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Mercedes-Benz richtet Pkw-Produktionsorganisation neu aus

Mercedes-Benz investiert 2014 mehr als drei Milliarden Euro in den Kapazitätsausbau und die Modernisierung der deutschen Pkw- und Powertrain-Werke. Neues Organisationsmodell orientiert sich an den Produktarchitekturen bei Fahrzeugen und Antriebsstrang

 „Wir wollen weiter wachsen und werden in den kommenden Jahren unsere Produktionskapazitäten deutlich erhöhen“, so Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstandes Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain Management

Mercedes-Benz ordnet die Aktivitäten der weltweiten Pkw-Fertigung neu und stärkt seine deutsche Pkw-Standorte mit Milliardeninvestitionen. „Wir wollen weiter wachsen und werden in den kommenden Jahren unsere Produktionskapazitäten deutlich erhöhen. Gleichzeitig wollen wir mit einer Hochleistungs-Organisation unsere Wettbewerbsfähigkeit permanent und nachhaltig steigern“, sagte Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain Management, anlässlich eines Pressegesprächs im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen. Allein in diesem Jahr stemmt Mercedes-Benz 18 Neuanläufe an acht Standorten weltweit, darunter der Produktionsstart der neuen C-Klasse Limousine auf vier Kontinenten. Bis 2020 bringt Mercedes-Benz zusätzlich 12 Modelle ohne Vorgänger auf den Markt.

Neben dem Ausbau der internationalen Aktivitäten stärkt Mercedes-Benz die deutschen Werke in diesem Jahr mit Investitionen von mehr als drei Milliarden Euro. So werden im Werk Sindelfingen über eine Milliarde Euro vor allem für zukünftige Fahrzeuge investiert. Eine weitere Milliarde fließt in das Stammwerk Untertürkheim, unter anderem für die Erweiterung der Motorenproduktion. Mit rund 750 Millionen Euro wird die Kapazität des Werks Bremen ausgebaut. Weitere Mittel fließen auch in das Kompaktwagenwerk Rastatt, wo die vollelektrische B-Klasse Electric Drive ohne Änderung der Taktzeiten in die Serienfertigung integriert ist.

Die neue Fertigungsorganisation Mercedes-Benz Cars Operations (MO) basiert auf weltweiten Produktionsnetzwerken sowie der zentralen Verantwortung von Logistik und Qualität. „Wir kommen aus einer Produktionswelt, in der einzelne Werke weitgehend autonom agiert haben. Nun ordnen wir die Fertigung nach Produktarchitekturen – unabhängig vom Standort“, erklärte Schäfer.

Bei diesen Produktarchitekturen handelt es sich um die Heckantriebs-Architektur (MRA), die Frontantriebs-Architektur (MFA), die Architekturen für SUV (MHA) und Sportwagen (MSA) sowie die Powertrain-Architektur (MPA).

Das MRA-Produktionsnetzwerk (S-, E-, C-Klasse) verantwortet Andreas Kellermann,bisher Werkleiter in Bremen. Für die weltweite Kompaktwagen-Produktion (A-, B-, CLA, GLA-Klasse sowie zukünftig CLA Shooting Brake) ist Michael Göbel zuständig, der zuvor die Roadster-Produktion im Werk Bremen leitete. Die Produktion der SUVs (M-, R-, GL- sowie G-Klasse) sowie der Sportwagen (SL-, SLK-Klasse) verantwortet Jason Hoff, zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als President und CEO des Mercedes-Benz Werks Tuscaloosa (MBUSI). Peter Schabert, der seit 2010 die globale Powertrain-Produktion verantwortet, behält diese Funktion unverändert.

Jede Fahrzeug- oder Powertrain-Architektur greift auf einen Baukasten für Module und Komponenten zurück. Die neue C-Klasse ist das erste Fahrzeug, das in vollem Umfang nach diesem Prinzip produziert wird. Die volumenstärkste Baureihe von Mercedes-Benz ist in diesem Jahr innerhalb von nur sechs Monaten auf vier Kontinenten angelaufen. Den Anfang machte im Februar das Werk Bremen in Deutschland, es folgte im Mai das Werk East London (Südafrika), im Juni der US-Standort Tuscaloosa sowie im Juli das BBAC-Werk in Peking (China).

