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Impuls-Talk

Mulgheta Russom – als Blinder ist Dein Leben nicht vorbei

Mittwoch Abend fand der 42. Impuls-Talk von Marcel Baars im Weingut der Famile Kern in Kernen statt. Gast war diesmal ein außergewöhnlicher Mensch – der Blindenfußballer Mulgheta Russom. Er erzählte aus seinem ereignisreichen Leben und wie wichtig für ihn Kommunikation sei. Highlight der Runde war die Anpassung der 23 Zuhörer an die Dunkelheit eines nicht sehenden, mit einer Augenklappe lauschte man den Worten von Russom.

Schon erstaunlich wie sich das hören und fühlen verändert wenn man in einer Runde sitzt und die Augen mit einer Augenklappe bedeckt sind. Diese Erfahrung konnte die Runde beim 42. Impuls-Talk von Marcel Baars am Mittwoch machen.

Auslöser dazu war Mulgheta Russom, der erfolgreiche Blindenfußballer. Der Eritreer war 1984 mit seinen Eltern nach Deutschland eingewandert. Im Alter von 20 Jahren steckte er in der Modebranche gerade in einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann als das Schicksal hart zuschlug. Nach einem schweren Autounfall wurde er drei Mal wiederbelebt, 14 Stunden operiert. Noch im Krankenhaus liegend verlor er dann durch eine auftretende Infektion sein Augenlicht. Da könnte man schon mal verzweifeln…
Mulgehta beschloss dieser Verzweiflung keinen Raum zu geben. Unterstützt durch den Rückhalt seiner Familie setzte er seine Kämpfernatur ein um zurück ins Leben zu gelangen. Er lernte nach und nach, dass eigentlich alles möglich ist und er sich nicht einschränken lassen muss.

Russom habe ich beim Impuls-Talk als einen sehr selbstbewußten, lebensbejahenden Menschen mit einem unglaublichen Gespür für seine Gegenüber kennengelernt. Da sollte sich manch sehender eine Scheibe davon abschneiden. Wie so oft im Leben war auch bei Mulgehta der Drang nach sportlicher Herausforderung eine treibende und erfolgreiche Kraft um sich Schritt für Schritt nach vorne zu kämpfen. Die Teilnahme am Stuttgarter Zeitungslauf eröffnete die sportliche Laufbahn des heutigen Fitnesstrainers.

Können Sie sich vorstellen wie Mulgheta Russom sich erfolgreich beim Fallschirmsprung, Wasserski fahren, Weitsprung oder Speerwerfen versucht? Das alles hat er tatsächlich gemacht, ein geht nicht gibt es bei ihm nicht. Mittlerweile hat er sein 45. Länderspiel für die deutsche Blindenfußball National Mannschaft gespielt und ist mit 13 Toren der unangefochtene Rekordschütze. Sehr schade dabei ist das ein solcher Fußballer dabei kein Geld verdient. Ich persönlich denke, da wäre seitens des Verbandes sicherlich Handlungsbedarf. In der Bundesliga wird so viel Geld verdient, es findet sich doch bestimmt eine Möglichkeit die Nationalspieler der Blindenmannschaft mit einzubeziehen. Ganz realistisch betrachtet leisten diese Sportler bei weitem mehr… oder wie „sehen“ Sie das?

„Video einfügen Blindenfußball“

Viele Fragen der Gesprächsteilnehmer begannen mit „ Mulgetha, wie siehts Du das denn…“. Dieses zauberte natürlich sofort ein peinlich berührtes Lächeln auf unsere Lippen. In seinen Antworten merkte man jedoch schnell dass er selbst diese weit verbreitet Redewendung benutzt.

Eine der Fragen an Mulgehta Russom: “Wie kannst Du Dir ein Bild von Deinem Gegenüber, Tieren oder Gegenständen machen?“ „Nun, ich bin froh nicht von Geburt an blind zu sein. Dadurch bin ich in der Lage ganz konkrete Vorstellungen und Bilder zu erzeugen von meiner Umwelt, den Menschen denen ich begegne.“

Alles in allem bin ich einem sehr starken, selbstbewussten Menschen begegnet. Eine tolle, sehr interessante Begegnung die mir manches „vor Augen“ geführt hat. Verzweiflung ist der Beginn des Endes, Bewegung ist Fortschritt und die Teilnahme am Leben.

An dieser Stelle auch einmal Dank an Marcel Baars. Er schfft es immer wieder in seinem Impuls Talks Highlights zu setzen. Der nächste Talk am 13. Juli hat das Thema: „Warum warten bis es zu spät ist?“. Susanne Kränzle, Leiterin des Hospitz Esslingen, referiert und stellt sich Fragen der Talkrunde. Wie immer findet er in Kernen bei der Familie Kern statt. Liebhaber eines guten Weines haben dabei die Gelegenheit einen solchen zu genießen.

