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  • 29.09.2011, 19:14 Uhr
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  • Denkendorf, Kreis Esslingen
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Interview

Wie die Schlagbohrmaschine zum Jedi-Ritter wurde

Sabine Merk ist wirklich eine taffe Frau. Als studierte Diplomverwaltungswirtin und Kunstpädagogin hat sie schließlich ihre Leidenschaft - die Malerei - zu ihrem Beruf und sich im Jahr 1999 selbstständig gemacht. Mittlerweile hat sie ein Archiv mit über 900 eigenen Kunstwerken aufgebaut mit dem Schwerpunkt moderne Malerei. Als ich sie unlängst in Ihrem Atelier "merk-mal" besucht hatte...

... kam ich mir vom ersten Augenblick an so vor, als ob wir uns schon lange kennen würden: wir plauderten, tranken Kaffee und aßen kleine Leckereien. Sabine Merk sprüht vor Energie, nein noch mehr: sie ist Energie pur. Und das sieht man/frau auch an ihren Bildern: farbenfroh, exzentrisch, mitunter unbequem, aber immer ganzheitlich und umfassend gelungen.

Aber das ist noch nicht alles: Die schwäbische Kunstpädagogin hat sich der Aufgabe verschrieben, "kalte" industriell gefertigte Instrumente, Werkzeuge und Bauteile durch gekonnte Interpretation in emotional berührende, lebendige Kunstgegenstände zu verwandeln - eine in dieser Form echte Einzigartigkeit...

Im Folgenden habe ich sie zu ihrem Umfeld und Ihrer Arbeit befragt. 

Business-on.de: Frau Merk, Sie sind Inhaberin der Firma merk-mal Auftragskunst in Denkendorf – verraten Sie uns, was macht Ihr Unternehmen? 

Sabine Merk: In meinem Atelier mit dem Namen „merk-mal“ stelle ich ganz besondere innovative Kunstwerke her: Malerei und Zeichnung. Das heißt, ich setze Firmenphilosophien oder spezielle Unternehmensprodukte malerisch und zeichnerisch in Kunst um. 

Business-on.de: Können Sie ein Beispiel nennen?

Sabine Merk: Stellen Sie sich ein Werkzeug oder eine entsprechende Maschine vor, zum Beispiel eine Schlagbohrmaschine. Die meisten Hersteller solcher Produkte zeigen ihre Produkte auf Fotos, zum Beispiel als Wandbilder in Besprechungsräumen oder Foyers. Diese Fotos sind und bleiben eben Produktfotos, auch wenn sie sich bezüglich der Motive, der Artikel und der Firmenfarben unterscheiden mögen.

Im Gegensatz dazu steht das Gemälde – ganz individuell und handwerklich gefertigt. Das Foto ist für mich erst der Anfang: ausgehend davon male ich dieses fotografierte Produkt; noch mehr: ich inszeniere es durch Farben und Formen und rücke es so in ein neues Licht. Schließlich steht am Ende ein gemaltes Objekt mit einer eigenen Aussage. Wobei hierbei natürlich auch die CI, das Branding, die Firmenfarben berücksichtigt werden können, je nach Wunsch des Kunden. Am Schluss des Prozesses sieht der Kunde a) sein Produkt in einem ganz neuen Blickwinkel und b) erhält er ein exklusiv für ihn angefertigtes Gemälde mit einer entsprechenden Aussage.

Business-on.de: Mit dieser künstlerischen Arbeit tun Sie etwas, was man so noch gar nicht kennt. Diese Form der Arbeit ist Ihr Alleinstellungsmerkmal… 

Sabine Merk: … absolut! Oder kennen Sie einen Hersteller, der z. B. seine Elektro-Produkte auf künstlerische Weise zeigt und es dabei zulässt, dass diese Produkte ihre eigene Identität bekommen? Mit meiner Kunst biete ich gleichsam den Unternehmen an, ihre Produkte auf eine einmalige und individuelle Weise zu präsentieren – das ist eine echte Marktlücke, die sich wachsender Beliebtheit erfreut, denn heute sind Individualität und das Besondere gefragt!

Business-on.de: Welche Unternehmen nutzen diese Möglichkeit, durch Sie ihre Produkte künstlerisch verwandeln zu lassen?

Sabine Merk: Ich freue mich darüber, dass immer mehr Unternehmen den Nutzen erkennen. Drei Beispiele möchte ich Ihnen nennen: Metabo in Nürtingen mit dem Objekt einer Schlagbohrmaschine, WMF in Geislingen mit einer Kaffeemaschine und Mercedes Benz in Wörth mit Werkzeugen.

