Sie sind hier: Startseite Stuttgart Lifestyle Wellness & Genuss
Weitere Artikel
Unternehmen/Fun Factory

Erotikspielzeug: Frankreich steht auf "rot", Belgien auf "gelb"

Wenn Dirk Bauer mit anderen Managern unterwegs ist, wird meist schon vorher über ihn geredet. «Die wissen oft schon, was ich mache, bevor sie mich überhaupt kennenlernen», sagt der 43-Jährige. Es ist seine Arbeit, die andere zum Tuscheln hinter seinem Rücken animiert. Bauer ist Geschäftsführer der Bremer Firma Fun Factory - ein Unternehmen, das seit einigen Jahren erfolgreich Erotik-Spielzeuge vertreibt.

Seinen Erfolg führt das Unternehmen dabei vor allem auf die Strategie zurück, keine reinen Penis-Nachbildungen, sogenannte Dildos, zu produzieren, sondern Produkte, die Spaß machen sollen und nicht versteckt werden müssen. Eines kommt der Fun Factory seit einigen Jahren zudem entgegen: Sextoys sind zwar, wie Bauer immer wieder zu spüren bekommt, ein Gesprächsthema, aber kein Tabuthema mehr. Sie werden immer beliebter und selbstverständlicher - auch in Partnerschaften.

Einer aktuellen Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos zufolge betrachten 68,5 Prozent der Deutschen Sexspielzeuge nicht mehr als Tabu. Vier von fünf Befragten empfinden sie in einer Beziehung mittlerweile normaler als noch vor 20 Jahren. Und den Worten folgen meist auch Taten: Fast die Hälfte (49,1 Prozent) aller deutschen Frauen besitze bereits ein Spielzeug, behauptet die Studie sogar. Hinzu kämen viele, die mit dem Gedanken spielten, sich eines
zuzulegen.

Auch Ilona Offermann, Sprecherin der Fun Factory, sagt, dass sich die Einstellung in Deutschland zu diesem Thema etwas geändert hat. «Frauen sind viel selbstbewusster geworden. Inzwischen sehen viele das Sexspielzeug so verständlich an, wie eine Handtasche oder Zahnbürste», sagt sie. Doch nicht nur die Frauen seien offener geworden, berichtet sie. Auch in Partnerschaften seien die Spielzeuge immer beliebter. «Wir sehen unsere Produkte ja auch nicht in Konkurrenz zum Mann - eher als 'dritten Spieler'», sagt sie.

Dieser «dritte Spieler» bei der Fun Factory haben meist Namen, wie man sie von ganz normalen Kinderspielzeugen zu kennen meint: Dolly Dolphin, Patchy Paul oder Freaky Fritz. Erst auf den zweiten Blick erkennt man dann auch, dass der Wurm Paul keine Silikon-Skulptur, sondern ein Vibrator ist. «Früher gab es eben nur Penis-Nachbildungen in grellen Verpackungen. Die wollte doch keine Frau haben», sagt Offermann. Fun Factory setze eher auf ein modernes, schlichtes und ansprechendes Design, wie sie sagt.

Gegründet wurde das Bremer Unternehmen, das inzwischen nach eigenen Angaben Europas führender Hersteller von Dildos und Vibratoren aus Silikon ist, 1996 von Dirk Bauer und Michael Pahl: Am Küchentisch formten die beiden aus Knete ihre ersten Delfin-Dildos, die dann in Handarbeit in Silikon gegossen wurden. «In einem Bierglas wurde dabei die erste Form hergestellt», berichtet Offermann. Bauer erklärt die Idee folgendermaßen: «Wir haben einfach gesehen, dass es nicht wirklich ansprechende Produkte für die Frau gab.»

Inzwischen hat das Unternehmen 85 Mitarbeiter und produziert rund 150 verschiedene Sexspielzeuge. Hergestellt werden diese in einer Art Garagenwerkstatt in Bremen. Eine billigere Produktion im Ausland kommt für Fun Factory nicht in Frage. «Unseren Kunden ist Qualität besonders wichtig», betont Offermann. In den letzten Jahren hätte auch der Gesundheitsaspekt immer mehr an Bedeutung gewonnen, wenn sich Frauen ein Sexspielzeug zulegten.

Trotz der heimischen Produktion ist Fun Factory seit einigen Jahren aber auch erfolgreich im Ausland tätig. 2003 gründete die Firma ihr erstes Tochterunternehmen in den USA. Dass in anderen Ländern auch andere Vorlieben herrschen, musste das Unternehmen dabei immer wieder feststellen. So sei etwa der Markt in Großbritannien sehr komplex. «Die Frauen sind dort nicht so experimentierfreudig und eher konservativ», sagt Offermann.

Amerika sei hingegen ein großer Markt. «Aber es wird wenig darüber gesprochen.» Auch werden die Produkte meist ganz unterschiedlich nachgefragt, weiß Offermann. «Frankreich steht zum Beispiel total auf rote Dildos. Gelb geht da gar nicht. Aber das ist wiederum in Belgien sehr beliebt.»

Auch wenn viele Länder weltweit inzwischen von Fun Factory mit Sexspielzeugen beliefert werden, gibt es auch noch Tabuzonen. Dass solche Spielzeuge eben nicht überall in der Welt so selbstverständlich geworden sind, wie in Deutschland, musste die Firma vor allem feststellen, als sie 2008 mit ihrem Produkt «Delight» den «reddot design award» gewonnen hat. Es war das erste Sexspielzeug, das einen solchen Preis erhielt. Bei einer Ausstellung der Preisträger in Dubai konnte die Fun Factory schließlich aber nicht teilnehmen, berichtet Offermann. «Dort ist so etwas eben einfach nicht gewünscht.»

(Redaktion)


 


 

Dirk Bauer
Fun Factory
Erotik-Spielzeuge
Penis-Nachbildungen
Dildos
Sextoys
Ipsos
Sexspielzeuge
Ilon

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Dirk Bauer" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

1 Kommentar

von mojo
07.11.09 15:52 Uhr
Oft zu lange Nachlieferzeiten für Händler

Anstelle immer weiter ins Ausland zu schielen, sollte Fun Factory erstmal in die Lage kommen die deutschen Händler problemlos zu beliefern. Dies ist leider nicht der Fall! Als einer der Händler der ersten Stunde finde ich es von dieser Firma beschämend, dass man bei diversen Produkten zum Teil mit sehr langen Nachlieferzeiten zu rechnen hat.

 

Entdecken Sie business-on.de: