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Globalisierung

Licht und Schatten der Globalisierung

Der Globalisierungsprozess schreitet unermüdlich voran und verändert unsere Welt. Doch wo Chancen liegen, verbergen sich auch Risiken. Wo Optimismus und Hoffnung herrschen, gibt es zugleich auch Ängste und Sorgen. Welche Ziele und Werte der Globalisierung zugrunde liegen und wie in diesem Zusammenhang kulturelle sowie soziale Spannungen abgebaut werden können, wurde beim Internationalen Wirtschaftsform in Baden-Baden diskutiert.

Das Kurhaus war hell erleuchtet und die rund 700 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien freuten sich auf einen unterhaltsamen Abend. Sie waren geladen zur abschließenden Charity-Gala des Internationalen Wirtschaftsforums, das Initiator Reinhard Hofmann in enger Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Daimler-Generalbevollmächtigten Matthias Kleinert bereits zum vierten Mal in der badischen Kurstadt ausrichtete. ‚Globalisierung wert(e)los?‘ lautete das Motto des Kongresses, zu dem sich viele namhafte nationale wie internationale Persönlichkeiten angesagt hatten.

Die längste Anreise dürfte Ehrengast Frederik Willem de Klerk gehabt haben. Der Friedennobelpreisträger und ehemalige Präsident Südafrikas besuchte nach zwanzig Jahren erstmals wieder Deutschland und fühlte sich in Baden-Baden ausgesprochen wohl. Bevor er abends einen Preis verlieh, sprach er in einem Vortrag über ‚Südafrika als Modell einer erfolgreichen Globalisierung‘. Dabei lobte de Klerk vor allem den Mut deutscher Unternehmen zur Investition in seinem Land und erinnerte daran, dass erst durch den Fall der Mauer in Berlin und der daraus resultierenden Beendigung des Kalten Krieges auch die Überwindung der Apartheid in Südafrika in Gang gesetzt werden konnte. Weiter sagte er: „Die Überwindung von Armut, die Lösung von Konflikten mit Minderheiten und der Klimaschutz sind die größten Herausforderungen im Prozess der Globalisierung. Afrika ist trotz aller Probleme ein erwachender Riese. Deshalb gilt: Das weitere Zusammenwachsen der Weltwirtschaft ist ein unumkehrbarer Prozess.“

Srgjan Kerim, Präsident der 62. UN-Vollversammlung erläuterte, dass die weltweiten Konflikte die Idee einer globalisierten Gesellschaft gefährden und mahnte: „Nur wenn alle politischen und wirtschaftlichen Vertreter zusammenarbeiten, kann der Globalisierungsprozess funktionieren. Wir sitzen alle gemeinsam in einem Boot. Wer zu viel darin schaukelt, übernimmt das Risiko und die Verantwortung alle zusammen umzubringen, wenn das Boot kippt. Deswegen wird mit dem Finger auf den gezeigt, der den Weltfrieden in Gefahr bringt.“

Dass und welche Schattenseiten die Globalisierung hat, daran erinnerte die britische Wissenschaftlerin Zoe Trodd, als sie über Zustände berichtete, die der Sklaverei nahe kommen. „Rund 30 Millionen Menschen werden derzeit gegen ihren Willen und ohne Lohn zur Arbeit gezwungen. Die meisten dieser Arbeitssklaven gibt es in Russland, der Ukraine und Polen“, berichtete sie den entsetzten Forumsbesuchern.

Weitaus weniger ernst ging es abends zu. Bei badischem Sekt und Wein des Weingutes Siegbert Bimmerle, Geflügelleberparfait im Baumkuchenmantel, zartester Kalbshüfte an Burgundersauce und einem feinen Nougatparfait als Abschluss, genossen die Gala-Gäste einen abwechslungsreichen Abend mit anspruchsvoller Musik und atemberaubender Akrobatik von Artisten aus dem Europapark Rust.

Dem Gala-Abend fern bleiben musste IOC-Präsident Thomas Bach, der lediglich tagsüber seinen Vortrag zum Thema „Die Bedeutung der olympischen Idee für eine globalisierte Welt“ hielt. Der IOC-Präsident, der , abgesehen von sportlichen Veranstaltungen, beim IWF seinen ersten offiziellen Auftritt seit seiner Wahl hatte, verwies auf die Bedeutung des Sports zu diesem Thema: „Der Sport ist der globalisierteste Bereich überhaupt unseres menschlichen Lebens. Und nur im Sport gibt es einen weltweiten Ethos.“ Bach kam direkt aus Kasachstan und hatte sich dort einen Infekt eingehandelt, der ihn für weitere Aktivitäten außer Gefecht setzte.

