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Personalien/Erwin Teufel

Erwin Teufel feiert seinen 70. Geburtstag - traditionsgeprägt und gläubig

Sein Philosophiestudium hat Erwin Teufel inzwischen an den Nagel gehängt. Ab und zu hält er noch Vorträge, dem Deutschen Ethikrat gehört er an, und er ist Präsident des Deutsch-Französischen Instituts (dfi) in Ludwigsburg. Sonst hat sich der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der 14 Jahre und 88 Tage lang im Amt war, weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am morgigen Freitag (04.09.2009) wird der CDU-Politiker 70 Jahre alt.

2005 hatte Teufel die Macht an Günther Oettinger (CDU) abgegeben. Damals endete eine nahezu beispiellose Karriere in der Politik. Fast 50 Lebensjahre widmete der pflichtbewusste Idealist dem Land und seinen Menschen. Schon mit 15 Jahren fand der gläubige Katholik seine politische Heimat bei den Christdemokraten, als 17-Jähriger gründete er gemeinsam mit Heiner Geißler den Rottweiler Verband der Jungen Union, und mit gerade mal 25 Jahren wurde er Bürgermeister von Spaichingen und damit das damals jüngste Stadtoberhaupt in der Republik.

Aufgewachsen in Zimmern bei Rottweil auf einem Bauernhof, musste Teufel als ältestes von acht Kindern früh Verantwortung übernehmen. Das dürfte die in ihm schlummernden Führungsqualitäten wohl ans Tageslicht gebracht haben, obwohl Erwin Teufel ursprünglich Sportreporter werden wollte. Im Eiltempo durchlief der Bauernsohn und überzeugte Katholik nach einer Verwaltungsausbildung schließlich seine Laufbahn: Behördenleiter, Bürgermeister, Staatssekretär, CDU-Fraktionschef im Landtag und schließlich von 1991 bis 2005 Ministerpräsident.

«Arbeit ist nicht alles, aber ohne Arbeit ist alles nichts.» Diese Worte hat sich Teufel stets zum Lebensmotto gemacht. Mitarbeiter in der Regierungszentrale und Kabinettskollegen hatten es dabei nicht immer leicht mit ihrem arbeitswütigen Chef, der nicht selten den Eindruck vermittelte, er selbst könne es ohnehin am besten. Teufels Eigenart, wichtige Entscheidungen im stillen Kämmerlein mit sich allein auszumachen, sorgte nicht weniger für Irritationen. Ihm haftete der Ruf eines «Geheimniskrämers» an.

Seinen politischen Weggefährten und der Bevölkerung ist Teufel als Ministerpräsident traditioneller Prägung in Erinnerung bleiben. Bodenständigkeit hat er weit mehr verkörpert als sein Vorgänger Lothar Späth, und dabei doch das ABC der Macht beherrscht, ohne auch nur ein Mal in einen Skandal zu schlittern. Aber auch Verbissenheit und Kleinkariertheit wurden Teufel nachgesagt. Dabei zeigte spätestens sein Entschluss, als Pensionär noch ein Philosophiestudium in München aufzunehmen, dass er weitaus weltoffener ist, als viele dachten. Aber es war ihm wohl lieber, unterschätzt als überschätzt zu werden. Zumindest machte es ihm großen Spaß, Menschen, die ihn unterschätzten, zu überraschen.

Anerkennung über Parteigrenzen hinweg bekam Teufel für seine Mitwirkung an der Ausarbeitung einer EU-Verfassung. Im Land setzte er vor allem mit Fusionen Akzente: SWR, LBBW und EnBW. Mit dem Milliardenerlös aus der Veräußerung der Landesanteile am Stromkonzern EnBW gründete er 2000 die Landesstiftung Baden-Württemberg, die bis heute Projekte im Bereich Forschung, Bildung und Kultur ermöglicht, von denen andere Bundesländer nur träumen können.

Dabei musste Teufel auch Niederlagen einstecken. Nachdem er von Späth das Zepter übernommen hatte, erlitt die CDU Verluste bei der Landtagswahl und musste sich einen Koalitionspartner suchen. 1996 wurde der Ministerpräsident vom Landtag erst im zweiten Wahlgang wiedergewählt. Auch konnte er den von ihm nicht gerade geschätzten Oettinger, der so gänzlich anders ist als er selbst, nicht als Nachfolger verhindern.

Dennoch schied Teufel nicht frustriert aus dem Amt, sondern in aufgeräumter Stimmung. Der Bauernsohn ohne Abitur mietete sich eine Studentenbude an und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. 2006 veröffentlichte Teufel ein kleines Buch mit Gedanken über Politik und Gesellschaft. «Maß und Mitte - Mut zu einfachen Wahrheiten» lautet der Titel. In Anlehnung an Karl Popper, der eine Orientierung an einfachen Grundeinsichten propagierte, formulierte Teufel darin eigene Grundeinsichten. «Mitte ist nicht Mittelmaß, sondern Optimum», heißt es darin. Zumindest er selbst hat nach dieser Grundeinsicht immer gehandelt.

(Redaktion)


 


 

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