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Interview

Wasser ist unser Element

Kompetenz, Verantwortung und Nachhaltigkeit sind Werte, die sich das Leonberger Unternehmen perma-trade Wassertechnik auf die Fahne geschrieben hat. Vom Trinkwasserfilter über Kalk- und Korrosionsschutz bis hin zur optimalen Heizwasserbehandlung - Firmenchef Michael Sautter und seine Mitarbeiter sorgen stets für optimale Wasserqualität.

Als Michael Sautter 1982 perma trade Wassertechnik gründete, war er selbst noch Schüler und besuchte die 12. Klasse des Gymnasiums. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, sich mutig den Herausforderungen einer Firmengründung mit auf dem deutschen Markt neuen Produkten zu stellen. Inzwischen blickt der 53-jährige Unternehmer auf 35 erfolgreiche Jahre zurück, in denen er und seine Firma nicht nur stetig die Produktpalette vergrößert, sondern zugleich eine große soziale Verantwortung entwickelt haben.

Herr Sautter, wie kommt ein 18-jähriger Schüler dazu, ein Unternehmen für Wassertechnik zu gründen?

Mein Vater hatte mit zwei Partnern eine Handelsvertretung für Heizungssysteme. Er hätte mich gerne in seine Firma geholt, was ich aber nicht wollte. Eines Tages trat ein amerikanisches Unternehmen, das einen deutschen Vertriebspartner in Baden-Württemberg suchte, an ihn heran. Seine Firmenpartner wollten diese zusätzliche Aufgabe jedoch nicht übernehmen, so dass mein Vater spontan mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, diese Aufgabe zu übernehmen. Mit 5.000 D-Mark Startkapital meines Vaters habe ich dann losgelegt.

Haben Sie dann trotzdem noch Ihr Abitur und eine Ausbildung oder ein Studium absolviert?

Nein, nach der 12. Klasse habe ich die Schule abgebrochen und mich um mein Unternehmen gekümmert, das sich dank der guten Vernetzung meines Vaters prima entwickelte, so dass ich bald die ersten Mitarbeiter einstellen konnte. Parallel dazu habe ich eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann gemacht und etwas später noch eine Ausbilder-Eignungsprüfung abgelegt. Durch viele Seminare und Schulungen habe ich mich auf meinem Gebiet stets weiterentwickelt.

Wie groß ist Ihr Unternehmen heute?

Ich habe 80 Mitarbeiter, davon knapp 50 am Standort Leonberg, die im Büro, im Vertrieb, im Lager und in der Entwicklung arbeiten. Die restlichen fest angestellten Mitarbeiter arbeiten im Außendienst von Hamburg bis München, sechs Mitarbeiter arbeiten an unserem Schweizer Standort. Außerdem haben wir noch einen Sitz in Straßburg, sowie jeweils eine 50 prozentige Beteiligung an Vertriebstöchtern in Belgien und Italien.

In welche Länder exportieren Sie Ihre Produkte?

Neben den europäischen Ländern beliefern wir diverse Länder in Südamerika, wo wir in Kooperation mit einem Schweizer Unternehmen bereits viele Anlagen installiert haben, die – salopp ausgedrückt – eine unansehnliche Brühe in genießbares Wasser umwandeln. Aber als Mittelständler tut man sich schwerer, je weiter die Länder und ihre Kulturen von uns weg sind. Wir vertreiben unsere Produkte in Deutschland über Heizungshersteller und Installateure im Zusammenwirken mit Planungs- und Ingenieursbüros oder Wohnbaugesellschaften. Dies ist jedoch nicht überall in gleicher Form darstellbar, so dass man sich in jedem neuen Land auf einen speziellen Markt erst einspielen muss.

Welches Land wäre für Sie künftig besonders interessant?

Bereits in den 90er Jahren hatte ich erste Kontakte zu einem Unternehmen in der Türkei geknüpft, die sich allerdings aus verschiedenen Gründen zerschlugen. Doch noch immer sehe ich in der Türkei großes Potential für eine Zusammenarbeit im Bereich Wasseraufbereitung, so dass es als Trinkwasser bedenkenlos genießbar ist.

Sie beschäftigen gerade einen Studenten der deutsch-türkischen Universität in Istanbul als Praktikanten. Was macht er bei Ihnen und was erhoffen Sie sich davon für Ihr Unternehmen?

