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Führungskompetenz

Führung ist nicht nur Chefsache, Führung ist auch Gehirnsache

Gehirnforschung für Unternehmen – das soziale Gehirn

Motivation von Mitarbeitern

Wie man das am besten macht, damit hat sich jetzt auch die Gehirnforschung beschäftigt und aktuelle Antworten gefunden. Wenn man Mitarbeiter motivieren will, dann ist es nützlich zu wissen, dass unser menschliches Gehirn unter vielen anderen Aspekten über vier wichtige Systeme verfügt: das Belohnungssystem, das Emotionssystem, das Erinnerungssystem und schließlich das Entscheidungssystem. Diese vier Systeme sind maßgeblich dafür verantwortlich, ob und in welchem Umfang Führung und Motivation von Mitarbeiterngelingt. Und übrigens auch, wie die jüngsten Erkenntnisse im Bereich des Neuromarketings zeigen, sind sie maßgeblich dafür, wie man potentielle Kunden motiviert, das Unternehmensangebot zu erwerben. Es sind diese vier Systeme im menschlichen Gehirn, die Menschen dazu bewegen, „mitzuspielen” oder eben auch nicht.

Die Vorbildfunktion ist für die menschliche Lernbereitschaft das stärkste Instrument

Daher stellt sich also für Führungskräfte die Frage, wie, mit welchem Verhalten und mit welchen Maßnahmen, man die vier Systeme von Mitarbeitern so aktiviert, dass das gewünschte Ergebnis herauskommt. Unstreitige Voraussetzung ist, dass die Führungsperson selbst Vorbild sein muss, damit sie für den Mitarbeiter glaubwürdig ist und dass die Führungskraft die Einzigartigkeit jeden Gehirns – seines eigenen und das der Mitarbeiter – anerkennt. DieVorbildfunktionist für die menschliche Lernbereitschaft das stärkste Instrument. Lernen am Vorbild hat uns unsere ersten grundsätzlichen Fähigkeiten wie Sprache, soziales Verhalten und persönliche Werte schon in frühester Kindheit gelehrt und das bleibt auch bei Erwachsenen so.

Das Belohnungssystem

Das Belohnungssystem wird, sehr vereinfacht auf den Punkt gebracht, durch eine erhöhte Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin bewegt. Dopamin ist ein „Glückserwartungshormon”, das dafür sorgt, dass sich eine Bemühung als lohnenswert erfahren lässt. Solange das angestrebte Ziel noch verfolgt wird, also auf dem Weg zum Ziel, wird Dopamin, eine Art körpereigene Wohlfühldroge, ausgeschüttet. Ist das Ziel erst erreicht, verringert sich die Dopaminausschüttung. Dann wird statt dessen Serotonin, ein Neurotransmitter, der Gefühle von Beruhigung und Zufriedenheit erzeugt, wirksam. Herkömmlicherweise werden in Unternehmen zur Belohnung von Mitarbeitern Geschenke, Incentives, Prämien oder Zusatzeinkünfte am Jahresende eingesetzt. Diese Maßnahmen aktivieren aber das Belohnungssystem, die Dopaminausschüttung, der Mitarbeiter nicht kontinuierlich. Sie erzeugen stattdessen einen Gewöhnungseffekt, eine „Sucht nach mehr”. Nach mehr absehbarer Gratifikation als Selbstverständlichkeit. Erfolgen Anerkennung, Wertschätzung und Belohnung dagegen unerwartet und situativ, so tritt der Gewöhnungs- und Abnutzungseffekt im Gehirn nicht ein. Eine freundliche, echte Anerkennung, ein sympathisches Lächeln, aufrichtig gegebene Aufmerksamkeit aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn ebenso wie kleine, angenehme und zeitnahe Überraschungen als Dankeschön für besondere Leistungen.

Das Emotionssystem

Das Emotionssystem im Gehirn ist die Bewertungszentrale für eingehende neuronale Reize. Aus der Sicht der Gehirnforschung sind Emotionen wie Freude, Trauer, Wut oder Angst ganz unromantisch „chemische Prozesse” im limbischen Gehirn. Der „Bewerter” eingehender Reize in diesem Hirnareal ist die „Amygdala”, der sogenannte Mandelkern, der entscheidet, ob ein Gefühl als angenehm oder unangenehm erlebt wird. Dies geschieht unbewusst und rasend schnell, viel schneller, als die erst später einsetzende bewusste Verstandesbewertung, die im Neokortex, im linken Stirnbereich des Großhirns, erfolgt.

Wir fühlen schon, ob etwas gut für uns ist, längst bevor unser Verstand zum Zuge kommt. Deshalb ist es wenig wirksam, von Mitarbeitern ein auf verstandesmäßigen Argumenten beruhendes Verhalten einzufordern, das emotional auf Widerstand stößt. Eine Weile lang kann das scheinbar gutgehen, auf Dauer aber verweigert der gefühlsmäßig übergangene Mitarbeiter die Kooperation und Loyalität. Diese „innere Kündigung” ist die konsequente Folge eines Gefühls von Hilflosigkeit gegenüber einer Führungspersönlichkeit, die als unsozial, mitgefühlsarm, unfair oder Werte-verachtend empfunden wird. Bei aller Durchsetzungsstärke – die Chemie stimmt dann eben nicht. Rachegefühle und Sabotage von Mitarbeitern sind nicht selten die Konsequenz. Herrscht in einem Unternehmen gar ein Klima von Misstrauen und dauerhaftem Druck vor, so wird im Mitarbeiter-Gehirn vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, das Angstgefühle erzeugt. Dauerstress schließlich verursacht nach der „inneren Kündigung“ oft den krankhaften Zustand, den wir als Burnout bezeichnen. Wodurch bekanntermaßen hohe Betriebskosten und Verluste entstehen.

Wertschätzung sorgt für hochmotivierte Mitarbeitergehirne im Unternehmen

Umgekehrt aber, wenn die Führungsperson sich ehrlich interessiert, anerkennend und wertschätzend gegenüber dem Mitarbeiter verhält, wird der chemische Motivationsmix aus Dopamin, dem Bindungshormon Oxytocin und körpereigenen Opioiden für hochmotivierte Mitarbeitergehirne im Unternehmen sorgen. Nichts stimuliert Menschen so sehr wie das Bedürfnis, von anderen gesehen zu werden, die Erfahrung von positiver Zuwendung und Anerkennung. Oder weniger psychologisch ausgedrückt: Unser Gehirn, das in diesem Kontext primär für das Unternehmen ticken soll, ist ein soziales Organ.

Führen Führungsverantwortliche unter Berücksichtigung dieser urmenschlichen Grundbedürfnisse ihre Mitarbeiter, führen sie sozial kompetent, klar und aufrichtig, dann motivieren sie zu leistungsstarker, nicht selten innovativer und für das Unternehmen lukrativer Mitarbeit. So wird nachhaltig Kooperation erzeugt. Es lohnt sich also, neurowissenschaftliche Erkenntnisse in die Personal-Bildung und das Management einzubeziehen, um frühzeitig und elegant Talentscouting im eigenen Betrieb zu praktizieren, neue Führungskräfte (zum Beispiel weibliche) zu fördern und dem demografischen Wandel seinen Schrecken zu nehmen.

(Friederike Matheis)


 


 

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