Business-on.de: Was ist denn Ihr unternehmerisches Ziel für die nächsten drei bis fünf Jahre? 

Sabine Merk: Diese innovative Idee der Produktkunst möchte ich möglichst vielen Firmen zugänglich machen. Damit trage ich auch dazu bei, dass die Welt in der Industrie und darüber hinaus ein wenig bunter wird – und ich zaubere mit diesen Bildern ein Lächeln in die Gesichter der Menschen… Ist das nicht schön, dass technische Geräte, die nur für eine bestimmte Funktion industriell hergestellt werden und die auch als Beweis für technischen Fortschritt gesehen werden jetzt auch über die Kunst und deren individuelle Herstellung in Handarbeit ganz andere Bereiche beim Menschen – Emotionen und Gefühle - ansprechen?

Business-on.de:  … zum Beispiel?

Sabine Merk: Nehmen Sie das Beispiel Metabo: Da wurde durch meine Kunst aus einer Schlagbohrmaschine ein Jedi-Ritter. Das erweckt Emotionen beim Betrachter, die das Produkt als solches in ein ganz anderes Licht rücken – und aus einer „kalten Maschine“ wird ein Gegenstand, zu dem eine Beziehung aufgebaut wird.

Business-on.de: Wie nutzen die Kunden Ihre Produkte, außer dass sie als Gemälde die Räume in den Firmen verschönern?

Sabine Merk: Sehr beliebt sind bei meinen Kunden Originalvarianten des Gemäldes oder Originalzeichungen in limitierter Auflage, die als Geschenke für besondere Kunden, gerne auch anlässlich eines bestimmten Events, weitergegeben werden.

Interessant sind auch die Möglichkeiten im Reprobereich: bei Metabo wurde mein produktbezogenes Kunstwerk als Motiv für die Weihnachtskarte weiterverwendet, bei WMF machte es eine Tasche zum begehrten Sammelobjekt. So kann eine ganze Kampagne entstehen…Der Kreativität und den Ideen sind hier keine Grenzen gesetzt. 

Business-on.de: Mit Metabo, Mercedes und WMF haben Sie Kunden, die schon eine gewisse Größe haben. Kann sich aber auch ein Handwerker, ein Arzt, ein Architekt Ihre Bilder leisten? 

Sabine Merk: Ja, denn meine Kunst ist preis-wert. Die Preisgestaltung erfolgt in drei Stufen: Die Motiventwicklung, die eigentliche Erstellung des Kunstwerkes und die Reproduktion, zum Beispiel als Druck.  Am aufwändigsten ist der erste Schritt, die Entwicklung des endgültigen Motivs, das oft in mehreren Durchläufen erarbeitet wird. 

Business-on.de: Waren Sie auf der Veranstaltung der Stadt und der Region Stuttgart mit dem Namen „Mehrwert - Marktplatz für Mittelstand und Kreative“ am 13. Juli in Stuttgart?

Sabine Merk: Leider nein - ich wollte sehr gerne als Aussteller an dieser Veranstaltung teilnehmen, aber sie war bereits ausgebucht. So ging ich als Besucher hin und ich muss sagen: Die Veranstaltung war wirklich gelungen und sie war aus meiner Sicht auch gut besucht. Mir ist aber aufgefallen, dass das Vortragsprogramm zu straff war. Es war insgesamt zu wenig Zeit dafür, von Stand zu Stand zu gehen, ohne einen Vortrag zu verpassen. Da könnte man die Veranstaltungskonzeption optimieren…

Business-on.de: Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten – was würden Sie sich für Ihr Unternehmen wünschen?

Sabine Merk: Sinnvoll wären mehr Möglichkeiten, um Innovationen zu präsentieren wie zum Beispiel die „Mehrwert“-Veranstaltung am 13. Juli in Stuttgart, wobei hier noch intensiver Firmen aus der Industrie, aus dem Handel und aus der Kreativbranche zusammenkommen sollten.

Business-on.de: Zum Schluss eine Frage: Was möchten Sie unseren Lesern von Business-on.de mit auf den Weg geben? 

Sabine Merk: Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Werte wie gesellschaftliche Verantwortung, Toleranz, Solidarität sowie Respekt vor dem anderen geachtet werden - und dass weniger die Ellenbogentugenden und das Denken in Zahlen und Prozenten im Vordergrund bei der Wirtschaft stehen. Das würde unser Wirtschaftssystem wieder etwas menschlicher machen!

Business-on.de: Frau Merk, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Business-on.de-Redakteur Hasso Kraus.

(Redaktion)


 


 

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