Bei einer noch nicht so lange zurückliegenden Delegationsreise durfte ich die Türkei ein bisschen besser kennen lernen und habe dort über verschiedene Gespräche eigene Ideen entwickelt. Dafür muss ich aber zunächst Partnerschaften aufbauen und sie pflegen. Herr Demir, unser Student, studiert Betriebswirtschaft und betrachtet eine mögliche Partnerschaft unseres Unternehmens mit der Türkei aus türkischer Sicht, was sehr wichtig ist. Er hat nun hier die Aufgabe, für uns in Deutschland das bereits bestehende türkische Netzwerk aufzuzeigen, damit wir anschließend dorthin Kontakte knüpfen können. Für uns ist wichtig zu wissen, wie die wirtschaftlichen Strukturen der Türken aufgebaut sind

Soll der Student nach seinem Praktikum Ihr Verbindungsmann in die Türkei sein?

Darüber haben wir bereits gesprochen, da er in seiner Heimat sehr verwurzelt ist. Ich will den Kontakt zu ihm auf jeden Fall aufrechterhalten.

Ihr Praktikant betreut bei Ihnen sogar schon ein eigenes Projekt…

Er hat mich sehr damit überrascht und begeistert, denn ich liebe es, wenn jemand selbständig arbeitet und Verantwortung übernimmt. Schon nach wenigen Tagen in unserem Betrieb hat er mir wie selbstverständlich ein eigenes, sehr beeindruckendes Konzept vorgestellt, das wir tatsächlich umsetzen werden. Es handelt sich dabei um einen speziellen, von ihm optisch mitgestalteten Trinkwasserbrunnen im orientalischen Stil für den Außenbereich. Nach Fertigstellung würden wir ihn gerne als Politprojekt einer Moschee in Deutschland spenden und dort installieren.

Haben Sie angesichts der politischen Lage in der Türkei keine Bedenken bezüglich einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit hier lebenden Türken und dem Land selbst?

Natürlich finde ich derzeit nicht alles gut und richtig, was sich derzeit in der Türkei an politischer Entwicklung abzeichnet, aber ich maße mir dennoch nicht an, ein abschließendes Urteil zu fällen, da ich als Außenstehender sicherlich auch nicht alles richtig erfasse. Ich bin Unternehmer und habe einen Auftrag und eine Verantwortung für das Unternehmen. Umso wichtiger erscheint es mir daher, dass ich intensivere Kontakte mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland, den hier lebenden Türken und auch mit der Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul knüpfe, damit man sich besser kennen lernt und versteht. Ich sehe es schon als verpflichtend an, dass man sich objektiv miteinander auseinandersetzt anstatt nebeneinander herzuleben. Das erweitert jedermanns Sichtfenster und führt zu einem besseren gegenseitigen Verständnis.

Was kostet es mich als Privatperson, wenn ich mir in meinem Haushalt einen Wasserfilter einbauen möchte?

In Deutschland ist für Neubauten aller Art der Einbau eines Hauswassereingangsfilters vorgeschrieben, der die Leitungen vor Schwebstoffen schützt. Zusätzlich können Sie an den verschiedenen Points of Use, also beispielsweise in der Küche, einen Feinstfilter aus Carbon installieren, der auch die letzten Schadstoffe aus dem Wasser entfernt. Der Hauswassereingangsfilter, den man manuell reinigen kann, liegt zwischen 400 und 500 Euro, der Point of Use-Filter liegt bei rund 300 Euro. Seinen Einsatz muss man jedoch in regelmäßigen Abständen von rund 6 Monaten austauschen, weil dann kein Wasser mehr durchgeht. Der neue Einsatz liegt dann jeweils bei rund 50 Euro.

In Ihrem Leben spielt soziales Denken eine große Rolle…

Als ehemaliger Waldorf-Schüler hatte ich dank eines Praktikums schon früh Kontakte zu Menschen mit Behinderung, die ich durch das private Engagement weiter ausgebaut habe. Das ist aber nicht jedem vergönnt. Viele Menschen fühlen sich im Umgang mit ihren Mitbürgern mit Handicap verunsichert, wissen nicht, wie sie sich ihnen gegenüber verhalten sollen. Ich halte es aber für ausgesprochen wichtig, dass diese Unsicherheiten beseitigt werden, damit wir Menschen mit Behinderung richtig in die Gesellschaft integrieren können

Sie haben deshalb die Produktion Ihrer Filterartikel in die Hände von Menschen mit Behinderung gelegt….

