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Ost-West-Vergleich: Gehaltsunterschiede in Deutschland

In 2017 feiern wir 27 Jahre der deutschen Wiedervereinigung. Viele Dinge haben sich in der Zeit angeglichen oder zumindest angenähert. Aber wie steht es um die Gehälter?


Anhand von 339.006 Gehaltsdaten wurde eine Analyse zum Gehaltsvergleich von alten und neuen Bundesländern durchgeführt. Hierfür sind Gehälter nach der Postleitzahl regional eingeordnet und miteinander verglichen worden. Zudem wurden exemplarisch die Durchschnittsgehälter für ausgewählte Branchen und Berufe ausgewiesen. Zu diesen Branchen zählen der Handel, der Industrie- und IT-Sektor sowie das Gesundheitswesen.

Es handelt sich bei allen Gehältern um durchschnittliche Bruttojahresgehälter von Fachkräften ohne Personalverantwortung. Sie stammen aus den vergangenen 12 Monaten.

Ost-West-Gehaltsvergleich: Mehr als 25 Prozent im Westen
Für den ersten Eindruck wollen wir die Gehälter im Gesamtüberblick betrachten. Dafür haben wir einen Gehaltsvergleich zwischen Ost- und Westdeutschland ermittelt, der unabhängig von Berufen und Branchen ist.

Die Auswertung hat ergeben, dass die Gehälter in den alten Bundesländern bei durchschnittlich 46.835 Euro im Jahr liegen. Spitzenreiter sind die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Wenn wir uns das durchschnittliche Gehaltsniveau in den neuen Bundesländern anschauen, kommen wir auf ein Ergebnis von 37.373 Euro jährlich. Vor allem der Stadtstaat Berlin liegt mit 41.020 Euro jährlich jedoch eindeutig über diesem Durchschnittsgehalt.

Im Gehaltsvergleich ergibt sich also ein Ost-West-Gefälle von insgesamt 25,3 Prozent.


Eine genaue Aufschlüsselung der durchschnittlichen Jahresgehälter für die einzelnen Bundesländer finden Sie in der nachfolgenden Tabelle. Es handelt sich um Bruttojahresgehälter. Das Ranking der Bundesländer erfolgt nach Höhe des Mittelwertes.


Weitere Informationen zu den Gehältern in verschiedenen Regionen Deutschlands können Sie unserem Gehaltsatlas aus dem Jahr 2016 und dem Länderranking 2017 entnehmen.

Fast 20 Prozent Gehaltsunterschied im Handelssektor
Betrachten wir ausschließlich den Sektor Handel, können wir in der Auswertung erkennen, dass Beschäftigte im Osten des Landes bis zu 20 Prozent weniger verdienen als ihre Kollegen in einem Unternehmen im Westen Deutschlands. Um absolute Gehaltsdaten zu nennen – im Westen liegt das Gehalt für den Handelssektor bei durchschnittlich 37.586 Euro, im Osten sind es 31.582 Euro.

Exemplarisch haben wir außerdem den Beruf des Verkäufers im Einzelhandel untersucht. Die Fachkraft im Westen erhält rund 30.500 Euro, Verkäufer in den neuen Bundesländern liegen um fast 4.000 Euro darunter.

Alte BundesländerNeue BundesländerDifferenz
Handelssektor gesamt37.856 €31.512 €19 %
Verkäufer/-in im Einzelhandel30.524 €26.503 €15 %

Größtes Ost-West-Gefälle im Sektor Industrie/IT
Im Industrie- und IT-Sektor finden wir die größte Gehaltsdifferenz zwischen Ost und West. Insgesamt liegt diese bei 30 Prozent. Das bedeutet in absoluten Zahlen mehr als durchschnittlich 10.000 Euro brutto im Jahr.

Das Jahreseinkommen des Softwareentwicklers im Backend liegt in einem alten Bundesland bei rund 55.900 Euro, im Osten verdienen Fachkräfte im gleichen Beruf 47.700 Euro. Für diesen Beruf macht das einen Unterschied von 17 Prozent.

