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Helmut Bross – der Formel V-Fighter: 72 Jahre und immer noch Benzin im Blut

Erfolgreich duellierte sich Helmut Bross mit Rennlegenden wie Keke Rosberg, Niki Lauda, Jochen Mass, Nelson Piquet oder Jochen Rindt. Die deutsche Meisterschaft in der Formel V konnte er vier Mal gewinnen: drei Titelgewinne in der Formel V 1300 und eine Meisterschaft in der 1,6-l-Super V.

Sein erstes Rennen bestritt Helmut Bross im Alter von zehn Jahren „behindert“, nämlich mit nur einem Arm. Trotz dieses wortwörtlichen Handicaps einer Armverletzung manövrierte der ambitionierte Junge die Seifenkiste als Erster ins Ziel – man schrieb das Jahr 1949. Nach kürzeren, wenn auch erfolgreichen, Ausflügen in den Radrennsport schaffte es der gelernte Industriekaufmann erst mit seinem zweiten Monoposto  (Monoposto = einsitziger, offener Rennwagen mit freistehenden Rädern)  auf den Rundkurs, wo er wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Mit seinem Lotus Formel 3 landete der 24jährige im Jahr 1963 direkt im Graben – unmittelbar nach dem Kauf des Wagens. Das hatte Folgen, denn nun musste Bross für einen neuen Wage sparen, was weitere drei Jahre dauerte, bis er sich im Jahr 1966 stolzer eines gebrauchtes Formel-V Fahrzeug der Marke Fuchs nennen konnte.

Der Durchbruch als Rennfahrer

Nach einem 4.Platz erhielten die Ambitionen des jungen Rennfahrers allerdings den väterlichen Segen, der dann auch die notwendige Unterstützung zum Kauf eines neuen Kaiman Formel-V-1300 gab. Prompt belohnte Helmut das Vertrauen seines Vaters mit einem 1.Platz in Montlhery (Paris). Das bemerkenswerte Überrunden des Zweitplatzierten führte damals zwar zur Totalkontrolle seines Rennwagens, doch der Sieg war nicht zu beanstanden. Das war der Durchbruch, nun musste man mit Bross rechnen! ln den Folgejahren nahm Bross bei nahezu jedem Rennen teil und dominierte die Formel-V souverän. So wuchs Helmut Bross Ende der 60er Jahre mit der verrücktesten Renn-Clique aller Zeiten auf, seine Gegner hießen Marko, Pankl, Schurti, Luyendyk, Trint & Co. Wehmütig erinner sich der Alt-Meister: „Die Formel V war das Größte, wir haben zu viert im Einzelzimmer  gepennt, Kameradschaft und Spaß waren alles. Dein Konkurrent war damals noch dein Freund,…“.

Erfolgreich duellierte sich Bross in seiner Klasse mit Rennlegenden wie Keke Rosberg, Niki Lauda, Jochen Mass, Nelson Piquet oder Jochen Rindt. Die deutsche Meisterschaft konnte er in den Jahren 1968, 1969, 1970 und 1972 gewinnen. Das waren drei Titelgewinne in der Formel V 1300 und eine Meisterschaft in der 1,6-l-Super V. Sie  machten ihn zu einem der erfolgreichsten Vertreter seiner Zunft. Jener „Komet“, der ihm 1972 den Super-V-Titel bescherte, war übrigens eine Porsche-Konstruktion, die die Weissacher Renningenieure für ihre Kumpels Günther Steckkönig und Eberhard Braun gebaut und mit Drehstab- statt Spiralfederung versehen hatten. „Es gab nur zwei Exemplare“, erinnert sich Bross, „das Ding war ein echter Hammer“. Und doch zählte Bross nie zu den Privilegierten, die einen der lukrativen Werksverträge in der Formel 1 erhielten.

Im Jahre 1971 startete er in Daytona Beach (USA) in der Super-Formel-V. Mehrfach trat der Formel-V-Frontmann auch mit einer Europa-Auswahl bei den berüchtigten Vergleichskämpfen gegen die US-Boys in Daytona und Sebring an und kehrte einmal als Dritter der Weltmeisterschaft und einmal als WM-Fünfter zurück. Doch damit nicht genug: auch in der Formel 3 hatte Bross seinen Platz auf der Siegertreppe und in der Europa-Interserie holte er mit seinem Lola BMW nach dem Titel des Vizemeisters im Jahr 1977 sogar den Gesamtsieg.

Wundersamer Weise überstand Bross anders als manche Kollegen die V-Ära ohne größeren Unfall,  dafür erwischte es ihn im Jahre 1980 im Chevron-Formel 2 auf der Nordschleife (Die Nordschleife ist der im Jahre 1927 eröffnete und älteste Teil der Rennstrecke „Nürburgring“, der in der Eifel gelegen ist) gewaltig.  „Wegen eines Felgenbruchs flog ich 400 Meter weit. Das Auto war platt, mir ist fast nichts passiert“. Über viele Jahre hinweg startete der Veteran immer wieder in der Interserie, wo er ein Mal Meister und  vier Mal Vizemeister geworden war. Dann, im Jahr 1999, ließ er seine aktive Laufbahn ausklingen und verkaufte und seinen Bestand an Rennwagen.

Bross als Privatier: Es prickelt immer noch  

Als Privatfahrer und Teamchef hatte es Helmut Bross wirtschaftlich nicht immer einfach, gegen die großen Rennställe zu bestehen, um so mehr sind seine beachtlichen Erfolge zu werten.

Heute hält der gebürtige Herrenberger immer noch regelmäßig Kontakt mit anderen „Rennlegenden“ wie Jochen Mass, Eberhard Mahle oder mit seinem „Schwaben-Spezi“ Roland Asch und trifft sich bei den verschiedensten Events der Branche. Aber der 72-Jährige nimmt heute auch immer wieder mal als aktiver Fahrer bei manch einem Rennen teil – jüngst,  Mitte Juni 2011, erkämpfte er sich mit seinem  Lucchini Rennwagen 2.0l (Opel-Motor mit 1.998cm3, 4 Zylinder, 260 PS, Baujahr 1986 als Prototyp der Klasse C; siehe Foto) beim Rennen um das „Stuttgarter Rössle“, das der ADAC und der Stuttgarter Motorsportclub gemeinsam ausgerichtet hatten, immerhin den zweiten Platz -  bei einem Teilnehmerfeld mit 70 Fahrzeugen. Resümee: Viele behaupten es, bei ihm aber stimmt es wirklich: Helmut Bross hat Benzin im Blut.

Übrigens: Die Leidenschaft für den Motorsport und das Cockpit seines Rennwagens teilt sich Helmut Bross heute mit seinem jüngsten Sohn Patrick, der auf dem Zucchini schon eifrig übt, um in die „Spurrillen“ seines Vaters fahren zu können… 

(Redaktion)


 


 

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