Im globalen Produktionsverbund steuert Bremen als so genanntes Lead-Werk die Fertigung der C-Klasse – von der Werkzeugstrategie über die Schulung der Kollegen aus internationalen Standorten bis hin zur Produktqualität. So stellt das Unternehmen sicher, dass von Anfang an Top-Qualität an allen Produktionsstandorten gewährleistet ist. Insgesamt wurden rund 500 Mitarbeiter aus den Auslandswerken intensiv geschult, um als Multiplikatoren ihr Wissen in ihren jeweiligen Stammwerken weiterzugeben.

Markus Schäfer: „Unsere deutschen Pkw- und Powertrain-Werke bilden das Rückgrat unseres weltweiten Produktionsnetzwerks. Mit dem Anlauf der C-Klasse an vier Standorten in einem so kurzen Zeitraum hat unsere Mannschaft in allen vier Werken eine herausragende Leistung erbracht, die weltweit ihresgleichen sucht.“

Die Absicherung der anerkannt hohen Qualität „Made by Mercedes-Benz“ unabhängig vom jeweiligen Produktionsstandort ist nur ein Aspekt des neu definierten Qualitätsmanagements.

„Wir spannen einen Qualitätsschirm über alle Ressorts von Mercedes-Benz Cars von der Produktentwicklung bis zum Kunden“, sagte Schäfer. Auch die Bereitstellung von innovativen Fertigungsverfahren gehört für ihn zur Qualität: „Wir ermöglichen damit unseren Designern und Entwicklern, einzigartige Fahrzeuge mit Spitzentechnologien in Serie zu bringen.“

Ein weiterer Schlüsselfaktor in der neuen Organisation ist die zentrale Steuerung der Logistik (Supply Chain Management): Vom Lieferanten bis zum Endkunden müssen alle Teile der Lieferkette reibungslos ineinandergreifen. „Hier haben wir noch große Herausforderungen vor uns, gleichzeitig aber auch enorme Potenziale zur Kosteneinsparung und Steigerung der Effizienz“, so Schäfer.

Durch globale Produktionsnetzwerke rückt Mercedes-Benz näher an die jeweiligen Märkte und Kunden heran und kann auf Nachfrageänderungen schneller reagieren, indem die Fertigung in den einzelnen Werken angepasst wird. Gleichzeitig werden durch die Fertigung in einem anderen Währungsraum Schwankungen der Wechselkurse ausgeglichen.

„Bei einer wachsenden Modellpalette, stetig steigenden Stückzahlen und einer nie da gewesenen Komplexität müssen wir die Flexibilität deutlich erhöhen“, betonte Schäfer.

Dazu gehört unter anderem, dass verschiedene Varianten vom gleichen Band laufen, Anlagen über mehrere Fahrzeuggenerationen hinweg genutzt werden und Arbeitszeiten variabel an die jeweilige Nachfragesituation angepasst werden können. Durch die Standardisierung und Modularisierung der Werke will Mercedes-Benz den Investitionsbedarf begrenzen und die Fixkosten senken. „Entscheidend ist, dass wir uns in allen Disziplinen kontinuierlich verbessern und die Produktivität erhöhen“, so Schäfer.

Eine wichtige Rolle in der Wachstumsstrategie von Mercedes-Benz 2020 ist der Ausbau von Kooperationen, die Gründung von Produktions-Joint Ventures sowie die Nutzung von Kapazitäten bei Auftragsherstellern. Ende Juni hat Daimler die Gründung eines Produktions-Joint Ventures mit der Renault-Nissan-Allianz angekündigt und damit die bestehende Kooperation erweitert. Die Partner werden in einem neuen Werk im mexikanischen Aquascalientes die neue Kompaktwagengeneration produzieren. Die Gesamtkapazität beläuft sich auf 300.000 Einheiten pro Jahr.

Sowohl in der unternehmensübergreifenden als auch in der eigenen Organisation setzt Schäfer auf Transparenz und eine kooperative Zusammenarbeit über alle Hierarchien:„Eine Hochleistungs-Organisation lebt von der Motivation aller Mitarbeiter. Der Faktor Mensch macht den Unterschied.“

Zu den Perspektiven für die deutschen Werke erklärte Schäfer: „Wir investieren weiter in Deutschland und sichern so die Beschäftigung. Gleichzeitig muss jeder Standort für sich international wettbewerbsfähig sein.“ Jüngstes Beispiel ist das Mercedes-Benz Werk Sindelfingen, wo die Unternehmensleitung Ende Juli gemeinsam mit dem Betriebsrat ein Investitionspaket über 1,5 Milliarden Euro mit notwendigen Kostenoptimierungen vereinbart hat, das den Standort zukunftsfähig macht.

(Redaktion)


 


 

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