Sie sind hier: Startseite Stuttgart Aktuell Verlosung
Weitere Artikel
Buchtipp

Herzsprünge: Flucht nach Georgia

Diese Geschichte erzählt von Liebe, Tod, Verzweiflung und der Chance, aus Krisen Neues entstehen zu lassen. Wir alle mussten es schon erleben, das Schicksal ist ein geheimnisvoller Mitspieler. Es spielt nach seinen eigenen Regeln und überrascht uns daher immer wieder auf's Neue.

11. März 2008: Wie ein wütender Sturm rüttelt die Finanzkrise am Hochhaus des Superkapitalismus. Noch ahnt Sarina nicht, dass auch ihre heile Welt vom Zusammenbruch bedroht ist. Als der Journalist Lars Kramer Berlin verlässt, setzen sich schicksalshafte Ereignisse in Gang, die Sarinas Leben unmittelbar betreffen. Wenige Wochen später entdeckt sie, dass Tom, ihr Mann, sie betrügt. Für die Familienfrau mit Leib und Seele ein Schock. In ihrer Verzweiflung stürzt sie sich in eine Reise nach Georgia.
Eine Geschichte von Liebe, Tod, Verzweiflung und der Chance, aus Krisen Neues entstehen zu lassen.
Das Schicksal ist ein geheimnisvoller Mitspieler. Es spielt nach seinen eigenen Regeln.

Leseprobe 01

01 Familienleben

Noch bevor sie die vor ihr liegenden Aufgaben in Angriff nahm, fühlte sie sich bereits erschöpft. Einkaufen, kochen, bügeln – es türmten sich Berge von Wäsche im Wäschekorb auf – das rief in Sarina das Gefühl hervor, Hamster in einem Rad zu sein, das nie aufhörte, sich zu drehen.

Zudem lag heute noch die Begräbnisfeier von Ursula vor ihr. Die befreundete Nachbarin war mit achtunddreißig Jahren an Krebs verstorben. Sarina fand das furchtbar. Unheimlich, wie schnell sich das Leben ändern konnte, von einem Moment auf den anderen. Jedenfalls war es so bei Ursula gewesen. Sie ging unter die Dusche, tastete einen Knoten, und ihr bisheriges Leben hörte auf zu existieren. Was bis dahin selbstverständlich erschien, wurde zur Farce. An die Stelle scheinbar bedeutungsschwerer Lebensbereiche traten Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Das Hospiz in der Schweiz, in dem Ursula bei lebendigem Leib verfaulte, wie es hieß, beendete eine Krankheitskurzgeschichte, wie sie bitterer nicht ausgedacht werden konnte. Wenn sie an Ursulas Heimkehr im Sarg dachte, wurde es Sarina ganz schwer ums Herz. Ob ihr Tod wohl eine Erlösung gewesen ist? Ruhelos kreiste ihr diese Frage im Kopf herum.

Bekümmert sprang sie auf. Da war keine Zeit für Überlegungen. Sie musste in die Gänge kommen, sonst war der Vormittag vorüber und nichts erledigt.

Im Haus herrschte Totenstille. Doch das täuschte, wirklich ruhig war es in ihrem Leben nie. Sie stand einer flatterigen Familie vor, in der dauernd irgendetwas los war. Für einen Moment überfiel Sarina der Wunsch, von ihren vielen Verpflichtungen befreit zu sein. Sie hätte gerne mal abgeschaltet. Meine Umstände fixieren mich, dachte sie verzweifelt, wie Geschwüre, die man am Ende herausschneiden muss, damit man nicht an ihnen zugrunde geht.

Auf dem Weg in die Küche musste sie wieder an Ursula denken. Weg vom Fenster, raunte es in ihr. Entlassen, für immer entlassen. Einmal ist alles zu Ende. Uhren, die einrasten, Särge, die zuklappen. Und wie viel Träume hat man bis dahin zu Grabe getragen? Vermutlich eine Menge.

Marilena tapste in die Küche. Sie hatte sowohl ihre Schlafanzughose als auch ihr Oberteil hochgezogen, was witzig aussah. Das brachte Sarina zum Lachen. Mit einem Mal fiel alle Schwere von ihr ab. Sie fühlte sich erlöst. Der Dämpfer folgte prompt. Maulend verkündete ihre jüngste Tochter: »Ich muss mir einen Tampon einführen, aber Michael hält das Bad besetzt.« »Hast du denn keine Tampons in deinem Zimmer?«, fragte Sarina. »Nein hab ich nicht! Außerdem ist es ein Unding, dass er das Bad so lange in Beschlag nimmt.« Marilena meckerte noch eine Weile herum, dann verzog sie sich wieder. Sarina wusste nun, wer das Bad als nächstes blockieren würde. Statt sich darüber zu ärgern, beschloss sie, einen Obstsalat zuzubereiten.

