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Restaurant & Co

Als Gastronom kreativ sein - reicht das um zu überleben

Gastronomie in Stuttgart liegt, wie überall sonst ebenfalls, brach. Die Umsätze sind nicht wirklich vorhanden. Was tun, ist hier die Frage.

In den Zeiten von Corona heißt es kreativ zu sein. Antriebsmotor ist oftmals nicht der Umsatz.

So ist selbst von Sterneköchen wie Alexander Hermann zu hören:" Wir stellen fertig gekochte Gerichte zur Abholung bereit. Alles ist fertig zubereitet und abgeschmeckt. Unsere Kunden müssen es nur noch erwärmen bzw. finalisieren. Die Anleitung dazu liegt natürlich bei. Damit kommen wir Umsatztechnisch nicht sehr weit, ca. das was wir normal innerhalb eines halben Tages  der Woche erwirtschaften. Jedoch ist es eine tolle Motivation für das gesamte Team und hält uns bei Laune."

Speisekammer West jetzt ein "Hofladen"

Vorläufig sollen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Baden-Württemberg mindestens bis zum 19. April gelten. Jedoch ist es zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen das es hier eher Verlängerungen geben wird. Dabei ist eines ganz sicher: Soforthilen vom Staat fangen den fehlenden Umsatz nicht wirklich auf. Daher heißt es kreativ zu werden.

So dachte auch Dorit Münzer-Bock von der Speisekammer West. Ein Gespräch mit ihrem Käselieferanten brachte die Idee. Angefangen mit einer kleinen Verkaufsecke hat sie nun den gesamten Gastraum zu  einer Art Hofladen umfunktioniert. Unter Einhaltung des notwendigen Abstands können Stuttgarter nun Käse, Eier, Milch, Butter, Gemüse, Marmelade, Eingemachtes kaufen. Zur Überbrückung und Beschäftigung ihres Personals auf jeden Fall eine Motivationsquelle zum überstehen der Krise.

Klopapier brachte die zündende Idee

In Zeiten der Hamsterkäufe von Klopapier eine geniale Idee: Pro abgeholtem Hauptgericht gibt’s eine Rolle des begehrten Klopapiers obendrauf...

Wie für ganz viele war dem Betreiber vom Trollinger am Feuersee ein Schock. Wir müssen schließen... wie soll es weitergehen? Was ist alles vorhanden im Lager? Wie motivieren wir unsere Kunden zum abholen von Speisen? Was hilft unseren Kunden?

Ugur Ceyhan sichtete das Vorhandene und sofort hatte er die Idee: Gerichte zum Abholen und pro abgeholtes Hauptgericht gibt es bei eine Rolle der über 300 Rollen Klopapier Gratis dazu. Auch das war nur der Startschuss. Nun gibt es auch bei ihm Mehl, Nudeln, Reis und  Öl. Natürlich dürfen die lange haltbaren Produkte in Dosen nicht fehlen.

Umsatz: nur 10 - 20% des normalen Umsatzes. Die Gewinnspannen sind dazu ebenfalls noch niedriger. Jedoch steht auch hier der Hilfsgedanke im Vordergrund, bringt Motivation zudem für einen selbst.

Soforthilfen vom Land nicht wirklich das Gelbe vom Ei?

Gut das vom Wirtschaftsministerium Kriterien gelockert wurden. Denn: Viele haben Rücklagen für Zahlungen ans Finanzamt gebildet. Auf diese Art und Weise lassen Steuerforderungen nicht sofort ein riesen Loch in der Kasse des Unternehmens entstehen. Bis letzten Samstag war dies jedoch ein Kriterium für einen nicht positiven Soforthilfebescheid. Zum Glück nun kein K.O. Kriterium mehr.

Definitiv verstand ich persönlich es nicht wirklich als Hilfe wenn diese "Steuerpuffer" erst einmal aufgebraucht werden müssen. Für eine nicht selbst verschuldete Situation sicherlich nicht der richtige Ansatz.