Zum Blindenfußball
(Quelle: blindenfußball-online.de)
Blindenfussball – so funktioniert es
Diese spannende und zugleich faszinierende Sportart gibt es seit mehr als 20 Jahren in mittlerweile 21 Ländern. So fiel am 26. und 27. Mai 2006 in Berlin der Startschuss zum ersten internationalen Blindenfussball – Turnier. Seit dem Jahr 2008 spielen die deutschen Mannschaften auch in der Blindefussball – Bundesliga.

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Wie funktioniert Blindenfussball?
Beim Blindenfussball treten zwei Mannschaften mit je fünf Spielern gegeneinander an. Die vier Feldspieler sind blind oder haben einen geringeren Sehrest. Eventuelle Unterschiede werden durch Augenklappen ausgleichen, um für alle Spieler die gleichen Voraussetzungen zu schaffen. Einzig die Torhüter dürfen sehen, allerdings müssen sie in ihrem Torraum bleiben und dürfen den Ball auch nur dort annehmen. Blinde Sportler spielen nach Ihrem Gehör und Orientierungssinn, weshalb der Ball eingebaute Rasseln hat. Außerdem ist er kleiner und deutlich schwerer als ein üblicher Fußball (ähnlich einem Futsal-Ball), so kann er nah am Spieler bleiben und nicht zu hoch springen. Zur Sicherheit tragen alle Spieler einen Kopfschutz.

Das Spielfeld misst gerade mal 20 x 40 Meter, die Längsseiten sind durch Banden begrenzt, die ins Spiel aktiv mit einbezogen werden. Die reine Spielzeit beträgt 2 x 25 Minuten. Das Tor hat beim Blindenfußball aber die Maße vom Handballtor, 2 x 3 Meter.
Es gibt insgesamt drei Schiedsrichter, der dritte Schiedsrichter sitzt am Spielfeldrand und fungiert als Zeitnehmer, nimmt Time Outs und Auswechslungswünsche der Trainer entgegen und macht den Spielbericht.

Beim Spiel ist die sprachliche Kommunikation für die blinden Sportler äußert wichtig. Die Abwehr wird durch den Torhüter unterstützt, das Mittelfeld vom Trainer und die Abwehr vom sogenannten „Guide“, der hinter dem gegnerischen Tor steht. Wird beispielsweise „10-1“ zugerufen, so wissen die blinden Sportler, dass es bis zum Tor noch 10 Meter sind und ein Gegenspieler dazwischen ist.
Enorm wichtig ist aber auch, dass jeder Spieler der sich dem ballführenden Spieler nähert, das spanische Wort „Voy“ immer wieder laut rufen muss, das übersetzt „ich komme“ heißt.

Auch beim Blindenfußball gibt es Fouls, Strafstöße und Freistöße, sowie auch gelbe und Rote Karten, allerdings gibt es kein Abseits.
Um das Spiel verfolgen zu können, tragen die Zuschauer und die Auswechselspieler Kopfhörer.

Wie sind blinde Sportler organisiert?
Die Sportart Blindenfussball wird seit 2008 von der Sepp-Herberger-Stiftung, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) gemeinsam organisiert. Diese haben somit eine europaweit einzigartige Spielserie für sehbehinderte und blinde Sportler eingeführt. Mittlerweile haben sich an mehr als 15 Standorten in Deutschland Trainingsgruppen gebildet, die beispielsweise von Blinden- und Sehbehindertensportvereinen, Integrationsvereine oder Förderzentren unterstützt werden.

Für die internationale Entwicklung und Organisation des Blindenfussballs ist die International Blind Sports Federation (IBSA) mit ihrem Sitz in Madrid verantwortlich. Sie wollen mit der Unterstützung der UEFA im Rahmen ihres Futsal-Entwicklungsprogramms für blinde Sportler europaweit Blindenfussball – Seminare für Trainer und Schiedsrichter der FIFA-Landesverbände realisieren.
Welche Intension steckt dahinter?
Für viele sehbehinderte und blinde und sehbehinderte Menschen ist Fußball eine große Leidenschaft. Denn Fußball verbindet und kann die gesellschaftliche Integration erleichtern. So will man mit der Blindenfussball – Bundesliga dazu beitragen, dass bundesweit Fußballangebote für sehbehinderte und blinde Sportler entstehen.

(Bernhard Eckert)


 


 

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