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Interview

Auf die Barrikaden gehen

Zum Thema Blumengroßmarkt Stuttgart führten wir ein Interview mit Raimund Korbmacher. Er ist Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte . Als Geschäftsführer leitet er die Geschicke des BGM Köln.

Sehr geehrter Herr Korbmacher, vielen Dank das Sie uns als Gesprächspartner zum Thema Blumengroßmarkt Stuttgart eG zur Verfügung stehen. Als Vorstandsvorsitzender sitzen Sie an der Spitze der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte e.V. (VDB).

In der Vereinigung zusammengefügt haben sich zum jetzigen Zeitpunkt noch acht Blumengroßmärkte. Dazu zählen:

  • BGM Dortmund
  • BGM Düsseldorf
  • BGM Frankfurt
  • BGM Hamburg
  • BGM Karlsruhe
  • BGM Köln
  • BGM Mannheim
  • BGM Stuttgart

BON: Der Blumengroßmarkt Stuttgart hat aktuell eine ganz besonders schwierige Situation. Was halten Sie persönlich davon?

RK: „Das, was im Moment mit der Genossenschaft des Blumengroßmarktes Stuttgart passiert, ist nichts anderes als eine feindliche Übernahme durch das städtische Unternehmen „Märkte Stuttgart GmbH“. Es geht schlicht um die Tatsache, dass die Genossenschaft des Blumengroßmarktes nach 50 Jahren erfolgreicher Tätigkeit aus dem Weg geräumt werden soll. Es geht nicht um die, um die es eigentlich gehen müsste: Die rund 50 Erzeuger und Großhändler und deren über 1000 Kunden aus dem Blumeneinzelhandel der Region. Der ganze Vorgang ist ein Skandal!

BON: Wie denken Sie über die Märkte Stuttgart GmbH und deren Aktionen?

RK: Wenn ein durch Steuergelder finanziertes kommunales Unternehmen bestens funktionierende privatwirtschaftliche Strukturen zerschlagen will, dann stellt sich schon die Frage: Wo leben wir eigentlich?

BON: Sind Sie der Meinung das die hundertprozentige Tochter der Stadt Stuttgart den Blumengroßmarkt Fachgerecht wird führen können?

RK: Einen Blumengroßmarkt zu führen – das ist mehr als nur die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und die Toiletten sauber zu halten. Wer soll denn in den täglichen Abläufen Ansprechpartner für Anbieter wie für Kunden sein? Wer wird Kunden- und Anbieterakquisition betreiben? Wer organisiert Fachdemos, Floristikschulungen, Prüfungen, wer entwickelt Werbemittel, wer die Öffentlichkeitsarbeit, wer kümmert sich um statistische Daten und die Marketing-Maßnahmen, die sich daraus ergeben?

BON: Wie stehen Sie generell zur Genossenschaft als Betreiber des Blumengroßmarktes Köln?

RK: Keine Organisationsform ist dazu besser geeignet als eine Genossenschaft mit Führungspersonal, dass aus der Branche kommt und den Markt kennt. Es ist doch auch für alle von Vorteil, wenn es mit einer Genossenschaft einen Ansprechpartner gibt, der die Meinungsvielfalt bündelt. Es sei denn, man will solche Strukturen der Vereinzelung – weil man sich gegenüber einzeln auftretenden Anbietern besser durchsetzen kann.

BON: Was würden Sie den Stuttgarter Genossenschaftsmitgliedern denn ans Herz legen, um die Führungsspitze rund um Gert Hieber zu unterstützen?

RK: Gemeinsamkeit macht stark. Diesen Grundsatz der Genossenschaftsidee sollten sich die Anbieter, aber ebenfalls die Kunden des BGM Stuttgart vor Augen führen und in der Öffentlichkeit eine klare Position beziehen. Sie sollten auf die Barrikaden gehen! Und so dem Landgericht Stuttgart vermitteln, dass neben allen rechtlichen Fragen zur Kündigung und Räumungsklage letztlich auch darüber entschieden wird, ob ein kommunales Unternehmen so ganz einfach eine Genossenschaft zerschlagen darf.

BON: Bei Recherchen ist aufgefallen das es auch in der Vergangenheit einen ähnlichen Fall gab. Es gab die BGM Berlin, was ist aus ihr geworden?  

RK: Blicken wir zehn Jahre zurück, blicken wir nach Berlin. Dort wollte die Stadt das kostbar gewordene BGM-Gelände an der Friedrichstraße anderweitig nutzen – sprich versilbern, besser gesagt vergolden. Der Blumengroßmarkt wurde umgesiedelt, die Genossenschaft aufgelöst, ein städtisches Tochterunternehmen führt seither die Geschäfte. Die wenigen kleinen Erzeuger, die es überhaupt noch in der Metropolregion gab, wurden ausgeschlossen. Existenzvernichtung! Heute gibt es gerade einmal 13 Großhändler auf dem sich (in aller Bescheidenheit) „Frischezentrum“ nennenden Blumengroßmarkt. Ein Trauerspiel für eine der größten Städte Europas. Es gibt dort florale Produkte aus aller Welt, regional erzeugte Blumen und Pflanzen finden sich aber nur noch in seltenen Ausnahmefällen“. Und welchen Weg wird Stuttgart einschlagen?

BON: Vielen Dank Herr Korbmacher für die klaren und ausführlichen Worte zu dem in die Enge getriebenen BGM Stuttgart. Welchen Weg wird Stuttgart gehen? Das fragen wir uns in der Redaktion ebenfalls. Werden Endkunden in den Blumengeschäften weiterhin die heutige Blumenvielfalt vorfinden? Mit der gleichen Liebe von den jetzigen regionalen Erzeugern ausgesucht, angepflanzt und zum Verkauf angeboten?  Oder wird es dazu führen dass, wie bei der neuen Gesetzgebung zum Thema Pflichtbeleg viele kleinere Bäcker, Metzger usw. ihren Laden zum 01.01.2020 einfach geschlossen haben… sie sich teure Investitionen in neue Kassensysteme einfach nicht leisten konnten und wollten?

Die jetzige Betreibergenossenschaft ist mit viel Liebe und Berufung Dienstleister für die Genossenschaftsmitglieder. Das konnten wir bei Besuchen des BGM Stuttgart immer wieder feststellen. Eine Befragung unsererseits ergab, dass 95% lieber bei der Betreibergenossenschaft bleiben würde.  

 Erklärung zu den Kürzeln

BON: BON Stuttgart

RK: Raimund Korbmacher, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte und Geschäftsführer des BGM Köln.

(Redaktion)


 


 

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