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Blindenfußball

Neue Gesichter bei den Blindenfußballern des MTV Stuttgart

Wenn am 15./16. Juli beim Rekordmeister MTV Stuttgart auf dem Blindenfußballfeld am Kräherwald der harte Rasselball wieder rollt, stellen sich zugleich ein paar noch unbekannte Gesichter vor. Die blinden MTV-Kicker haben nicht nur vier neue Mitspieler, sondern auch einen neuen Trainer. Business-on sprach mit dem 52-jährigen Giuseppe Calaciura über seinen Trainerjob und dessen Herausforderungen.

Herr Calacuira, seit dieser Saison trainieren Sie die Blindenfußballer des MTV, wie kamen Sie zu dieser Aufgabe?

Letzten Sommer bekam ich einen Anruf von Mulgheta Russom, dem Kapitän der Mannschaft. Er erzählte mir, dass sie einen neuen Trainer suchen, da der langjährige Trainer Ulrich Pfisterer kürzertreten und sich nur noch auf die Nationalmannschaft der Blindenfußballer konzentrieren wollte. Ich habe mir das Training der Jungs angeschaut und war sofort begeistert von Blindenfußball. Danach habe ich ein Probetraining nach meinen Vorstellungen durchgeführt. Nachdem ich gemerkt habe, dass die Spieler voll mitziehen, habe ich mich sehr schnell entschieden, den Trainerjob anzunehmen.

Was fasziniert Sie an Blindenfußball?

Mir imponiert, mit welch einer Sicherheit sich die Spieler trotz ihres Handicaps auf dem Feld bewegen, allen voran die drei sehr erfahrenen Nationalspieler Mulgheta Russom, Alexander Fangmann und Lukas Smirek. Und es macht Spaß zu sehen, welche Fortschritte die zu Jahresbeginn neu hinzugekommenen Spieler innerhalb kurzer Zeit machen. Das fängt an mit der Orientierung auf dem Platz und geht über sichere Ballführung bis hin zum erfolgreichen Torschuss.

Inwiefern unterscheidet sich das Training der Blindenfußballer von dem der Sehenden?

Im Blindenfußball läuft alles über die Akustik, was bedeutet, dass ich enge und sichere Ballführung nicht mithilfe der klassischen Hütchen üben lassen kann, sondern nur mit Personen, die durch lautes Zurufen dem jeweiligen Spieler Orientierung geben. Ich muss folglich auf alle üblichen Hilfsmittel verzichten und ausschließlich mit Mensch/Stimme arbeiten.

Was ist die größte Herausforderung für Sie als Trainer einer Blindenmannschaft?

Die Herausforderung liegt vor allem bei den neuen Spielern, die gerade erst mit Blindenfußball angefangen haben. Ihnen meine taktischen Vorstellungen so zu erklären, dass sie verstehen und sich vorstellen können, was ich will, erfordert meinerseits eine große Präzision in den Anweisungen und sehr viel Geduld.

Was macht Sie als Trainer aus?

Mir ist schon wichtig, dass wir diszipliniert sind, ordentlich trainieren und gute Spiele abliefern, aber ich übe keinen Druck auf die Spieler aus. Sie sollen Spaß an diesem Sport haben und das versuche ich ihnen immer zu vermitteln. Deshalb kritisiere ich auch nicht sofort bei Fehlpässen oder vergebenen Torchancen, was ich als Trainer von sehenden Spielern eher tun würde. Solange ich spüre, dass die Einstellung der Spieler stimmt, schlucke ich in mir aufsteigenden Unmut einfach runter.

Welche Chancen rechnen Sie sich für diese Saison in der Bundesliga mit dem Team aus?

Wenn wir am Wochenende unsere Spiele gegen Chemnitz, Schalke und Dortmund gewinnen, können wir es noch auf Tabellenplatz drei schaffen. Mehr ist diesmal nicht drin. Wir hatten zum einen Verletzungspech und zum anderen müssen sich die neuen Spieler erstmal an das hohe Tempo und anspruchsvolle Niveau der Bundesliga gewöhnen. Aber im nächsten Jahr greifen wir dann richtig an und wollen den Deutscher Meister-Titel zum sechsten Mal nach Stuttgart holen. 

(Patricia Leßnerkraus Freie Journalistin)


 


 

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