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Hochschulen: Soziales Engagement auf dem Studienplan

Studenten, die in Schulen Konzepte zur Sprachförderung von Migranten ausarbeiten oder Kommunen und Vereine rund um das Thema Management beraten, sind noch eine echte Seltenheit in Deutschland. Das in den USA schon weit verbreitete «Service Learning» führt hierzulande noch ein Schattendasein. Heinz Reinders, Professor an der Universität Würzburg, schätzt, dass etwas mehr als 500 Studenten deutschlandweit solche Seminare besucht haben, die soziales Engagement und Lernen verbinden.

Damit sich diese Zahl erhöht, hat er ein Hochschul-Netzwerk mit initiiert, das am Montag in Würzburg gegründet wurde. In der Initiative «Bildung durch Verantwortung» haben sich die Universitäten Mannheim, Würzburg, Duisburg-Essen, Lüneburg, die Uni des Saarlandes, sowie die Uni und die Fachhochschule Erfurt zusammengeschlossen. Die Universität Heidelberg will ebenfalls noch dazukommen.

Gemeinsam soll das soziale Engagement der Studierenden gestärkt werden. Die Hochschulen vereinbaren einen Erfahrungsaustausch bei Tagungen und Workshops rund um das Thema «Service Learning». Zudem sei «persönliche und gesellschaftliche Verantwortung als wesentliche Erziehungsaufgabe» anzusehen und zu entwickeln. An der Universität Duisburg-Essen soll eine entsprechende Koordinierungsstelle eingerichtet werden.

Nach Deutschland gebracht hat das Ganze im Jahr 2003 der inzwischen emeritierte Professoranfred Hofer. Über einen Kollegen in den USA auf das Thema aufmerksam geworden, bot er im Sommersemester 2003 an der Universität Mannheim ein Seminar an, in dem die Studenten beispielsweise Schüler zu Hausaufgabenhelfern oder Streitschlichtern ausbilden sollten.

Diese Workshops sollten wohlgemerkt zusätzlich zu den normalen
Anforderungen wie Literaturstudium und Referaten geleistet werden.
«Das Seminar war ein Wagnis», blickt der Wissenschaftler zurück.
Schließlich sei es aber das schönste Seminar seines Dozentenlebens
geworden, wobei die Studenten ihre Erfahrungen sogar in einem Buch
zusammenfassten.

Die Reaktion im Kollegenkreis sei eher zurückhaltend gewesen, erinnert er sich: «Da wuchs etwas zusammen, was noch nicht zusammengehörte.» Auf offene Ohren stieß er mit seinem Konzept jedoch bei seinem damaligen Mitarbeiter Heinz Reinders. Als der im Wintersemester 2007 an die Universität Würzburg wechselte, bot er ein erstes Seminar mit Service Learning an. Seitdem gibt es durchschnittlich eine Veranstaltung pro Semester. «Dabei suchen wir uns aber nichts aus, wo sich die Studierenden mal austoben können», stellt er klar. Es werde darauf geachtet, dass die Projekte Bezug zur
Realität hätten und etwa in Grundschulen umgesetzt werden könnten.

Das Echo der Studenten ist positiv und die Ergebnisse auch. Laut einer deutschlandweiten Studie nehmen die Teilnehmer mehr Wissen mit als ihre Kommilitonen. Eine Beobachtung, die weltweit gemacht wird. «Internationale Studien zeigen, dass die Seminarteilnehmer das vermittelte Wissen besser verstehen und anwenden können, wenn sie es praktisch einsetzen», sagt Reinders.

Neben den Studenten profitierten auch die Träger pädagogischer Programme, weil sie kostenlos die Ressourcen bekämen, die sie benötigen, um ihre Angebote zu optimieren. Und nicht zuletzt die Universitäten, weil es ihnen gelinge, mit derartigen Angeboten ihr Profil zu schärfen und der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. «Wir haben also eine Win-Win-Situation», folgert Reinders.

Sein Kollege Hofer betonte bei der Vertragsunterzeichnung, dass «Service Learning» nicht nur für sozialwissenschaftliche Fächer geeignet sei. In den USA fänden sich ähnliche Angebote inzwischen in beinahe jedem Fachbereich. Dies erfordere auch eine gewisse Anstrengung der Hochschulen. «Wer Service Learning durchführen will, der sucht sich eben Kooperationspartner», sagte Hofer. Dies könnten soziale Einrichtungen, Kommunen, aber auch Non-Profit-Organisationen sein. Das Angebot sei zweifelsohne ein sinnvolles Instrument zur Ergänzung bestehender Lehrformen.

Er regte speziell an, an den Netzwerk-Hochschulen «Service Learning» als Wahlpflichtfach in den Studiengängen zu verankern. «Nur dies ermöglicht eine dauerhafte Verpflichtung», betonte der Wissenschaftler.

(Redaktion)


 


 

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