Neben unserem Firmengebäude zog eine Behindertenwerkstatt mit zunächst 18 Beschäftigten ein. Die Behinderungen sind körperlicher, geistiger oder psychischer Art. Anfangs habe ich das Sortieren und Zusammenstellen unserer Prospektmaterialien an diese Werkstatt gegeben. Irgendwann kam ich auf die Idee zu fragen, ob es von der Umsetzung möglich wäre, dass wir unsere Endproduktion über die Behindertenwerkstatt fertigen lassen. Es hat dann gute eineinhalb Jahre gebraucht, bis die logistischen Voraussetzungen in der Werkstatt geschaffen waren. Mittlerweile lassen wir rund 90 Prozent unserer Produktion von inzwischen gut 45 Beschäftigen dort fertigen.

Und das läuft reibungslos?

Ja, das läuft tatsächlich reibungslos, aber nur deshalb, weil wir schon bei der Planung neuer Produkte vorausdenken. Das bedeutet, dass wir während der Entwicklung eines Produktes berücksichtigen, wie es von allen Beschäftigten der Behindertenwerkstatt produziert werden kann. Natürlich ist das für mein Unternehmen mit Mehraufwand verbunden und keinesfalls eine kostengünstige Lösung. Auch kann man weder kurzfristig noch unter Druck Neuheiten oder Veränderungen einführen, was manchmal vielleicht nötig wäre. Aber zum einen habe ich als Unternehmer eine gewisse soziale Verantwortung und zum zweiten macht die Zusammenarbeit mit der Behindertenwerkstatt große Freude. Die Beschäftigten dort sind sehr stolz auf ihre Arbeit, sind nur selten krank und zeigen großes Engagement.

Arbeiten Ihre Mitarbeiter mit den Kollegen in der Behindertenwerkstatt direkt zusammen?

Räumlich sind wir voneinander getrennt, aber es gibt natürlich immer wieder Kontakte. Unsere Entwicklungsabteilung hat intensiveren und dauerhaften Kontakt und auch das Qualitätsmanagement ist ständig in der Werkstatt. Mit Marketing und Vertrieb gibt es eher weniger Berührungspunkte. Aber wir schaffen immer wieder bewusst Gemeinsamkeiten für alle. So haben wir alle zusammen ein Kunstwerk gefertigt, das bei uns gut sichtbar auf dem Gelände steht. Es handelt sich dabei um eine Mosaikskulptur, auf der auf der einen Seite „anders“ und auf der anderen Seite „sehen“ steht.

Wie würden Sie den Geist in Ihrem Unternehmen beschreiben?

Wir pflegen einen ganz bestimmten Geist, denn wir wollen anders sein als andere, egal, ob im Marketing, im Vertrieb oder in der Produktion. Wir positionieren uns bewusst mit Produkten, die nachhaltig sind. Sie befriedigen nicht einfach nur irgendwelche Bedürfnisse, sondern wir denken im Vorfeld schon darüber nach, welche Auswirkungen das Produkt hat: Ist es langlebig? Sind die Filter oder andere Teile recyclebar? Solche Themen sind bei uns ein Selbstverständnis.

Welchen Umgang pflegen Sie mit Ihren Mitarbeitern?

Nachhaltigkeit wird auch für die Mitarbeiter großgeschrieben. Sie haben bei uns die Möglichkeit sich zu entwickeln, weshalb über die Hälfte der Angestellten schon länger als zehn Jahre bei uns ist. Manche arbeiten sogar schon seit 35 Jahren hier. Das Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft ist für uns alle gleichermaßen wichtig.

Sind Sie ein schwieriger Chef?

Damit sich meine Mitarbeiter weiterentwickeln können, habe ich eine nicht geringe Toleranzgrenze. Pflichtsoldaten bringen mir nichts. Ich gebe meinen Mitarbeitern einen großen Freiraum und erwarte, dass sie sehr selbständig arbeiten und ihrer Eigenverantwortung gerecht werden. Bei mir steht die Tür immer offen, für jeden einzelnen Mitarbeiter.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Mitarbeiter aus?

Ich schaue nicht zuerst auf gute Noten, sondern suche den Menschen, der dahintersteckt. Mir sind vor allem drei Dinge wichtig: Teamgeist, Kreativität und Querdenken. Ein hochqualifizierter Mitarbeiter mit niedriger emotionaler Intelligenz kann mir unter Umständen viel kaputtmachen.

(Patricia Leßnerkraus Freie Journalistin)


 


 

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