Zum Glück gesund und bestens aufgelegt waren die Laudatoren und Preisträger des Abends, alle als herausragende Persönlichkeiten geehrt, die sich durch Weitsicht, Leidenschaft und großes Engagement im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Sinne ausgezeichnet haben. Für sein Lebenswerk wurde Ex-Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt ausgezeichnet. Als launiger Laudator stimmte der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Gala-Gäste auf den Preisträger ein und rühmte dessen Gabe, gegensätzliche Parteien zur Zusammenarbeit zu bringen, statt auf Konfrontation zu setzen. „In seinem eigenen Betrieb hat er gezeigt, was gelebte Sozialpartnerschaft ist“, unterstrich Schüssel und fügte hinzu: „Wenn Deutschland heute so gut dasteht, dann steckt darin ein Großteil des Lebenswerkes von Dieter Hundt.

„Der Innovationspreis für kulturelle Leistungen, die das internationale Ansehen Deutschlands vorbildlich fördern, hat mit seinem ersten Preisträger Dieter Kosslick ganz klar ins Schwarze getroffen“, sagte Laudatorin und Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler über den Berlinale-Direktor. „Es gibt in Deutschland nur wenige Menschen, die als Kulturmanager so schillernd, humorvoll, politisch, solidarisch, innovativ und erfolgreich sind wie Dieter Kosslick“, beschrieb ihn Furtwängler anerkennend und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Übrigens, diese Adjektive stammen aus einer Rede zur Laudatio, die Dieter Kosslick mir vorsorglich schon mal hat zukommen lassen.“ Furtwängler nannte den Berlinale-Chef in ihrer launigen Rede eine „Lichtgestalt und lebende Imagekampagne für den deutschen Film“, der die Berlinale als „ein Festival des audiovisuellen Erzählens“ nicht nur zum größten kulturellen Ereignis in Deutschland, sondern zu einem der größten weltweit gemacht habe.

Gleich zweifach geehrt wurde Mietwagen-Königin Regine Sixt, die sowohl den Business- als auch den Charity Award für ihre Kinderhilfsstiftung „Tränchen trocknen“ überreicht bekam. Eindrucksvoll würdigte BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel in ihrer Laudatio Regine Sixt als ein Naturereignis. „Sie kommt nicht, sie erscheint – und das in einer sehr beeindruckenden Formenvielfalt: als Unternehmerin, Visionärin, Diplomatin, Lebenskünstlerin, Familienmensch und Wohltäterin“, beschreibt Riekel Multitasking-Phänomen und Freundin Regine, die in ihrem schwarzen Pailletten-Kostüm funkelte wie ein Stern am Firmament.

Es wurde jedoch nicht nur gefeiert an diesem Abend. Es wurde auch an die gedacht, die mehr auf der Schattenseite des Lebens stehen. Mehr als 70.00 Euro an Spenden und durch den Verkauf der Lose gingen an diesem Abend an Peter Maffay und seine Stiftung , die sich mit ihren drei Einrichtungen auf Mallorca sowie in Deutschland und Rumänien um traumatisierte Kinder kümmert. „Kinder sind die kommende Generation. Sie sind es, die die Probleme, die wir heute schaffen, morgen lösen müssen“, mahnte Maffay deshalb in seiner kurzen Ansprache.

Für den Rockstar ist es nicht nur eine Lebensaufgabe geworden, sich um diese Kinder zu kümmern. Ebenso wichtig ist ihm, die Musik als kulturelles Bindeglied für ein besseres Miteinander zu installieren. So wie in dem kleinen transsilvanischem Dorf, wo er gerade eine Saftpresse eröffnet hatte. „In diesem Dorf leben Rumänen, Sinti und Roma. Keiner beherrscht die Sprache des Anderen. Am gemeinsamen Lagerfeuer packte jemand eine Geige aus und begann zu spielen. Plötzlich war die Musik die gemeinsame Sprache, die alle miteinander verbunden hat“, berichtete Maffay bewegt von seiner Reise.

Als Musiker hatte er zudem noch eine Botschaft zum Thema Globalisierung parat: „Für mich gibt es nicht nur die bekannten acht Töne der Tonleiter“, gab er den Besuchern des Internationalen Wirtschaftsforums mit auf den Weg. „Für mich gibt es einen neunten, und das ist der gute Ton.“ Der öffnet nicht nur Türen, er wird auch auf der ganzen Welt verstanden.

(Patricia Leßnerkraus Freie Journalistin)


 


 

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