Synergien werden gebildet

Zum Start der Grillsaison haben der Craftbeer-Laden Kraftpaule und das Barbecue-Restaurant entschlossen gemeinsam Produkte fürs Grillen an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Am 9. April werden sie mit einem  alten Mercedes-Bus losgehen. Lieferservice durch die Stadt... so soll den Menschen  der Beginn der Grill-Saison erleichtert werden. Bier und Fleich ohne den Fuß aus dem Haus zu setzten. Auch eine Möglichkeit um nicht im Supermarkt vielen Menschen begegnen zu müssen.

Lobenswert finden wir an dieser Stelle auch die Unterstützung von Künstlern durch Kraftpaule. In der Veranstaltungsreihe "Live Stream Aid" werden Stuttgarter Künstler unterstützt, die durch die Corona-Krise keine Auftrittsmöglichkeiten haben. Die Craft Beer Bar Kraftpaule stellt sich als Bühne zur Verfügung und streamt das Konzert live ins Internet. Mit einem freiwilligen Beitrag kann man die Künstler unterstützen.

Bei aller Kreativität darf man jedoch nicht übersehen das schon vielen Mitarbeitern im Gastronomie  Bereich gekündigt wurde. Natürlich mit Option auf Wiedereinstellung wenn die Krise vorbei ist. Was aber ist diese Option den tatsächlich wert? Gibt es den Gastronomie Betrieb danach überhaupt noch?

Restaurantketten am Ende

Bereits am 20. März teilte Vapiano mit Zahlungsunfähig zu sein. Der Vorstand der Vapiano SE teilte heute mit das ein Insolvenzantrag gestellt sei. Was bedeutet dies für Deutsche und internationale Franchisenehmer? Sind sie ebenfalls davon betroffen? Wenn nicht unmittelbar dann doch sicherlich im Nachgang. Die Vapiano SE hat weltweit, eigenen Angaben zufolge, 230 Restaurants betrieben. In Deutschland sind es 55 Vapiano Filialen.

Dahinter beschäftigte Vapianoweltweit laut Statistik, im Jahresdurchschnitt 7.225 Mitarbeiter. Direkt im Restaurantbetrieb arbeiteten davon rund 6.900 Menschen.

Nach Vapiano fordert die Corona-Krise ein weiteres Opfer in der deutschen Systemgastronomie. Der Steakhouse-Betreiber Maredo hat ebenfalls einen Insolvenzantrag gestellt. Nachdem seit letzter Woche alle 35 Restaurants der Kette geschlossen sind und keine Umsätze erwirtschaftet wurden ist das laut Kanzlei Noerr (vertritt Maredo in dem Insolvenzverfahren) unausweichlich gewesen.

Betroffen davon sind ca. 950 Mitarbeiter der Restaurant Kette Maredo.

Wie lange können also unsere lokalen Gastronomie Betriebe durchhalten?

Wenn man den Betreibern so zuhört, hat man sehr schnell eine Antwort. Nach 2-3 Monaten "Closed" wird es wahrscheinlich dass es für die meisten Gastros das Aus bedeutet. Ebenfalls betrifft es dann wieder viele Mitarbeiter der Restaurants & Co.

„An dieser Stelle können wir als einzelne ebenfalls unterstützen. Wenn es einem finanziell möglich ist hin und wieder etwas zu Bestellen sollte man die Abhol- oder Lieferangebote nutzen. Tun dies viele, hilft es unseren tollen Stuggi Gastro‘s (und natürlich allen anderen). Ist die Krise dann vorbei, können wir unsere Lieblingslokale wieder aufsuchen um dort gut zu speisen. Gemeinsam können wir helfen, dafür gibt es aktuell ja viele Beispiele.“ so Bernhard Eckert, Herausgeber Business-ON Stuttgart | der-geniesser.eu | die-geniesserin.eu.

(Redaktion)


 


 

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