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Handwerk will nicht länger warten: Neues Schulfach Wirtschaft muss früher kommen

Stuttgart. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium anstelle einer beruflichen Ausbildung. Nicht nur der Münchner Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin sprach in seinem Vortrag heute beim bildungspolitischen Forum des Baden-Württembergischen Handwerktages (BWHT) von einem gefährlichen Irrweg. Der Handwerkstag stellt der fatalen Entwicklung seine Forderungen nach einer fundierten Berufsorientierung entgegen. Das neue Schulfach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung müsse schon zum nächsten Schuljahr kommen, verlangte BWHT-Vizepräsident Harry Brambach: „Länger können wir nicht warten.“

Die Folgen der Fehlentwicklung sind unübersehbar: Handwerksbetriebe suchen immer häufiger vergeblich nach Auszubildenden und der demografische Wandel verschärft das Problem. In einem Forderungskatalog definiert der Handwerkstag deshalb, was gute Berufsorientierung an der Schule können muss und fordert die Landesregierung zu einer raschen Umsetzung auf. An erster Stelle müsse Berufsorientierung die Erkenntnis vermitteln, dass der akademische Weg und die berufliche Ausbildung gleichwertig sind, fasste BWHT-Vizepräsident Harry Brambach die Kernpunkte zusammen. Der direkte Übergang von der Schule in eine Ausbildung sei keine Sackgasse, sondern eine Option auf weitere Abschlüsse und höhere Qualifikationen. Eine gute Berufsorientierung orientiere sich an den individuellen Bedürfnissen und Kompetenzen der einzelnen Schülerinnen und Schüler. „Wir brauchen beides,  wissenschaftliche Expertise und praktisches Können“, unterstrich auch BWHT-Hauptgeschäftsführer Oskar Vogel. Das Handwerk setze große Hoffnung auf das neue Schulfach. Damit werde alles transparenter und nachhaltiger: „Transparenter, weil dann endlich Schluss ist damit, Wirtschaft in Fächerkombinationen unterschiedlichen Namens und Ausrichtung zu lehren. Nachhaltiger, denn nur mit einem eigenen Schulfach gibt es auch eine qualifizierte Fachausbildung an den Hochschulen.“

Staatsminister a.D. Julian Nida-Rümelin nahm den ungebremsten Akademisierungswahn ins Visier. Er sieht die deutsche Bildungspolitik auf dem Holzweg und forderte dazu auf, bei Jugendlichen stärker für die duale Berufsausbildung zu werben. Auch Nida-Rümelin plädierte für ein Bildungssystem, das sich konsequent an der Vielfalt von Begabungen, Interessen und Lebenswegen orientiert. Um eine Abwärtsspirale zu verhindern, die den Fachkräftemangel weiter verstärkt, brauche es ein gesellschaftliches Umdenken, waren sich Nida-Rümelin und Kultusminister Andreas Stoch einig.  Stoch beschrieb die berufliche Orientierung als Zukunftsaufgabe für allgemeinbildende Schulen. Er will verstärkt auch die Betriebe in die Pflicht nehmen und plant für das im neuen Bildungsplan verankerte Fach Berufsorientierung eine enge Verzahnung von Schule und Wirtschaft.

Was muss sich in der Bildungspolitik ändern? Wie kann man Schüler bei ihrer Berufswahl individuell unterstützen und fördern? Welchen Beitrag können die Lehrer, welchen die Betriebe leisten?  Darüber diskutierten anschließend auf dem Podium im Forum der Handwerkskammer Region Stuttgart neben Nida-Rümelin und Stoch der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Georg Wacker, Bernd Saur, Vorsitzender des  Philologenverbandes Baden-Württemberg sowie Anton Gindele, Landesinnungsmeister des Schreinerhandwerks  Baden-Württemberg  unter der Moderation von Renate Allgöwer (Stuttgarter Zeitung). In vier Workshops wurden dann am Nachmittag Einzelaspekte vertieft.

(Redaktion)


 


 

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