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Konjunktur

2010: Unternehmenspleiten in der Region weiter hoch - Negativrekord bei Privatinsolvenzen

Die in Deutschland registrierte konjunkturelle Erholung, insbesondere im 2. Quartal 2010, hat sich auch auf das regionale Insolvenzgeschehen weiter normalisierend ausgewirkt. Dennoch: Trotz besserer Konjunkturdaten hinterlässt die Rezession des Vorjahres weiter ihre Spuren in der Wirtschaft.

Das betrifft nicht zuletzt die Kapitalrücklagen der Unternehmen. Die Kapitalschwäche ist weiterhin insbesondere ein Problem vieler kleiner und mittlerer Betriebe. Nicht umsonst spielt sich das Gros des Insolvenzgeschehens in Deutschland im kleinen Mittelstand und Kleingewerbe ab - so auch in der Region Stuttgart. Das restriktive Finanzierungsumfeld hat sein Übriges dazu getan. Dies hat erneut viele Firmen in der Region zur Aufgabe gezwungen.

In 2010 wurden in der Region Stuttgart 910 Insolvenzen von Unternehmen und Selbständigen registriert. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen befindet sich somit exakt auf Vorjahresniveau (ebenfalls 910 Fälle) und stellt zugleich den höchstgemessenen Stand an Firmenpleiten seit Beginn der Insolvenzerfassung durch Creditreform dar. Bundesweit wurde hingegen ein Rückgang der Firmeninsolvenzen um 2,5 Prozent gemessen.

Auf die einzelnen Landkreise heruntergebrochen, lassen sich in der Stadt Stuttgart mit 233 Fällen die meisten Firmenpleiten registrieren. Esslingen liegt mit 211 Firmenpleiten dicht auf. Hier wurde auch der größte Anstieg gegenüber 2009 registriert (14,67 Prozent), während sich die Stadt Stuttgart auf Vorjahresniveau bewegt. Der stärkste Rückgang wurde mit einem Minus von 16,37 Prozent im Rems-Murr-Kreis verzeichnet (143 Fälle).

Insolvenzen im Bausektor weiter rückläufig - Handel stärker betroffen als 2009

Gut die Hälfte der insolventen Unternehmen (56,2 Prozent; 2009: 56,3 Prozent) war im Dienstleistungsbereich tätig; Auf den Groß- bzw. Einzelhandel entfallen 21,48 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen (2009: 18,6 Prozent). Der Bausektor machte 2010 ein Neuntel (11,48 Prozent) des Insolvenzgeschehens in der Region aus. 2009 war der Bau noch für jede siebte Insolvenz (14, Prozent) verantwortlich gewesen, 2008 sogar für jede Fünfte. Somit ist der Anteil der Firmenpleiten im Bausegment konstant rückläufig. Auf weiter vergleichsweise hohem Niveau bewegt sich mit 10,9 Prozent der Anteil des produzierenden Gewerbes. Dieser lag in 2009 bei 10,5 Prozent und in 2008 bei geringen 6,7 Prozent.

Im Landkreis Böblingen wurde ein überproportional hoher Anteil an Firmenpleiten im Handel (31,30 Prozent; restliche Landkreise: 15,60 bis 21,50 Prozent) verzeichnet. Einen vergleichsweise geringen Anteil an Unternehmensinsolvenzen im Dienstleistungssektor weißt hingegen der Rems-Murr-Kreis auf (46,20 Prozent; restliche Landkreise: 50,7 bis 63,10 Prozent).

Mehr als drei Viertel der Pleiten entfallen auf Kleinstbetriebe

Nur in jedem zehnten betroffenen Unternehmen (10,4 Prozent) waren zum Zeitpunkt der Insolvenzmeldung mehr als zehn Personen beschäftigt. Im Jahr zuvor waren es noch 14,7 Prozent. Auch diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich das Insolvenzgeschehen in der Region allmählich normalisiert. Das regionale Insolvenzgeschehen spielte sich damit wieder größtenteils im kleinen Mittelstand ab. Mehr als drei Viertel der Pleiten (77,08 Prozent; Vorjahr: 74,68 Prozent) entfallen auf Kleinstbetriebe und selbstständig Tätige mit weniger als fünf Mitarbeitern.

Der Rems-Murr-Kreis sticht mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Firmenpleiten bei Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten heraus (14,7 Prozent).

Privatinsolvenzen: Negativrekord

Mit 3.227 neuen Fällen wurde nicht nur der Vorjahreswert (2.905 Fälle) um 11,08 Prozent übertroffen, auch stellt die aktuelle Zahl einen Negativrekord dar. Bundesweit stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um 10,09 Prozent an.

Generell ist anzumerken, dass die Zahl der Verbraucherinsolvenzen keine Aussagekraft über den Grad der Privatüberschuldung einer Region besitzt. Sie gibt lediglich an, wie viele der überschuldeten Personen letzten Endes bei Gericht eine Restschuldbefreiung beantragt haben. Hierbei handelt es sich meist nur um einen geringen Bruchteil. Eine weitaus genauere Einschätzung liefert die Zahl der Eintragungen in die Schuldnerverzeichnisse, welche in der Region Stuttgart um ein Zehnfaches höher ist.

(Creditreform)


 


 

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