Auch den Lohn des Elektronikers haben wir exemplarisch verglichen: Im Westen der Republik erhält dieser durchschnittlich 42.273 Euro, im Osten Deutschlands sind es lediglich 32.109 Euro. Laut Studie haben wir eine Gehaltsdifferenz von durchschnittlich 31 Prozent.

Alte BundesländerNeue BundesländerDifferenz
Industrie/IT gesamt53.206 €41.153 €29 %
Softwareentwickler/-in Backend55.934 €47.706 €17 %
Elektroniker/-in42.273 €32.109 €31 %

Arzthelfer verdienen im Westen 4.000 Euro mehr
In unserem Ost-West-Gehaltscheck können wir für das gesamte Gesundheitswesen eine Differenz von 15,6 Prozent ermitteln. Fachkräfte im Gesundheitswesen erhalten in alten Bundesländern durchschnittlich 40.178 Euro im Jahr, während in den neuen Bundesländern im Schnitt 34.740 Euro auf das Konto eingehen.

Für den Beruf des Arzthelfers bedeutet das eine Lohndifferenz von fast 4.000 Euro im Jahr; Arzthelfer im Osten erhalten 25,6 Prozent weniger als im Westen Deutschlands.

Alte BundesländerNeue BundesländerDifferenz
Gesundheitswesen gesamt40.178 €34.743 €15,6 %
Arztpfleger/-in31.898 €25.406 €25,6 %

Wie kommt es zu einem so starken Ost-West-Gefälle?
Die Gründe für die zum Teil großen Lohndifferenzen zwischen Ost und West haben unterschiedliche Ursachen.

In den neuen Bundesländern gibt es keine großen Konzerne oder Industrien wie im Westen des Landes. In den alten Bundesländern haben zahlreiche Unternehmen ihren Firmensitz, darunter auch große DAX-Konzerne mit großem Kapital und einem entsprechend hohen Personalbudget. In den neuen Bundesländern hingegen gibt es eher kleine bis mittelständische Unternehmen, die keine so hohen Gehälter an ihre Beschäftigten zahlen können.

Gleichzeitig sind aber auch die Lebenshaltungskosten im Großteil der neuen Bundesländer vergleichsweise gering: Mietpreise und die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr sind oftmals um einiges preiswerter als in vielen Städten im Westen der Republik.

Die Ausnahme im Osten des Landes bildet Berlin. Hier sind die Gehälter im Vergleich durchaus höher als in einigen Teilen der alten Bundesländer. Durchschnittlich liegt das Niveau in der Hauptstadt bei rund 41.020 Euro jährlich. Der Grund dafür ist die große Anziehungskraft der Stadt. Sowohl aus den neuen als auch aus den alten Bundesländern suchen hier viele Beschäftigte eine Anstellung. Berlin gilt als Hochburg für die deutsche Gründerszene: Startups sprießen aus dem Boden – auch ein Grund dafür, dass das Gehaltsniveau hier entsprechend höher ist.

Wie wird sich das Ost-West-Gefälle zukünftig angleichen?
Ob sich die Gehälter in Zukunft weiter angleichen, ist fraglich. Zwar finden große Städte der neuen Bundesländer wie Berlin, Leipzig und Dresden immer größeren Zuspruch – zum Beispiel bei Abiturienten auf der Suche nach einem Studienplatz – jedoch geht damit kein direkter Gehaltsanstieg einher. Lediglich die Start-Up-Szene, die zum Teil auch schon in Leipzig fußt, kann für einen Anstieg des Gehaltsniveaus in der Region sorgen. Gleichzeitig bleiben die Gehälter in den alten Bundesländern nicht stehen. Vielleicht wird sich in einigen Jahren die Lücke verkleinern, verschwinden wird sie wohl nicht

Textquelle: Gehalt.de

(Redaktion)


 


 

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