Der Obstsalat war fertig und das Bad noch immer belegt. Fröstelnd zog sich Sarina ins Schlafzimmer zurück. Sie betrachtete sich im Spiegel. Ernst sah ihr Gesicht sie an. Um ihre vollen Lippen hatten sich Furchen eingegraben. Sie hob die Mundwinkel zu einem Lächeln. Ganz so tief sind sie doch nicht, es geht noch, tröstete sie sich. Das Leben hält sich eben nicht auf beim Gestern. Es drängt unentwegt vorwärts. Leben und Falten kriegen sind eins. Sie lauschte. Marilena ließ sich mit der Morgentoilette ebensoviel Zeit wie ihr Bruder. Sicher pflegte sie die vielen Pickel, die ihr hübsches Gesicht gerade verunstalteten. Um sich das Warten zu verkürzen, fischte Sarina einen Brief aus ihrer Erinnerungsschatulle, die sie im Schlafzimmer aufbewahrte.

Noch bevor sie die vor ihr liegenden Aufgaben in Angriff nahm, fühlte sie sich bereits erschöpft. Einkaufen, kochen, bügeln – es türmten sich Berge von Wäsche im Wäschekorb auf – das rief in Sarina das Gefühl hervor, Hamster in einem Rad zu sein, das nie aufhörte, sich zu drehen.

Zudem lag heute noch die Begräbnisfeier von Ursula vor ihr. Die befreundete Nachbarin war mit achtunddreißig Jahren an Krebs verstorben. Sarina fand das furchtbar. Unheimlich, wie schnell sich das Leben ändern konnte, von einem Moment auf den anderen. Jedenfalls war es so bei Ursula gewesen. Sie ging unter die Dusche, tastete einen Knoten, und ihr bisheriges Leben hörte auf zu existieren. Was bis dahin selbstverständlich erschien, wurde zur Farce. An die Stelle scheinbar bedeutungsschwerer Lebensbereiche traten Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Das Hospiz in der Schweiz, in dem Ursula bei lebendigem Leib verfaulte, wie es hieß, beendete eine Krankheitskurzgeschichte, wie sie bitterer nicht ausgedacht werden konnte. Wenn sie an Ursulas Heimkehr im Sarg dachte, wurde es Sarina ganz schwer ums Herz. Ob ihr Tod wohl eine Erlösung gewesen ist? Ruhelos kreiste ihr diese Frage im Kopf herum.

Bekümmert sprang sie auf. Da war keine Zeit für Überlegungen. Sie musste in die Gänge kommen, sonst war der Vormittag vorüber und nichts erledigt.

Im Haus herrschte Totenstille. Doch das täuschte, wirklich ruhig war es in ihrem Leben nie. Sie stand einer flatterigen Familie vor, in der dauernd irgendetwas los war. Für einen Moment überfiel Sarina der Wunsch, von ihren vielen Verpflichtungen befreit zu sein. Sie hätte gerne mal abgeschaltet. Meine Umstände fixieren mich, dachte sie verzweifelt, wie Geschwüre, die man am Ende herausschneiden muss, damit man nicht an ihnen zugrunde geht.

Auf dem Weg in die Küche musste sie wieder an Ursula denken. Weg vom Fenster, raunte es in ihr. Entlassen, für immer entlassen. Einmal ist alles zu Ende. Uhren, die einrasten, Särge, die zuklappen. Und wie viel Träume hat man bis dahin zu Grabe getragen? Vermutlich eine Menge.

Marilena tapste in die Küche. Sie hatte sowohl ihre Schlafanzughose als auch ihr Oberteil hochgezogen, was witzig aussah. Das brachte Sarina zum Lachen. Mit einem Mal fiel alle Schwere von ihr ab. Sie fühlte sich erlöst. Der Dämpfer folgte prompt. Maulend verkündete ihre jüngste Tochter: »Ich muss mir einen Tampon einführen, aber Michael hält das Bad besetzt.« »Hast du denn keine Tampons in deinem Zimmer?«, fragte Sarina. »Nein hab ich nicht! Außerdem ist es ein Unding, dass er das Bad so lange in Beschlag nimmt.« Marilena meckerte noch eine Weile herum, dann verzog sie sich wieder. Sarina wusste nun, wer das Bad als nächstes blockieren würde. Statt sich darüber zu ärgern, beschloss sie, einen Obstsalat zuzubereiten.

Der Obstsalat war fertig und das Bad noch immer belegt. Fröstelnd zog sich Sarina ins Schlafzimmer zurück. Sie betrachtete sich im Spiegel. Ernst sah ihr Gesicht sie an. Um ihre vollen Lippen hatten sich Furchen eingegraben. Sie hob die Mundwinkel zu einem Lächeln. Ganz so tief sind sie doch nicht, es geht noch, tröstete sie sich. Das Leben hält sich eben nicht auf beim Gestern. Es drängt unentwegt vorwärts. Leben und Falten kriegen sind eins. Sie lauschte. Marilena ließ sich mit der Morgentoilette ebensoviel Zeit wie ihr Bruder. Sicher pflegte sie die vielen Pickel, die ihr hübsches Gesicht gerade verunstalteten. Um sich das Warten zu verkürzen, fischte Sarina einen Brief aus ihrer Erinnerungsschatulle, die sie im Schlafzimmer aufbewahrte.


 


 

Verzweiflung
Tod
Georgia
Geschichte
Mitspieler
Chance
Schicksal
Constanze David
Uschi
Buchtipp
Herzsprünge

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Verzweiflung" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: