen eine Idee oder eine Geschichte verpackt wird. Im Atelier selbst finden sich Hunderte von Modellen und Skizzen, die nachvollziehen lassen, wie viel Detailarbeit in jedem dieser Werke stecken.

Die Liste der Auftraggeber und Projekte ist lang und reicht von der Gestaltung der BMW-Welt in München über das Museum für Kommunikation in Frankfurt bis zur Dauerausstellung des CERN in Genf sowie zahlreichen Beteiligungen an Welt-Expos und anderen Ausstellungen. Ebenso gehören das Besucherzentrum des Europäischen Parlaments in Brüssel sowie die Neugestaltung des Handelssaals der Deutschen Börse dazu. Das Frankfurter Parkett ist das Schaufenster des deutschen Börsenhandels und dessen visuelle Visitenkarte. „Präzise, gezielte Eingriffe, die Innenarchitektur, Lichtkonzept und Branding betreffen, tragen – bei Beibehaltung des Wiederer-kennungswertes – zur zeitgemäßen, nutzerfreundlichen Ausstrahlung bei”, erläutert Brückner das Konzept. „Es war entscheidend, die Deutsche Börse als Marke visuell zu positionieren.”

Derzeit entwickelt ein Team für die Stadt Berchtesgaden das „Haus der Berge“, ein begehbares Landschaftspanorama. Zum Leitmotiv der Ausstellung wählten die Ausstellungsgestalter die längste Senkrechte der Ostalpen, eine 2.300 Meter hoch gedachte Linie vom Grund des Königsees bis zum Gipfel des Watzmanns. Das begehbare, interaktive Landschaftspanorama soll, so der Wettbewerbsentwurf, den Besucher durch vier alpine Lebensräume füh-ren: Wasser und Tal, Wald und Tier, Almen und alpine Matten sowie Fels und Luft. Darin verwoben ist eine Zeitreise von der Entstehung des Gebirges bis zu den Folgen der Klimaerwärmung.

Die meisten Projekte des Ateliers werden über einen Wettbewerb gewonnen. Brückner betreut diese intensive Entwurfsphase, wenn in kürzester Zeit ein präsentables Konzept auf die Beine gestellt werden muss, das auch optisch überzeugt – Stress pur für die Mitarbeiter. Dramaturgie und Choreografie sind für ihn Schlüsselbegriffe. Auch im Anschluss überblickt er alle Projekte, die von Projektleitern weltweit vor Ort umgesetzt werden. Mehrere hundert Handreichungen entstehen für jedes Projekt. „Wir nutzen unterschiedlichste Medien, um Inhalte spannend umzusetzen, Atmosphären entstehen zu lassen und Raumbilder zu entwickeln, die einer Dramaturgie folgen und die Besucher entlang eines roten Fadens in eine Geschichte zu entführen, das ist die Dimension von Szenografie”, so Brückner. Das berühmte Design-Zitat „Form follows function“ wandelte Brückner um in „Form follows content“ – räumliches Gestalten unter szenografischen Gesichtspunkten. „Dafür bin ich anfangs viel gescholten worden”, erzählt Uwe Brückner. „Aber es ist tragend. Insgesamt haben wir bei rund 240 Wettbewerben mitgemacht und davon mehr als 80 gewonnen – ein sehr guter Schnitt.“

Erfolg auf der ganzen Welt

Die Preise und Auszeichnungen des Ateliers lassen sich mittlerweile kaum noch zählen. Erst im vergangenen Jahr erhielt das kreative Unternehmen aus der Region Stuttgart den iF communication design award in Gold für herausragende Designleistungen. Ausgezeichnet wurde das „Begehbare Musterbucharchiv“ im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg. Es rückt eine historische Musterbuchsammlung des Museums ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die sonst in 550 Büchern aus drei Jahrhunderten verborgen ist. Der iF award ist nicht die erste Auszeichnung für die im Januar 2010 er-öffnete Dauerausstellung. Sie konnte bereits bei den Cannes Lions und dem Annual Multimedia punkten. Zudem gewann das „Begehbare Musterbucharchiv“ im Jahr 2010 den silbernen Nagel des Art Directors Club (ADC).

Elf verschiedene Berufe und 14 Nationalitäten finden sich unter den rund 70 Mitarbeitern im Atelier Brückner. International sind nicht nur die Aufträge. Die Projekte laufen in Englisch und der Sprache des jeweiligen Auftraggebers. Derzeit ist das Stuttgarter Unternehmen mit mehreren Projekten in Saudi-Arabien und Korea präsent. Für Saudi-Arabien entwickelt Atelier Brückner im King Abdulaziz Center in Dhahran derzeit das Museum „!Arabian Journey“, das eine multimediale Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des arabischen Landes bieten wird.

Die Atelier Brückner GmbH wurde im Jahr 1998 gegründet und hat ihren Sitz in Stuttgart, inzwischen arbeiten dort 70 Mitarbeiter. 

Weitere Informationen: Das Buch „Scenography – Making spaces talk“, erschienen bei AV Edition, zeigt eine Werkschau des Atelier Brückner aus den Jahren 2002 bis 2010. ISBN: 978-3-89986-136-5, 59,90 Euro.

(Redaktion)



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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2 © Michael Jungblut / Atelier Brückner GmbH
Bild Nr. 3 © Atelier Brückner GmbH


 

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