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Agrar/Bauerntag

Bauernpräsident Sonnleitner mit mehr als 97 Prozent wiedergewählt - Politprominenz in Stuttgart

Mit einem überraschend hohen Ergebnis ist der deutsche Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in seinem Amt bestätigt worden. Bei seiner Wiederwahl auf dem Deutschen Bauerntag am Mittwoch (01.07.2009) in Stuttgart erzielte Sonnleitner 97,3 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht. Sonnleitner steht seit 1997 an der Spitze des Deutschen Bauernverbandes.

Insgesamt gaben 543 Delegierte ihre Stimme ab. Dabei gab es drei Enthaltungen und zwei ungültige Stimmen. 522 Delegierte stimmten mit Ja, 16 Delegierte verweigerten Sonnleitner die Gefolgschaft.

Vor dem Bauerntag war spekuliert worden, dass der Bauernpräsident vor dem Hintergrund der Milchkrise womöglich einen Dämpfer im Vergleich zu früheren Ergebnissen hinnehmen muss. Mit gut 97 Prozent fiel die Zustimmung aber sogar höher aus als bei der Wiederwahl vor drei Jahren. Damals hatte Sonnleitner ein Ergebnis von 94,7 Prozent erzielt.

Szenenwechsel: Hubert Hopp hat viele Sorgen. Der Bauer aus Meßkirch hat 100 Milchkühe im Stall stehen, die mehr verfuttern als sie ihm einbringen. Und die Kosten für Agrardiesel wachsen ihm über den Kopf. 53 000 Liter hat er davon im vergangenen Jahr verbraucht. «Sie können sich vorstellen, wie viel Geld das ist», beklagt sich der annähernd 60-Jährige. Zusammen mit Kollegen macht er vor der Stuttgarter Liederhalle beim Deutschen Bauerntag auf die Situation
der Landwirtschaft aufmerksam. Eine «Aufbruchstimmung» soll von der Versammlung ausgehen, wünscht sich Hopp. Schließlich kommt ja die
Bundeskanzlerin, von der sich die Bauern finanzielle Zusagen erhoffen.

In diesem Jahr reist die politische Prominenz besonders gerne zum Bauerntag. In wenigen Monaten ist Bundestagswahl, und die rund 380 000 Bauern in der Republik haben an der Urne durchaus politisches Gewicht, sind sie doch überdurchschnittlich wahlfreudig. Als Merkel gegen 13.30 Uhr in Stuttgart eintrifft, stellt sie sich bereitwillig mit dem frisch im Amt bestätigten Bauernpräsidenten Gerd Sonnleitner für ein Begrüßungsfoto vor einen Traktor. Rund 200 Landwirte demonstrieren mit Transparenten. «Ackern statt Akten - Weg mit der Bürokratie» haben sie darauf geschrieben. Der Kanzlerin zeugen die Bauern aber Respekt. Sie klatschen herzlich, als Merkel vorbeiläuft. Dann singen Sie «Steht auf, wenn ihr Bauern seit» - in Anlehnung an die Hymne «Go West» von den Pet Shop Boys.

Im Saal sorgt Merkel erst mal für Lacher, als sie Sonnleitners Wahlergebnis von 97,3 Prozent als «quasi sozialistisch» bewertet und den noch gar nicht anwesenden FDP-Chef und Wunsch-Koalitionspartner für die Zukunft, Guido Westerwelle, begrüßt. Als kleines Geschenk bringt Merkel den 1300 Delegierten das Versprechen mit, sich weiter für Entlastungen beim Agrardiesel einzusetzen. Die jüngst beschlossenen Erleichterungen sollen nicht auf zwei Jahre befristet bleiben, sondern möglichst auf Dauer gelten.

Inzwischen ist auch Westerwelle eingetroffen, um als Fürsprecher der Bauern Punkte zu machen. Wie Merkel ist auch er schon fast Stammgast beim Bauerntag. Und wie Merkel ist auch er ein geübter Wahlkämpfer. «Leistung muss sich wieder lohnen», ruft Westerwelle einen bekannten FDP-Slogan in den Saal. Und er hält ebenfalls nichts von der zeitlichen Befristung der Steuerentlastungen beim Agrardiesel. Dann spricht Westerwelle von seinem Ziel, den Mittelstand, zu dem er auch die Bauern zählt, stärker zu unterstützen. Nebenbei bekräftigt er seine Forderungen nach einem «einfachen und gerechten Steuersystem» und nach Bürokratieabbau. Letzteres kommentieren die Bauern mit stürmischem Applaus.

SPD-Chef Franz Müntefering darf da nicht fehlen. Die Wirtschaftskrise im Allgemeinen ist sein Thema. Anders als bei den Vorrednern scheint er aber die Bundestagswahl noch nicht fest im Blick zu haben. «Wir dürfen uns jetzt nicht verlieren in einem kleinkarierten Wahlkampf», sagt er mit Blick auf die prekäre
Situation vieler Unternehmen. Auch in den kommenden Monaten müsse
daran gearbeitet werden, die Krise zu bewältigen. Nur die Grünen waren nicht mit einem Redner vertreten. Es soll Komplikationen bei der Terminabsprache mit Renate Künast gegeben haben, heißt es beim Deutschen Bauernverband.

Vor dem Tagungsort wehen derweil einträchtig die Flaggen von Deutschland, Europa, Baden-Württemberg und Bauernverband. Die protestierenden Landwirte sind abgezogen. Nur ein großer, gelber Luftballon hoch über der Liederhalle macht noch auf ihre Forderungen aufmerksam. «Faire Preise fallen nicht vom Himmel», steht darauf geschrieben. Bauer Hopp ist längst im Saal, um dort die Diskussionen zu verfolgen. Die «jungen Leute» liegen ihm besonders am Herzen. «Die brauchen Zukunftsperspektiven», betont der Milchviehhalter. Sonst sterbe die deutsche Landwirtschaft ja irgendwann aus.

(Redaktion)


 


 

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