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Employer Branding

Warum es ohne Recruitingvideo nicht mehr geht

Nico Rose ist Experte im Bereich Employer Branding. Er arbeitet bei Bertelsmann als Senior Director im Corporate Management Development. Außerdem ist er als Dozent und freier Berater tätig. Im business-on.de-Interview spricht er über das Thema Recruiting-Videos. Und zeigt, warum diese Medienform im modernen Employer Branding unverzichtbar geworden ist.

business-on.de: Welche Art von Recruiting-Videos setzen Sie ein?

Nico Rose: Die meisten unserer Videos sind klassische Testimonial-Videos, in denen unsere Mitarbeiter sich selbst, ihren Werdegang und ihre Arbeitsaufgaben vorstellen.

Die Profile sind breit gestreut, inhaltlich, wie auch in puncto Karrierestufe, um die große Bandbreite der Möglichkeiten bei Bertelsmann abzudecken. Weiterhin findet man auf unseren Kanälen viele Videos von unseren Events, insbesondere „Talent Meets Bertelsmann“.

Und schließlich gibt es noch die Serie „Nico´s Casual Friday“ (Beispiel auf youtube).

Diese ist als „Gegenentwurf“ zu klassischen, professionell gedrehten Arbeitgebervideos gedacht: alles von mir selbst gefilmt in wackeliger Youtube-Optik. Ich berichte da von Events, mache Kurzinterviews mit Kollegen und lasse die Zuschauer an meinem Job teilhaben.

business-on.de: Was sagen potentielle Bewerber, was sie in den Videos sehen wollen?

Nico Rose: Ich kenne dazu keine Studien, vermute aber, dass die meisten Menschen einfach die potenziellen Kollegen und die zukünftigen Aufgaben besser kennenlernen wollen – es geht darum, ein Gefühl für den Arbeitgeber zu bekommen.

Wichtig sind hier ein größtmögliches Maß an Authentizität und eine gute Bandbreite an Testimonials. Der Bericht des Stelleninhabers ist eine sehr gute Möglichkeit für eine „Realistic Job Preview“. Wenn das gekünstelt wirkt oder alles nur über den grünen Klee gelobt wird, hilft das dem Bewerber nicht wirklich weiter.

business-on.de: Müssen Recruiting-Videos für eine junge Zielgruppe besonders originell sein?

Nico Rose: Das mit der „Originalität“ ist so eine Sache. Es gibt mittlerweile eine große Reihe von sehr „originellen“ Videos da draußen, von denen die Macher bzw. Verantwortlichen vermutlich wünschen, sie wären nie auf einem frei zugänglichen Server gelandet. Das Rappen sollte man doch lieber den Profis überlassen – und die Authentizität bleibt dabei für mein Empfinden auch auf der Strecke.

Ein wirklich gelungenes Beispiel für Humor in Kombination mit einer sehr passgenauen Darstellung, wie ein Unternehmen tickt, ist für mich Intel; z.B. dieses Video hier

business-on.de: Welche Erfahrungen haben Sie mit Recruiting-Videos gemacht?

Nico Rose: Unsere Kampagne „Create Your Own Career“ ist mit einer großen Zahl an Videos in den Markt gegangen. Eine Beurteilung fällt mir also schwer, weil ich keinen Vergleich zu einer Welt ohne Videos ziehen kann.

Ich glaube, Videos gehören heute einfach zum Pflichtprogramm. Man kann natürlich auf die eine oder andere Art eine Menge falsch machen – aber der größte Fehler wäre es, diesen Kanal einfach außen vor zu lassen.

business-on.de: Wie setzen Sie die Videos im Online-Marketing ein?

Nico Rose: Die Videos werden nach Anlass überall eingebunden, auf der Homepage und in den sozialen Medien. Sie können aber auch eine Live-Präsentation auflockern.

In Stellenanzeigen nutzen wir sie bisher nicht explizit – ich vermute aber, dass das in einigen Jahren auch zum Standard gehören wird.

business-on.de: Je nach Branche präsentieren sich die Unternehmen sehr unterschiedlich im Netz. Hier eine visuelle Karriereseite mit Mitarbeiterfotos und Recruiting-Filmen, dort textlastige Infos und Stellenanzeigen. Können es sich Unternehmen in den nächsten Jahren noch leisten, nicht an ihrem Profil als Arbeitgeber zu arbeiten?


Nico Rose: In Anlehnung an den Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht an seinem Profil als Arbeitgeber arbeiten.

Wie gesagt: Videos sind für mich mittlerweile Standard, das Ganze ist heutzutage auch keine Preisfrage mehr. Wer also bewusst (oder unbewusst) auf Videos verzichtet, macht damit in den Augen der Rezipienten auch eine Aussage.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in Deutschland denke ich, dass Employer Branding zu den Top 3-Aufgaben des HR Managements zählen wird bzw. jetzt schon zählt.


Recruiting-Video für kohlpharma, der größte Arzneimittelimporteur Europas (Produktion: DREILANDMEDIEN)

business-on.de: Zum Schluss: Sie haben viele Recruiting-Videos gesehen. Bitte schauen Sie sich diese vier Beispiele an. Wie ist ihr Feedback?

Nico Rose: Das sind für mich alles gut produzierte, im positiven Sinne unaufgeregte Testimonial-Videos. Die dargestellten Menschen wirken auf mich authentisch, da ist nichts von der Pappkarte abgelesen (oder wenn, dann sehr gut).

Was ich ebenfalls mag, ist die Tatsache, dass man jeweils sehr viel vom Arbeitsumfeld erkennen kann. Wie sind die Büros/Arbeitsräume eingerichtet, wie sind die Kollegen gekleidet, wie sieht die nähere Umgebung aus? Das ist alles sehr schön gemacht.

Kleiner Wermutstropfen: das ist vermutlich nichts, mit dem man einen hohen Grad an Viralität erreichen kann, so etwas wird vermutlich niemand auf Facebook weiterleiten. Wobei Viralität nicht per se ein Vorteil ist – siehe die schon zuvor erwähnten „Praktikanten-Raps“.

(Redaktion)


 


 

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