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Energie/Windkraft

Experten verlangen Ausbau der Windkraft - Skepsis in der Politik

Hannelore Reinbold-Mench (Freie Wähler) tritt mit stolzer Miene ans Rednerpult vor die Windenergie-Experten. Sie stellt am Dienstag (07.07.2009) in Stuttgart den Mix aus Erneuerbaren Energien vor, mit dem ihre Gemeinde Freiamt im Schwarzwald seinen Strombedarf deckt. Alleine vier Windräder erzeugen dort drei Viertel des Bedarfs. Und die Touristen kommen trotz der Anlagen.

«Wir binden die erneuerbare Energie in unser Tourismuskonzept ein», erzählt die Bürgermeisterin mit spitzbübischem Grinsen und berichtet von Wanderungen zu den Windrädern und der Hackschnitzelheizung für den Hotelpool. Freiamt ist Vorreiter. Das Potenzial für Windenergie im Südwesten wird nach Ansicht der vortragenden Experten nicht annähernd genutzt.

Jahrelang stieß die Technologie in Baden-Württemberg auf Skepsis bei Politikern. So wurde für Dienstag auch zum allerersten Mal zu einem Branchentag der Windenergie im Land geladen. Die Windrad-Befürworter halten nicht hinter dem Berg mit ihrer Kritik. Der Südwesten sei im Vergleich mit anderen Bundesländern weit hinten dran, heißt es vielfach, der von der Landesregierung geplante Ausbau zu gering. Windkraft ist im Aufwind«, betont Walter Witzel vom Landesverband Windenergie. »An Baden-Württemberg geht dieser Aufwind leider vorbei.«

Bislang deckt die Windenergie nur 0,7 Prozent des Strombedarfs im Land ab. Dieser Anteil ließe sich nach Ansicht des Bundesverbandes Windenergie auf bis zu zehn Prozent erhöhen. Noch stammt nur ein Prozent des Stroms, der in Deutschland mit Wind produziert wird, aus dem Südwesten. Insgesamt drehen sich in Baden-Württemberg 344 Windräder. Lediglich neun von ihnen wurden im vergangenen Jahr neu in Betrieb genommen.

«In Baden-Württemberg fehlen moderne Anlagen an den wirklich guten Standorten», moniert BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. Er sieht die «enormen» Potenziale zu wenig genutzt. Es gebe «riesige Spielräume». Ein Grund liegt nach seiner Ansicht in der «Verhinderungspolitik», die bis vor wenigen Jahren im Land herrschte. Frieß kann sich noch gut an die Ablehnung von Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) erinnern, der seinerzeit vor einer «Verspargelung» der Landschaft warnte. Teufel habe «von seinem  Hubschrauber aus kein Windrad sehen wollen», schildert Frieß. «Deswegen wurde viel verschlafen.»

Inzwischen habe sich «psychologisch was geändert», urteilt der BUND-Landeschef. Aber das wirke sich nicht aus. Die «Bekenntnisse» der CDU blieben «rhetorisch». Auch die Kommunen wehrten sich. Dort bestünden aus Furcht vor Konflikten mit Windkraftgegnern «oftmals Ressentiments». Das sieht offenbar auch Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) so und kündigt an, künftig stärker bei Bürgermeistern für Windkraft zu werben. Interesse macht Frieß genügend aus. «Wir haben eigentlich viele Investoren», betont er. Aber nicht für die möglichen Standorte.

Die Standortfrage ist der «große Streitpunkt», erläutert Witzel. Als sogenannte Vorranggebiete, die für den Bau von Anlagen in Frage kommen, würden meist Gebiete ausgewiesen, an denen die Anlagen nicht so deutlich zu sehen sind. Dies seien jedoch nicht die mit den besten Windbedingungen. Witzel zufolge lassen sich aber viele Standorte in Baden-Württemberg, etwa auf den Gipfeln im Schwarzwald, genauso effektiv nutzen wie die Küsten Norddeutschlands. »Der Verzicht auf Windkraft kostet auch Geld«, warnt er. Nötig seien neue Vorranggebiete. Witzel schlägt 250 Standorte vor, auf denen 650 Windräder überwiegend in Dreiergruppen stehen. Von einer «Verspargelung der Landschaft» könne da keine Rede sein.

Die Landesregierung will die Windkraft inzwischen ebenfalls ausbauen. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil von 0,7 auf 1,6 Prozent steigen. Frieß und Witzel werten dies zwar als positives Signal, aber noch immer als zu wenig ambitioniert. «Ein Nasenwasser», resümiert der Grünen-Landtagsabgeordnete Franz Untersteller.

(Redaktion)


 


 

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