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Interview

Norman Bücher

Gerade erst ist er aus Bhutan zurück, doch schon hat er sich regeneriert. Es war keine Urlaubsreise und auch keine klassische Dienstreise, die der 35jährige Norman Bücher aus der Nähe von Karlsruhe unternommen hat. Es war das Abenteuer Donnerdrache.

Ein Extremlauf quer durch das kleine Königreich im Himalaya-Gebirge, das sich Norman Bücher als Vortragsredner und Buchautor finanziert.

„Ein bewegendes Erlebnis“, schwärmt der Sportler nach seiner Rückkehr in die Heimat. „In nur 55 Stunden und 45 Minuten habe ich die 265 Kilometer von Trongsa im Landesinneren zum berühmten Kloster Tiger‘s Nest geschafft.“

Geschlafen hat er nur zwei Mal rund 30 Minuten. Während seines Laufs legte er einen Unterschied von 8.000 Höhenmetern auf einer Höhe von bis 3.500 Metern über dem Meeresspiegel zurück. „So viel bin ich noch nie an einem Stück gelaufen“, gesteht er anschließend nicht ohne Stolz. Prompt wurde Norman Bücher deshalb eine besondere Ehre zuteil: Als erster Ausländer überhaupt durfte er als Gastredner in der Universität von Bhutan auftreten und erklären, was man von einem Extremsportler für das Berufsleben lernen kann.

„Rund 250 Studenten, alles angehende Lehrer, hörten mir gespannt zu. Obwohl ich den Vortrag spontan und ohne Bild- oder Tonsequenzen und ohne Powerpoint halten musste, durfte ich erleben, wie viel Inspiration dennoch allein von meinen Worten ausging. Das war ein ganz besonderer Moment“, erinnert sich Bücher.

Schon während seines Laufes wurde der Deutsche immer wieder von den Einwohnern des Landes angesprochen, denn die lokalen Medien hatten über den „verrückten“ Europäer ausgiebig berichtet. Geduldig beantwortete er immer wieder aufs Neue die Frage nach dem Warum. Die Antwort ist einfach, denn sie beschreibt zugleich das Lebensmotto von Bücher. „Break your limits“, so bringt er es nicht nur im Gespräch mit business-on auf den Punkt.

BON: Herr Bücher, was treibt Sie an, sich solchen Torturen auszusetzen?
NB: Der Reiz liegt vor allem darin, dass ich dabei immer wieder versuche, meine eigenen Grenzen zu verschieben. Wie weit kann ich gehen? Was ist körperlich wie mental tatsächlich möglich? Ich mache das nur für mich als reine Selbsterfahrung. So ein Extremlauf bereitet mir ein großes Stück mehr Lebensqualität, denn ich lebe während solcher Projekte wesentlich intensiver und erkunde ein fremdes Land dabei auf eine sehr privilegierte Weise.


BON: 265 Kilometer in nur zwei Tagen und Nächten – wie schafft man das?
NB:
Eine wichtige Grundlage ist natürlich eine exzellente Vorbereitung. Ich laufe zunächst kleinere Einheiten, die ich mit der Zeit kontinuierlich steigere. Gute zehn Wochen vor dem Start, beginne ich mit den langen Einheiten. Vor Bhutan bin ich beispielsweise elf, zwölf Stunden am Stück gelaufen, das sind etwa 90 bis 100 Kilometer. Parallel dazu betreibe ich ein moderates Krafttraining sowie ein intensives Mentaltraining. Der Kopf muss nämlich noch fitter sein als der Körper. 

BON: Wie machen Sie sich mental fit?
NB: Dabei arbeite ich viel mit Bildern. Für das Abenteuer Donnerdrachen habe ich mir Fotos von meinem Zielpunkt Tiger’s Nest besorgt. Immer und immer wieder habe ich mir diese Bilder eingeprägt und mir dabei vorgestellt, wie ich zu dem Kloster hochlaufe und endlich ankomme. So mache ich mich auch während des Laufes stark, wenn der innere Schweinehund mal mit mir kämpft. Mein Geist steht immer über dem Körper. Wenn der Geist zum Aufhören drängt, dann tue ich das auch – egal wie fit der Körper noch ist. 

BON: Sie werden häufig von großen und kleinen Unternehmen als Vortragsredner gebucht. Wie können die Firmen von Ihnen profitieren?
NB: Es gibt verschiedene Parallelen zwischen dem Berufsleben und dem Leben eines Extremsportlers. Ein ganz wichtiges Thema ist zum Beispiel die Zielsetzung. Haben die Menschen ein konkretes Ziel und wie lautet es? Oder sind es in Wahrheit eher vage Wünsche, Träumereien, abstrakte Vorsätze? Aber wie definiere ich ein Ziel? Es muss konkret sein, messbar sowie umsetzbar. Nur wenn ich ein wirkliches Ziel formulieren kann, habe ich die nötige Motivation mich in die Handlungsebene zu begeben und mich Richtung Ziel zu bringen.

BON: Was übertragen Sie noch aus Ihrem Extremsport auf die Arbeitswelt?
NB: Die mentale Stärke ist auch ein wichtiger Faktor in meinen Vorträgen und Seminaren. Es hilft auch im Alltag oder Beruf, wenn man sich mental auf eine bestimmte Situation wie eine Klausur, einen Prüfungstermin, eine Verhandlung, ein Vorstellungsgespräch oder eine Produktpräsentation mental einstellen kann. Auch wenn ich im Vorfeld die Situation noch nicht wirklich abschätzen kann, kann ich sie mir im Kopf so vorwegnehmen, dass ich mich positiv auf den einen Moment programmiere. Das ist so trainierbar wie Muskelaufbau im Fitness-Studio. Aber auch Themen wie Willenskraft, Motivation, Ausdauer sind aus dem Sport auf den Beruf übertragbar.

BON: Sie haben zunächst Betriebswirtschaft studiert und als Unternehmensberater gearbeitet. Warum sind Sie aus dem Job ausgestiegen?
NB: Ich habe mich gefühlt, als würde ich in zwei Welten leben. Tagsüber war ich Unternehmensberater. Mein Job erledigte ich als business as usual, jedoch ohne jegliches Herzblut. Den ganzen Tag freute ich mich auf den Feierabend, wenn ich endlich die Laufschuhe anziehen konnte. Im Training, in den Wettkämpfen, da ging ich richtig auf, war glücklich. Also habe ich nach einem Weg gesucht, meine Leidenschaft zum Job zu machen. Denn nur wenn ich selber Leidenschaft verspüre, kann ich sie auch weitergeben.

BON: Sind Sie heute ein glücklicher Mensch?
NB: Ja, ich bin glücklich, aber nicht immer zufrieden. Ich weiß, welche Ziele ich habe und welches Potential noch in mir steckt. Diese Rest-Unzufriedenheit ist zugleich auch Ansporn, mir immer wieder neue Ziele zu stecken und sie zu verfolgen.

BON: Haben Sie schon ein nächstes Ziel?
NB: Die nächsten Ziele reichen bis ins Jahr 2017, aber ich verrate nur so viel: Im kommenden Jahr wird es für ein größeres Projekt nach Afrika gehen.

Herr Bücher, vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre nächsten Vorhaben.

Für BON: Patricia Leßnerkraus
NB: Norman Bücher

(Patricia Leßnerkraus/Freie Journalistin)


 


 

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